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Die besten Kochbücher für osteuropäische Küche

20252024
Das Polen-Backbuch
Der Deutsche Kochbuchpreis - GOLD

Ø 9.1

Das Polen-Backbuch

Über 100 Rezepte von herzhaft bis süß, altbewährt und modern interpretiert: Rustikale Brote, knusprige Bagel, saftige Kuchen, üppige Torten und vieles mehr

Autor/-in: Verlag: Prestel

Polnische Backkunst neu entdecktIn ihrem neuen Backbuch begibt sich die Bäckerin Laurel Kratochvila auf die Suche nach ihren polnisch-jüdischen Wurzeln und stellt über 100 süße und herzhafte Rezepte zusammen, die die Vielfalt der polnischen Backtradition … [weiterlesen]

Begründung der Jury:

Es gibt unzählige Backbücher, die sich im Kontext einer eskapistischen Zuckerwelt bewegen – und es gibt das Polen-Backbuch von Laurel Kratochvila. Die Autorin ist nicht an romantisierender Folklore interessiert. Sie stellt klar, dass viele alte Rezepte polnischer Jüdinnen und Juden nach der massenhaften Vertreibung für lange Zeit eher in New York als in Polen zu finden waren und erst jetzt ihren Weg zurückfinden. Oder dass die Verwendung von Butter statt Margarine in Polen eine relativ junge Entwicklung ist. Trotzdem stellt sie das neu entdeckte Handwerk in den polnischen Großstädten in eine Reihe mit Backhochburgen wie Kopenhagen oder Paris und füllt diese forsche Behauptung im Folgenden mit Leben. Die Arbeit mit verschiedenen Teigen wird detailreich und mit anschaulichen Handgriff-Fotos erklärt, wie man es sonst nur aus nerdigen Sauerteig-Büchern kennt. Die puristische Foodfotografie wirkt so appetitlich, dass sie die Lesenden auf unvernünftige Ideen bringt (zum Beispiel einen klassischen Plunderteig selbst zu machen). Kratochvila liefert die bewegten Geschichten zu vielen Rezepten direkt mit und sorgt dabei immer wieder für Überraschungen, wenn sie etwa eine vegane Chałka-Variante einer polnischen Bäckerei aufnimmt oder eine Anleitung gibt, wie man einem Franzosen schonend beibringt, dass Baba au Rhum eigentlich aus Polen kommt. Ein großes Backbuch, inhaltlich wie stilistisch.
Wie die Liebe zu richtig guten Essiggurken zu einem richtig guten Backbuch über polnische Backkunst führen kann, erzählt Laurel Kratochvila in ihrem zweiten Buch. Hier bleiben keine Wünsche offen. In sechs Kapiteln zeigt die Autorin die ganze Vielfalt der Backwaren aus Polen. Es geht los mit Brot, über Hefegebäck, Mürbe- und Rührteige, Kleingebäck, Brandteig, Baiser und Käsekuchen bis zu Extras wie Füllungen und Cremes. Man findet jede Menge Basiswissen rund um die Grundteige, die am Anfang jedes Kapitels vorgestellt werden. Wie bereite ich einen Teig von Hand zu, und wie gehe ich vor, wenn ich mich für eine maschinelle Zubereitung entscheide? Was bewirkt die saure Sahne in einem Sauerrahmteig? Kann ich den Teig einfrieren oder muss ich ihn sofort verarbeiten? Herausragend ist die Gründlichkeit dieses Backbuches, die Anleitungen sind äußerst detailliert, was insbesondere für Backneulinge sehr hilfreich ist.
Die Intros zu den Rezepten machen das Buch lebendig und geben eine persönliche Note. Unaufgeregtes Layout und ehrliche Fotografie unterstreichen sehr gut die Bodenständigkeit der polnischen Backkunst, denn exotische und extravagante Backwerke findet man hier weniger, dafür Comfort-Naschwerk vom Feinsten: Puddingstreusel mit Himbeeren, Rugelach mit Aprikose und Schokolade oder auch mal herzhafte Köstlichkeiten wie Sauerkirsch-Kolatschen mit Schafskäse oder tatarische Teigtaschen. Ob altbewährt oder modern interpretiert: Die Endergebnisse sind köstlich.
Ein sehr empfehlenswertes Buch für alle, die das Backen lieben!
Endlich! Laurel Kratochvila füllt eine Lücke, von der wir gar nicht wussten, wie sehr sie fehlt. Polnische Backkunst – und damit auch jüdische Backtradition – bekommt hier den Raum, den sie verdient. Kratochvila, die in Berlin ihre Bäckerei Fine Bagels betreibt und in Frankreich zur Bäckerin ausgebildet wurde, verbindet in über 100 Rezepten Geschichte mit Handwerk, Erinnerung mit Gegenwart.
Sie erzählt von Auswanderern und ihren Rezepten, von religiösen Festen und Alltagsgebäck, von den Bagels, deren Ursprung sich Polen und Litauen gerne mal streitig machen (aber das bleibt unter uns), und die in New York zu Ikonen wurden.
Jedes Rezept trägt eine Geschichte – Mohnstangen, Challa, Plunder mit Pfifferlingen und Rauchkäse, Fleischpastetchen, Baba au Rhum. Die Arbeitsschritte sind sorgfältig erklärt, handwerklich fundiert, manchmal mit Sauerteig und langer Teigreife.
Was dieses Buch aber wirklich hervorhebt, ist seine visuelle Sprache: die knalligen Farben, die großen Schriften, der Mut zu Neon – das ist kein zurückhaltendes Backbuch, das ist ein Statement.
Die Fotografie von Małgosia Minta lenkt nicht ab, sie feiert. Ein Hauch Retro, ohne nostalgisch zu werden. Kratochvila lässt Traditionen wiederaufleben, die fast vergessen waren, macht sie zugänglich, lebendig. Geschichte wird hier nicht nur erzählt, sondern gebacken – und schmeckt wunderbar.
Osteuropa auf dem Tisch – und wir lieben es.
Down to earth – oder eher down to Mehl, Hefe und Wasser – wartet dieses Backbuch mit simplen Kuchen- und Plätzchenrezepten auf. Kein Chichi, keine mehrstöckigen Torten oder zeitaufwendigen Pralinés. Dafür aber so viel Liebe und Verständnis für die polnische Backkunst, dass man jedes Rezept sofort nachbacken will – eben auch, weil es nicht überfordert. Die polnische traditionelle Backkunst wirkt mit Klassikern wie Marmorkuchen, Apfelküchlein oder Schoko-Sahne-Schnitten recht altbacken. Dafür erinnert jede der rund 300 Seiten irgendwie an Omas Backstube. Zwangsläufig meint man, den Kuchenduft zu riechen – egal, ob Oma nun aus Polen stammt oder nicht. Die Rezepte sind ausführlich beschrieben und werden mit kurzen Anekdoten angereichert, die einem mit jedem aufgeschlagenen Ei auch die polnische Kultur näherbringen. Ein Punkt Abzug dafür, dass mir die Regionalität des polnischen Backens zu kurz kommt.
Das Buch „Das Polen Backbuch“ von Laurel Kratochvila erstaunt mit der polnisch-jüdischen Backtradition. Kratochvila verbindet aktuelle Backkunst mit historischem Bewusstsein und bringt Polen auf die (Teig-)Karte. Jedes Rezept wirkt präzise durchdacht. Die Zubereitungen der Gebäcke fordern eine gewisse Aufmerksamkeit, bleiben aber nachvollziehbar; Hobbybäcker finden hier eine echte Horizonterweiterung, der Anspruch liegt über dem Durchschnitt „normaler“ Backbücher. Gestalterisch überzeugt das Buch mit ruhiger, natürlicher, aber auch emotionaler Bildsprache (Tipp: Marmorkuchen mit Katze). Matte Farben, unaufgeregtes Styling, passende Typografie. Inhaltlich und visuell sehr stark.
Kapusta
Der Deutsche Kochbuchpreis - SILBER

Ø 8.7

Kapusta

Osteuropäische Gemüseküche. Von Polen über Tschechien bis Belarus. Leckere Rezepte aus der traditionellen osteuropäischen Küche

Autor/-in: Verlag: DK Verlag Dorling Kindersley

Osteuropäische Küche – köstlich wie nie• Zeitgemäß und lecker: Einfache Gemüsegerichte aus Osteuropa• Ein Kochbuch voller Geschmack, Geschichte und Bedeutung• Fermentieren und Einmachen: Alles über osteuropäische Küchentraditionen• … [weiterlesen]

Begründung der Jury:

Wer eine regionale Gemüsekiste bezieht, wird beim Blick auf die Rezeptkategorien einen Freudenschrei ausstoßen: Weißkohl, Rote Bete, Kartoffeln und Eingemachtes nehmen Hauptrollen ein. Alissa Timoshkinas osteuropäische Gemüseküche versteht sich dabei als eine omnivore – was dem Authentizitätsfaktor nur zugutekommt. Sie schlägt Brücken zwischen verschiedenen Regionalküchen und -traditionen, ohne die Rezepte wahllos in einen großen Osteuropa-Topf zu werfen: Wenn es eine konkrete Herkunft gibt, wird sie auch genannt und oft mit Hintergrundinformationen unterfüttert. So gut wie alle Rezepte sind einfach nachzukochen und haben einen hohen Wohlfühlfaktor, vom Fladenbrot der Krimtataren mit Linsen und Karotten über die Entensuppe mit Waldpilzen und Sauerkraut bis zu den udmurtischen Sauerteigpfannkuchen. Die Fotografie im Landhausstil mag leicht am verhipsterten Heile-Welt-Kitsch kratzen, ist dadurch aber nicht weniger schön und genauso zeitgemäß wie der Fokus auf fermentiertes Gemüse.
Als Rezensentin mit osteuropäischen Wurzeln freue ich mich jedes Mal, wenn ein neues Kochbuch über meine Heimatküche erscheint. So auch dieses Buch, das mich bereits im Vorwort emotional sehr berührt hat. „Die Kapusta-Mentalität“ – mit einem Begriff beschreibt Alissa Timoshkina meine kulinarische Zugehörigkeit. Was lustig klingt, ist wahr, denn Kapusta (Kohl) ist aus osteuropäischen Küchen nicht wegzudenken.
Das Gerüst des Kochbuchs fußt auf den fünf beliebtesten Gemüsesorten in Osteuropa: Kohl, Karotten, Kartoffeln, Rote Bete und Pilze. Wer hier ein vegetarisches Kochbuch vermutet, irrt: Auch Fleischgerichte sind dabei, diese lassen sich jedoch problemlos veganisieren. Die Gerichte sind zum Teil vertraut, zum Teil sanft neu gedacht. Trotz eingebauter moderner Raffinessen bleibt die Seele der Gerichte jedoch ursprünglich und erdig (etwa der Schokoladenkuchen mit Roter Bete oder die Buchweizenpfanne mit Kimchi). Ich vermisse etwas mehr an Süßspeisenauswahl, dafür gibt es zwei extra Kapitel: eins für Teigtaschen und eins fürs Fermentieren. Es sind einfache, bodenständige Rezepte darin, die allesamt leicht nachzukochen sind.
Die Bildsprache ist sinnlich, ehrlich und ein wenig melancholisch. Ich schätze es, wie die Autorin die kulinarische DNA der Osteuropäer reflektiert, ohne dabei langweilig zu werden. Essen als Sprache der Einheit – dieser Gedanke bleibt hängen.
Alissa Timoshkina öffnet eine Tür, die sich Jahr für Jahr ein Stück weiter öffnet – und wir sind dankbar dafür. Kapusta – in vielen osteuropäischen Sprachen schlicht „Kohl“ – ist weit mehr als sein bescheidener Name vermuten lässt.
Timoshkina, russisch-britische Historikerin und Mitbegründerin von #CookForUkraine (die Kampagne sammelte fast 2,5 Millionen Pfund), konzentriert sich auf die fünf wichtigsten Gemüse Osteuropas: Kohl, Rote Bete, Kartoffeln, Karotten und Pilze.
Jedes bekommt sein eigenes Kapitel, jedes wird in seiner ganzen Vielfalt gefeiert – als Suppe, Küchlein, Auflauf, geschmort.
Hinzu kommt ein Kapitel über Teigtaschen in all ihren regionalen Variationen sowie eines über Sauergemüse und Eingemachtes – Fermentationstechniken, die fast vergessen waren.
Timoshkinas Familiengeschichte – ukrainisch-jüdisch, polnisch, russisch, weißrussisch – durchzieht das Buch wie ein roter Faden.
Die Rezepte sind puristisch, unverfälscht, manchmal rustikal: Kohlrouladen, Pierogi, Borschtsch, Buchweizenpfannkuchen.
Die Fotografie mag nicht hochglänzend sein, aber sie fängt genau diese Behaglichkeit ein, diese Wärme, die von Omas Küche ausgeht.
Wer Raffinesse und moderne Interpretation sucht, wird hier vielleicht nicht fündig – aber wer Authentizität schätzt, bekommt genau das, was draufsteht: ehrliche osteuropäische Gemüseküche mit Herz und Seele.
Die Autorin und Historikerin Alissa Timoshkina kreiert eine sehr persönliche Hommage an die osteuropäische Küche – samt jüdischem Einschlag und mit Fokus auf vegetarische Gerichte, aber nicht ausschließlich. Die Aufmachung ist sehr schön, die Rezepte sind übersichtlich und gut strukturiert, jedoch wirkt das Buch aufgrund der Vielzahl an Informationen – Anzahl der Rezepte plus viele historische Exkurse – etwas überladen. Nicht-Kenner der osteuropäischen Küche könnten zudem den Eindruck bekommen, dass vieles ähnlich schmeckt, da sich Zutaten häufig wiederholen (Karotte, Zwiebel, Kartoffel, Kohl etc.). Kenner und Liebhaber wissen jedoch, dass Timoshkina damit die große und diverse Bandbreite von Gerichten abdeckt und die Wiederholung den Einkauf erleichtert. Auch sind einige Rezepte wie etwa die für Pierogi etwas zeitaufwändiger, jedoch nicht mehr als Teigtaschen in anderen Küchen.
Ist die osteuropäische Küche geprägt von Wurzelgemüse, Kraut, Kohl, Kartoffeln, Borschtsch und Teigtaschen? Genau das – und genau das ist „Kapusta“ (slawisch für „Kohl“).
Aber jetzt mal alle Vorurteile weg und ab in die Küche! Denn dieses Buch hat viele gute Seiten und zeigt, wie es auch anders gehen kann. Wie wäre es mit „Veganem Borschtsch mit Pilzen und Backpflaumen“, „Kohlrouladen mit Champignons und Perlgraupen in Sauerrahmsauce“ oder einem fantastischen „Rote-Bete-Eintopf mit Mangold und Feta“?
Okay, die Bildsprache mit Spitzendeckchen, Rüschenblusen, Tellern aus den 70ern und gedeckten Farben ist nicht ganz zeitgemäß, aber traditionell – so wie die wirklich vielen und teils traditionellen Rezepturen aus eben diesen Landesteilen. Osteuropäische DNA und Geschichte durch und durch. Es wird fermentiert und eingemacht, aber auch einfach schnell aufgetischt. Dieses Buch macht Spaß, diese Küchenkultur zu entdecken. Leider erst auf den zweiten Blick.
Albanien. Das Kochbuch
Der Deutsche Kochbuchpreis - BRONZE

Ø 8.2

Albanien. Das Kochbuch

Wo mediterrane Frische auf orientalische Vielfalt trifft. Über wahre Gastfreundschaft und die Freude am Essen

Autor/-in: Verlag: Christian

Albanien – wo Geschichte auf Genuss trifft. Dieses Kochbuch enthüllt die authentische, mediterrane Küche Albaniens, wo Tradition und Moderne verschmelzen: Von frisch gebackenem Brot, hausgemachtem Käse und Joghurt bis zu Gerichten vom offenen Feuer … [weiterlesen]

Begründung der Jury:

Ein Kochbuch und zugleich ein Reisetagebuch voller Sehnsucht, Faszination und Verneigung vor einem Land, das auf der kulinarischen Weltkarte für mich noch unentdeckt blieb. Nun ist diese Lücke geschlossen.
Das Buch bietet viel Lesestoff. Es sind Reisegeschichten, die über Kultur und die kulinarische Vielfalt Albaniens erzählen. Die Texte sind sehr ehrlich, persönlich, manchmal mit einer Prise Humor und manchmal mit einer Prise Tiefsinn.
Kraftvoll und eindringlich ist die Fotografie von Udo Bernhard. Man betrachtet die stillen Landschaften, die von einer entschleunigten Welt zeugen, schaut in die Augen der Menschen voller Gastfreundschaft und riecht förmlich den Duft des Schmortopfs, der auf dem offenen Feuer gart. Es ist dem Fotografen ein Stück weit gelungen, die Seele dieses Landes einzufangen. Großartig!
Der Aufbau des Buches nach Regionen des Landes passt zum Konzept einer kulinarischen Reise durch Albanien. In jedem Kapitel findet man die traditionellen Rezepte aus der jeweiligen Region. Die Rezepte sind meist authentisch, rustikal und puristisch. Zwar erfordern manche Rezepte etwas Kocherfahrung (ein selbstgemachter Byrek-Teig oder Eingeweide-Wurst könnten für einen Kochanfänger etwas herausfordernd werden), vieles ist jedoch leicht umzusetzen. Eine gute Ergänzung bildet hier das Kapitel „Toms albanische Küche für daheim“ – albanisch inspirierte Rezepte, unkompliziert und zugleich raffiniert wie „der schnellste Apfelstrudel der Welt mit Kataifi-Teig“.
Das folkloristisch anmutende Cover ist ein Hingucker und wirkt sehr lebendig.
Ein empfehlenswertes Buch für diejenigen, die sich für fremde Länderküchen begeistern, etwas Neues in der Küche wagen möchten und gerne lesen.
Thomas Ortler, Sternekoch und Chef Patron des Restaurants flurin in Südtirol, hat sich auf den Weg gemacht – nach Albanien, an den Balkanrand, in ein Land, das kulinarisch noch immer ein weißer Fleck auf der Landkarte ist.
Was er mitbringt, liest sich wie ein kulinarisches Roadmovie. Über 70 authentische Rezepte, eingebettet in persönliche Begegnungen und Geschichten, die berühren.
Ortler hat vor Ort gekocht, gefeiert, gestaunt – in den Bergen, an der Küste, in kleinen Fischerhäusern wie dem Restaurant Te Naili, wo Klodiana riesige Karpfensteaks hackte, mit einem Stein wie der erste Homo habilis ihre Knoblauchpaste zubereitete, Fischrogen clever ins Gericht integrierte und mit Pflaumenmus eine raffinierte süßsaure Note kreierte.
Die Rezepte spiegeln die Vielfalt des Landes: mediterrane Fischsuppe mit Paprika-Note im Balkan-Stil, gefüllte Paprika, die sich wunderbar vorbereiten lassen, Börek mit geschmortem Wildschwein, Qifqi (frittierte Reisbällchen aus Gjirokastra) und als süßer Abschluss: Tiramisu Trileche, eine Verschmelzung aus italienischem Tiramisu und albanischem Drei-Milch-Kuchen.
Ortler schreibt mit Herz, Udo Bernharts atmosphärische Fotografien fangen die Stimmungen ein – die Dampfschwaden, die Gesichter, die Landschaften.
Albanien bewegt sich zwischen Tradition und Aufbruch, und genau das schmeckt man in jedem Gericht. Ein Buch, das Brücken baut und Welten verbindet.
Für „Albanien“ haben sich Thomas Ortler und Udo Bernhart vom klassischen Rezept-nach-Rezept-Format verabschiedet. Ihr Trip durch das Land war einfach zu interessant, sodass eine Art Diavortrag in Buchform entstanden ist. Im Langformat erzählt Ortler von zahlreichen Begegnungen und Impressionen. Manchmal arg ausschweifend und von persönlichen Ansichten gefärbt, aber immer mit spürbarer Neugier und echtem Interesse am kulinarischen Leben der Einheimischen. Die vielen religiösen und politisch-historischen Einflüsse des Landes von Italien bis zum Osmanischen Reich bilden sich in den Rezepten ab. Spektakulär ist das nicht immer (eingelegte Kirschen), dafür manchmal herrlich kurios (süßes Reisfleisch vom Hammel als Dessert) und häufig so spannend, dass man die Gerichte sofort nachschmecken möchte (Karpfeneintopf mit Chili und Pflaumenmus). Bei all der Heterogenität der Küche stört auch nicht weiter, wenn der Südtiroler Ortler das regionaltypische Kataifi-Baklava mit Ansage als Apfelstrudel interpretiert.
Erstmal lobenswert, da es wenig Wissen und deutschsprachige Einblicke in diese Landesküche gibt. Daher ist die Mischung aus Reisereportage und Kochbuch sinnvoll, allerdings verlangen die tagebuchartigen Notizen dem Leser manchmal viel Geduld ab, da sie etwas wahllos wirken und ihr Punkt nicht immer klar ist. Hier wünschte ich mir mehr kuratierte Infos und klarere Verbindungen zum Essen und/oder auch ein besseres Redigat. Nun aber zum Rezeptteil: Geschmorter Lamm- oder Schafkopf, bei dem Gäste Augen, Zahnfleisch und sogar das Hirn am Tisch herauspopeln, ist natürlich spannend. Ob man es aber tatsächlich nachkocht? Daher ist wohl das Kapitel „Toms albanische Küche für daheim“ auf den letzten 40 Seiten relevanter. Hier überwiegen allerdings die mediterranen Aspekte der albanischen Küche.
Die Küche Albaniens ist für uns eine Reise ins Unbekannte. So startet auch die Einleitung dieses außergewöhnlichen Kochbuchs. Aber die Autoren, Koch Thomas Ortler und Fotograf Udo Bernhart, schaffen es, mit persönlichen, emotionalen Geschichten und authentischen Fotos mit einem Augenzwinkern zu begeistern. Sie nehmen uns mit auf eine sehr spannende kulinarische Reise – und auch zu „Trahana“, milchsauer fermentiertem Bulgur, den damals Konstantin Filippou in einer Folge von „Kitchen Impossible“ selbst herstellen musste.
Dieses Buch will gelesen und die Rezepte entdeckt werden. Egal ob „Forellen-Ceviche“, Hühnersuppen aus verschiedenen Landesteilen oder – ja – auch mal in „Ziegenhaut fermentierter Joghurt“. Dieses Buch steckt voller Liebe und voller Fotos von albanischen Frauen, allesamt Köchinnen mit Herz. Und ihre Gerichte halten sie stolz in die Kamera. Wunderbar!

Weitere Kochbücher zum Thema Osteuropa aus den früheren Jahren:

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