AURA & ANIMA
Grenzenlose Heimat. Moderne, regionale Sterneküche / Limitless home. Modern regional award-winning cuisine
Autor/-in: Alexander Herrmann • Tobias BätzVerlag: Matthaes
„Farm to table“ trifft Spitzenküche• Das erste Gemeinschaftsbuch von Alexander Herrmann und Tobias Bätz• Einblicke in die einzigartige Symbiose zwischen dem 2-Sterne-Restaurant AURA und dem Future Lab ANIMA im fränkischen Wirsberg• Grenzenlose … [weiterlesen]
Preis: € 99,90
Begründung der Jury:
Genau so ist auch das Buch aufgebaut. In großartigen Bildern und anregenden Texten werden Produzentinnen und Produzenten vorgestellt: etwa die Longhorn-Rinder der Familie Leichtenstern in Altencreuß oder der Kaviar von Sebastian Salomon aus Teichen nahe Dürrwangen. Im „Anima“-Teil des Buchs wird Joshi Oswalds Arbeit gezeigt. Hier findet man die Rezepte für Dinge wie Tomatengarum, Holzsirup, Fingerlimettenöl oder Sellerieschinken – Dinge, die zu Hause vielleicht nicht auf Anhieb funktionieren, für die Arbeit im AURA aber unerlässlich sind.
Zusammengefasst: ein großartiges Buch, einzigartige Fotografie. Nicht wirklich handlich, aber eine Freude, darin zu schmökern.
In dem zweisprachigen (!), roséfarbenen Mammutwerk geht der Blick zwar zurück auf die Geschichte des Posthotels der Familie von Alexander Herrmann, vor allem aber voraus – auf das, was im sogenannten Future Lab Anima ersponnen und im 2-Sterne-Restaurant Aura auf die Teller gebracht wird.
Mit den stimmungsvollen Porträts der lokalen Produzenten (schön fotografiert von Pieter D’Hoop) ist dieses Werk natürlich viel mehr als ein Kochbuch – und die Rezepte (Klassiker: Fränkischer Schiefertrüffel oder Kalte Ente, eine Hommage an Oma Herta) sind für Normalos nicht nachkochbar. Und dennoch weiß man nach diesen gut 500 Seiten, dass dieses Märchen noch lange nicht auserzählt ist.
Der große Fokus auf Produzenten ist in Wirsberg echt, deswegen sind sie (z.B. Texas Longhorn Ranch, Martin Stiegler Haselnüsse oder Sebastian Niedermaier aus Bamberg) auch im Buch sehr präsent – samt ihrer Geschichten, Lebensmittel und Ansichten. Im kulinarischen Teil des Werks wird es aufwändig, aber auch sehr interessant: Der Prozess im Anima, Grundrezepte von schwarzem Knoblauch über Tomatengarum bis zum Yuzucello oder Ziegenfrischkäse sind detailliert aufgedröselt. Schritt eins des kreativen Prozesses, der mit den Rezepten den Kreis schließt – naturgemäß nach dem Jahreszeitenzyklus, in dem auch das AURA arbeitet.
Ein Buch zum Blättern, Schmökern und Lernen über die fränkische Vielfalt. Und auch ein Showcase – kulinarisch wie schöpferisch – dessen, was möglich ist, wenn man sich keine Grenzen setzt.
DNA DUCASSE
Monaco, London, Paris. 135 Rezepte aus der Sterneküche der legendären Ducasse-Restaurants
Autor/-in: Emmanuel Pilon • Jean-Philippe Blondet • Amaury BouhoursVerlag: Matthaes
Die Sterneküche der legendären Ducasse-Restaurants• 135 außergewöhnliche Rezepte aus den 3-Sterne Restaurants „Le Louis XV" in Monaco, „Le Plaza Athénée" in Paris und „Alain Ducasse at The Dorchester" London• Hochgenuss mit Ducasse-DNA: … [weiterlesen]
Preis: € 79,90
Begründung der Jury:
Dieser knapp drei Kilo schwere Band ist nicht nur eine Rezeptsammlung für sehr ambitionierte Hobbyköchinnen und -köche, sondern ein großartiger Blick in die Küchen seiner Restaurants an verschiedenen Orten. So stimmungsvoll wie die Texte sind auch die schönen Reportagefotografien. Die Rezepte haben ihre Wurzeln zwar in Frankreich, sind aber absolut zeitgemäß (viel Gemüse!). Dieses Werk hat vor allem eines, das sehr wichtig ist: sehr viel Stil!
Es ist eine aufschlussreiche Zusammenstellung von Rezepten, die auf Ducasse zurückgehen – zusammengetragen und kuratiert von drei Chefs, die Ducasse-Restaurants in Paris, Monaco und London führen. DNA Ducasse ist nichts weniger als eine gastronomische Chronik, ein Stück kulinarischer Zeitgeschichte. Es inspiriert aber auch zum Nachkochen. Vielleicht nicht die ganzen, vielschichtigen Rezepte – bei der bretonischen Seespinne mit Erbsen, Rhabarber, Lavendel und Kaviar könnte man schnell an Grenzen kommen. Es finden sich aber auch Impulse für kleine Küchenfreuden darin: Rhabarbereis mit Sauternes zum Beispiel oder Crème à la Boudin. Klingt kompliziert, ist es aber nicht. Man muss nur schauen, dass man an Taubeninnereien kommt.
Savoir-vivre, die Liebe zu guten Zutaten, Hedonismus und ein Handwerksverständnis, das ohne jede Verbissenheit auskommt: Das springt einen sofort an – in den Farben, in den weichen Bildern, in den eleganten, stolzen Formulierungen. Die Faszination Ducasse wird ausführlich in Text und Bild zelebriert. Die Porträts der Küchenchefs sind umfangreich und wirken authentisch, genauso wie die Einblicke in die Zusammenarbeit mit den Produzenten. Hier wird eine Philosophie gelebt, nicht bloß kommuniziert. Das Layout ist detailverliebt und durchgehend ästhetisch. Ein Buch, das als Objekt genauso funktioniert wie als kulinarische Sammlung.
Die Rezepte selbst sind komplex, aber so aufbereitet, dass die Hemmschwelle niedrig bleibt. Es hat die Anmutung des schönsten Kochbuchs, das man aus einem Südfrankreich-Urlaub mitbringen könnte. Auch wenn etwa Ragout und Pilz-Tapenade, Kichererbsen und Beifuß im „Waldgenuss“-Kapitel sicher ein mehrtägiges Projekt sind, macht das nichts: Die Küchenszenen zu betrachten und die typografisch ästhetisch gesetzten Details zu überfliegen, ist bereits für sich ein Vergnügen. In dieses Buch ist spürbar so viel Akribie und Liebe geflossen wie in die Gerichte selbst. Wertig und ein besonderes Buch zum Sammeln oder Verschenken.
Die Weltköche zu Gast im Ikarus
Außergewöhnliche Rezepte und wegweisende Chefs im Porträt: Band 10
Verlag: PANTAURO
Ein besonderes Rezeptbuch zum kulinarischen Jubiläum im Hangar-7Über zwanzig Jahre Spitzenküche auf höchstem Niveau – das muss gefeiert werden! Seit seinem Bestehen hat das Restaurant Ikarus insgesamt 266 Meisterköche aus aller Herren Länder in … [weiterlesen]
Preis: € 89,95
Begründung der Jury:
Nachkochen? Viel Spaß. Das könnte schwierig werden. Hier wollen die besten Köche der Welt zeigen, was sie draufhaben. Dementsprechend komplex und anspruchsvoll sind die Gerichte. Aber darum geht es bei diesem Buch nicht.
So präsentiert der wirklich schwergewichtige Band „Die Weltköche zu Gast im Ikarus“ erneut beeindruckende Porträts internationaler Spitzenköche, ihre Philosophie und ikonische Gerichte. Unter den 17 Köchen sind etwa Wolfgang Puck, Simon Rogan, Thomas Schanz oder Stefan Heilemann.
Und klar: In dieser Liga sind die Rezepte extrem anspruchsvoll – also nur zum Schmökern oder für sehr ambitionierte Köche gedacht. Die Fotografien sind hochwertig, das Design elegant und raffiniert. Die Porträts könnten jedoch etwas prägnanter die Besonderheiten der Köche herausarbeiten.
Der Aufbau folgt dem Ikarus-Prinzip: Porträts der Gastköche, ein Blick in die Küche im Hangar-7, anschließend die Menüs. Inhaltlich konsequent, typografisch allerdings überraschend schlicht gesetzt – gerade im Verhältnis zur aufwendigen Produktion.
Als Sammelband funktioniert das Buch vor allem als Dokument eines Jahres im Ikarus – ein Ort, an dem internationale Spitzenküche in Salzburg zusammenkommt. Zwischen den Buchdeckeln entsteht ein Panorama verschiedener Handschriften, wie sie im Verlauf eines Jahres aufeinandertreffen. In diesem Sinne ist es tatsächlich ein Stück kulinarischer Zeitgeschichte.
Die Rezepte sind erwartungsgemäß anspruchsvoll und liegen weit außerhalb dessen, was die meisten zu Hause nachkochen möchten – aber dafür ist es auch nicht da. Die Küchenszenen und Porträts wiederum geben einen atmosphärischen Einblick und machen das Buch zu einem Sammlerstück für alle, die das Ikarus-Modell seit Jahren verfolgen.
Private Dining
Sterneküche für Daheim. Über 70 genussvolle Rezepte für einen gelungenen Abend von 2-Sterne-Koch Heiko Nieder
Autor/-in: Heiko NiederVerlag: Matthaes
Sterneküche für zu Hause• Fine Dining ganz privat: über 70 genussvolle Inspirationen für unvergessliche Mehrgang-Menüs - präsentiert von 2-Sterne-Koch Heiko Nieder• Gerichte, die ihre Gäste begeistern werden: Wagyu-Meatballs, Grünes Curry … [weiterlesen]
Preis: € 49,90
Begründung der Jury:
Immer wieder sind Anleihen aus der Klassik zu erkennen. Die Carpaccio-Rolls mit Foie Gras und schwarzen Trüffeln erinnern frappant an die alten Rossini-Garnituren – nur, dass Nieders Rezept moderner und zugänglicher ist. An anderer Stelle findet sich ein Partyklassiker der späten 80er: der Shrimps-Cocktail-Sandwich.
Das Buch ist in mehrfacher Hinsicht absolut küchentauglich. Die Rezepte sind so klar wie Ziel und Zielgruppe, die Fotografie hält da mit. Und wenn beim Rühren der Yuzu-Beurre-blanc ein paar Spritzer auf dem Cover landen – egal. Das Buch verlangt fast danach.
Aufgeteilt sind sie in Aperos, Vorspeisen, Hauptgerichte und Desserts. Pluspunkt: Es gibt ein Kapitel mit Grundrezepten. Das elegant gestaltete Buch richtet sich an Menschen, die durchaus Ambitionen haben und gerne Gänge wie Lachs mit Yuzu-Beurre-Blanc kochen. Dazwischen gibt es aber auch Mal Bodenständigeres wie etwa Backhendl mit Kartoffel-Gurken-Salat – also Gerichte, die wirklich ans Herz gehen.
Ohne Frage sind die Rezepte auf sehr hohem Niveau: Das Apero-Kapitel ist gelungen, mit kleinen Häppchen wie Pastrami-Spring Rolls; dazu ein eigenes Kapitel für Brot und Aufstriche, bebildert mit einer Gartenparty-Szenerie. Vorspeisen sind teils raffiniert, aber gut umsetzbar, etwa der Tomaten-Mango-Salat mit Rinderfilet. Miso-Bouillabaisse, Rotbarbe mit roten Linsen und zwischendurch kurze Wissens-Einschübe wie das perfekte Abschmecken. Gleichzeitig ist manches sehr kleinteilig und präzise geplatet – da kann Nieder dann doch nicht ganz aus seiner Haut, etwa bei den Pina-Colada-Tartelettes. Ganz hinten schließen Fonds und Grundrezepte an.
Das Layout wirkt dagegen erstaunlich schlicht, stellenweise fast zu simpel. Der Umschlag ist sehr wertig, aber im Innenteil bleiben die Fotos für mich wenig stimmungsvoll – optisch etwas steif, teilweise mit einem leichten 80er-Jahre-Gefühl. Es gibt sich mit Familienfotos nahbar, bleibt für mich aber trotzdem auf Distanz.
Signatures
Österreichs junge Spitzenköche. Portraits. Rezepte. Inspirationen.
Verlag: Matthaes
Ein Kochbuch, ein Lesebuch, ein Bilderbuch!• Herausragendes Talent, unerschütterliche Leidenschaft: Die jungen Spitzenköchinnen und -köche der Jeunes Restaurateurs Österreich (JRE) im Porträt• 43 Genuss-Destinationen: eine Augenreise durch Österreich … [weiterlesen]
Preis: € 49,90
Begründung der Jury:
Alexander Rabl hat die Geschichten dazu erzählt – kenntnisreich und launig. Die Rezepte sind anspruchsvoll und auch für ambitionierte Hobbyköchinnen und -köche eine Herausforderung. Ein Beispiel sei Lukas Nagls geniales Signature Dish genannt: German Gold-Paradeiser (Tomate) mit geräucherten Haselnüssen, Liebstöckel und Butternusskürbis. Das Rezept selbst ist klar und verständlich, doch damit ein Teller zu Hause so aussieht wie der von Lehmann fotografierte, dürfte einiges an Übung erforderlich sein.
Es ist ein – keine Frage – wahrlich schönes Projekt, in dem die Köche der JRE porträtiert werden (gute Texte von Alexander Rabl, schöne Bildsprache von Joerg Lehmann), offenbart aber zugleich auch ein strukturelles Problem: Unter 42 Personen ist nur eine Frau dabei – und sie ist die Pâtissière im Genießerhotel Der Wilde Eder.
Auf einer visualisierten Karte führt die Restaurant-Reiseroute von West nach Ost. Die Gestaltung ist deutlich künstlerisch – Fotografie wie Layout, etwa mit rechteckigen Überlagerungen über den Rezeptbildern. Es ist kein klassisches Kochbuch, auch wenn Rezepte enthalten sind: Sie sind teilweise extrem komplex, 1:1 aus den Profiküchen übernommen und damit eher etwas für Kollegen oder sehr interessierte Gourmands. Gleichzeitig gibt es Ausreißer, etwa den Krustenbraten vom „Glücksschwein“ von Jeremias Riezler aus dem Kleinwalsertal.
Für die Texte hätte ich mir stellenweise mehr Raum gewünscht – die verschriftlichten Porträts gehören zu den stärksten und interessantesten Momenten des Buches. Am Ende ist es ein JRE-Restaurant-Guide in Buchform, getragen von viel Stolz und einem klaren Selbstverständnis für die Qualität der österreichischen Kulinarik.


