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Die besten Fleisch-Kochbücher

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WurstBlick ins Buch
Der Deutsche Kochbuchpreis - GOLD

Ø 8.9

Wurst

nachhaltig & selbstgemacht

Autor/-in: Verlag: Verlag Eugen Ulmer

Dieses Buch ist ein erfrischender Einstieg in die stylische, moderne und nachhaltige Wurst-Welt. Dass Wursten nicht nur super einfach zuhause in der eigenen Küche funktioniert und man sich in diesem traditionsreichen Hobby nicht nur unterhalten fühlen, … [weiterlesen]

Begründung der Jury:

„Wurst ist ein Prozess“ – ein schöner Satz! Und dieser Prozess setzt schon beim ersten Durchblättern dieses Buches ein.
Durch spielerisch-ästhetische Fotografien, interessante Hintergrundinfos und sympathische Texte befreit es die Wurst von ihrem altbackenen Image und macht dieses eher ungewöhnliche Thema zugänglich.

Dabei durchzieht das gesamte Buch eine so lebensfrohe Stimmung, die ich vorher nicht mit Wurst in Verbindung gebracht habe – ihr jedoch absolut zusteht – und ich verstehe: Wurst macht Spaß.

Die beiden Autoren schaffen es mit ihrem lockeren, humorvollen Schreibstil und ihrer pragmatischen Lösungsfindung (optimierter Weinschrank statt Profi-Reifeschrank tut’s auch), sofort an meine DIY-Rezeptoren anzudocken. Jetzt bleibt nur noch die Frage, wo ich meinen neuen Wurstschrank hinstelle ...

Mein Kritikpunkt liegt beim Nitritpökelsalz im Zusammenhang mit der Nachhaltigkeit. Zuvor sei gesagt: Mir gefällt die differenzierte Auseinandersetzung mit dem umstrittenen Stoff, genauso wie die kluge, nicht bevormundende (Nicht-)Verwendungsempfehlung von NPS innerhalb der Rezepten.

Doch gerade weil sich das Buch die Nachhaltigkeit zum Untertitel gemacht hat, hätte es seine Vorbildfunktion konsequenter nutzen können. Auf einigen Wurstfotos wurde nach meinem Eindruck für ein attraktiveres Rosé mit NPS-Wurst gearbeitet. Damit wird – zumindest visuell – die Normalität der NPS-Optik aufrechterhalten. Ich finde: Hier hat die natürlich graue Wurst ohne NPS leider eine echte Chance verpasst, ins rechte Licht gerückt zu werden. Damit hätte das Buch auch der nachhaltig wirtschaftenden Biobranche, die kaum NPS verwendet, den Rücken gestärkt.

Transparenz-Hinweis:
Ich habe einen kurzen Gastbeitrag für „Wurst“ verfasst. Bei der Bewertung des Buches versuche ich trotzdem, so objektiv wie möglich vorzugehen.
Bücher übers Wurstmachen wirken oft wie Werke aus staubigen Hobbykellern ehemaliger Metzger. Vivi und Josh stellen dieses Klischee auf den Kopf und feiern die Wurst als „Pionierin der Nachhaltigkeit“. Das Autor:innenteam tut das mit einer Spielfreude, Intensität und Tiefe, wie man es in diesem Genre, gerade auf Deutsch, noch nicht erlebt hat. Das Buch inspiriert, macht Mut, geht in die Tiefe, wo es nötig ist, und scheut nicht die kritische Auseinandersetzung – etwa mit dem heute gefürchteten Pökelsalz. Dabei bleiben Sprache und Stil immer leicht, respektvoll und voller Liebe zum Handwerk. Ein Werk, das zeigt, wie modern, relevant und inspirierend Wurstkultur heute sein kann.
Worauf warte ich eigentlich noch?, fragte ich mich angesichts dieses wunderbaren Wurstbuchs, mit dem plötzlich alles möglich scheint. Josh Flatow und Vivi D’Angelo erklären in Text und Bild das Wursten äußerst anschaulich und einladend. Den Großteil des Buchs bestreiten sie, ohne allzu nerdig in die Tiefe zu gehen – dafür sind einzelne „Deep-Dive“-Kapitel vorgesehen. Humorvoll im Ton (mir mit Phrasen wie „Ta-daaa!“ bisweilen etwas zu gewitzt, aber Schwellenangst baut diese Art zu schreiben allemal ab) und mit viel Motivationstalent stupst das Autorenduo seine wurstwilligen Opfer immer mehr in Richtung „Auf zur Bestellung von Därmen und Edelschimmelsporen!“ Bis es so weit ist, kann man die Rezepte mit fertigen Würsten nachkochen, etwa Pulpo mit ’Nduja, Melone und Minze.
Apropos ’Nduja allerdings: Chipotle-Flocken sind es in Kalabrien nicht – ein Kommentar zum Ersetzen der originalen Chilisorte hätte nicht wehgetan. Einiges durchgerutscht ist dem dreiköpfigen Lektorat, von Kochwüste bis Rohwurstkultur. Absolut zeitgemäß ist die Bildsprache; gerade die Anschnitte der verschiedenen Würste, manchmal auf eine Doppelseite aufgeblasen, machen sehr viel Lust, selbst Hand anzulegen – eine carnivore Schlagseite vorausgesetzt.
In diesem Buch dreht sich wirklich alles um die Wurst – und zwar im besten Sinne. Die Autoren schaffen es, ein breites thematisches Feld abzudecken: von grundlegenden handwerklichen Techniken über Produktverständnis bis hin zu vielfältigen Rezeptideen. Das Buch bleibt dabei bewusst zugänglich. Man wird nicht mit Detailtiefe erschlagen, sondern blättert leicht und gerne weiter. Ich hatte es sogar eine ganze Weile auf meinem Couchtisch liegen und regelmäßig einfach zwischendurch reingeschaut – das sagt für mich immer viel über ein Buch aus.
Die Texte sind klar und gut verständlich geschrieben. Die Fotografie ist auffällig gestaltet: starke Farben, knallige Kontraste, eine Mischung aus Ästhetik und Pop-Art. Vieles davon spricht mich an. Es gibt aber auch ein paar Bilder, bei denen mir der Stil fast etwas zu kunstbetont oder experimentell ist. Wurst ist sicher ein Thema, das viel Raum für Kreativität lässt, aber hier und da hätte ich es etwas natürlicher oder direkter bevorzugt. Das ist allerdings klar eine Geschmacksfrage.
Die Rezeptstruktur ist gut nachvollziehbar. Ich persönlich hätte mir bei manchen Würsten und Teigen etwas mehr Raffinesse oder Tiefe gewünscht – ein bisschen mehr Insiderdetails hier und da. Gleichzeitig bleibt das Buch dadurch sehr einsteigerfreundlich und lädt zum Selbermachen ein, ohne dass man sich erst durch halbe Lehrbriefe kämpfen muss.
Wurst startet mit einer aufschlussreichen Gerätekunde, ein paar Seiten über Rohstoffe und Zutaten und – das ist neu – einer großartigen Übersicht über verschiedene Därme und ihre Eigenschaften. Danach geht es ans Eingemachte: Wurstrezepte aus aller Welt, klar strukturiert, verständlich beschrieben, mit hellen und ansprechenden Bildern. Foodfotografie vom Feinsten. Die Bildsprache ist durchgängig und schlüssig, die Fotos passen auch stimmig zu den Rezeptstrecken.
Apropos Rezeptstrecken: Es finden sich zweierlei Rezepte im Buch. Einerseits Wurstrezepte – darunter auch extravagante Kreationen wie Leberwurst mit Hühnermägen, türkische Sucuk oder rauchige ’Nduja. Andererseits gibt es Rezepte für Wurstgerichte, etwa Cavatelli alla Gricia, den historischen Vorläufer von Carbonara und Amatriciana und das dritte Pasta-Gericht im Guanciale-Bunde. Die Rezepte sind kristallklar und verständlich beschrieben – auch jene, die etwas mehr Zeit und Aufmerksamkeit erfordern. Die Bilder machen Lust aufs Ausprobieren.
Warum in dieser Rubrik im Jahr 2025 nur ein Buch nominiert ist, steht hier.

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