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Die besten Warenkunde-Kochbücher

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Unsere kreative Kräuterküche
Der Deutsche Kochbuchpreis - GOLD

Ø 8.7

Unsere kreative Kräuterküche

Lieblingsrezepte für jeden Tag

Autor/-in: Verlag: Hölker Verlag

Kochbuchautorin und Foodfotografin Stefanie Hiekmann und Sterneköchin Lisa Angermann haben sich beim Büchermachen kennengelernt. Ihre gemeinsame Leidenschaft: Gutes Essen, das Spaß macht, das überrascht, das für Glücksmomente im Alltag sorgt. Ihr … [weiterlesen]

Begründung der Jury:

Wenn eine begnadete Köchin und Kräuterfachfrau und eine höchst kreative Kochbuchautorin, Fotografin und Food-Journalistin so zusammenarbeiten wie hier, überrascht das fantastische Ergebnis kaum. Besonders gefällt mir, wie ermutigend der Anbau frischer Kräuter zu Hause vermittelt wird. Ob klassisch mit Petersilie, asiatisch mit Shiso oder überraschend als Spaghetti-Eis mit Tagetes – der üppige und einfallsreiche Einsatz ausschließlich frischer Kräuter und Blüten verspricht vor allem in den Frühjahrs- und Sommermonaten großen Spaß, lässt sich aber sicher auch im Herbst und Winter gut umsetzen.
Superpraktisch finde ich zudem das zusätzliche Kräuterregister, in dem sich alle Rezepte nachschlagen lassen, in denen das jeweilige Kraut vorkommt – auch dann, wenn es nur eine Nebenrolle spielt.
„Pflück-Glück garantiert“ steht im Button auf dem Cover, denn frische, selbst gezogene Kräuter stellen die Autorinnen in den Mittelpunkt dieses starken Buchs. Das Buch hat den ungewöhnlichen Ansatz: Gärtnern und Kochen. Kurz und bündig wird der Gartenteil abgehandelt, gefolgt von fünf umfangreichen Rezeptkapiteln mit vorangestellten Kräuterportraits. Die Rezepte mit den vielen Eigenanbaukräutern sind einfach bis ambitioniert und oft vom Frühjahr, Sommer und Herbst inspiriert; die Kräuter in der Zutatenliste sind farbig markiert. Dass die Rezepte „für jeden Tag“ geeignet sind, finde ich nicht immer; über Zubereitungszeiten hätte ich mich gefreut.
Dass viele Gerichte (oft von Sterneköchin Lisa) mit tellerhaltenden Händen im Bild (Fotos von Stefanie) dem Leser ansprechend angeboten werden, schafft einmal mehr eine wunderbare Willkommen-Optik. Tipps rund um das Thema geben die Autorinnen zuhauf. So wird man schnell zum Fan von Lisa & Stefanie – wie auch Alexander Herrmann, der ein persönliches Vorwort beigesteuert hat.
PS: Sehr hilfreich sind die zwei Register (nach Rezepttitel und sehr ausführlich nach Kräutern).
Dank Lisa Angermann und Stefanie Hiekmann hat man endlich einen kompakten kulinarischen Ratgeber an der Hand, um mehr aus dem zu machen, was auf Balkon, Terrasse oder im Hochbeet sprießt. Ein Buch, das sofort Lust macht, in Grün zu denken: schöne Rezepte, kreativ-modern, dabei aber nicht abgehoben. Die Mischung von Rezepten und Warenkunde reicht von klassisch bis exotisch und bleibt dabei stets praktisch gedacht und umsetzbar. Auch wenn hier und da ein Stück Huhn oder ein Fisch auf dem Teller landet, zeigen die meisten Gerichte, wie viel Spaß Gemüseküche machen kann, ohne sich bemüht vegetarisch oder vegan zu geben. Abgerundet wird das Werk durch einige gute Ideen für die Speisekammer – Dressings, Salze, Pestos, Mayonnaisen und Buttermischungen –, die die eigene Küche spürbar bereichern dürften.
Unsere kreative Kräuterküche führt einem vor Augen, wie schmal man den Begriff „Kräuter“ bislang gefasst hat. Fast vierzig Kräuter werden in Steckbriefen kurz vorgestellt und dann in Rezepten verkocht. Bemerkenswert: Kräuter sind hier nur in den seltensten Fällen Deko-Elemente, sondern prägen die Charakteristik der Gerichte und sind klug integriert. Die Rezepte sind sauber beschrieben und sprechen die Sprache einer leidenschaftlichen Garden-to-Table-Köchin. Die Kräuterkunde ist auch für Einsteiger gut verdaulich, und das gesamte Buch profitiert von der klaren Schreibe Stefanie Hiekmanns. Einziger Wermutstropfen: Der Schwierigkeitsgrad des Anbaus (z. B. bei Wasabi relevant) geht nicht immer klar aus den Beschreibungen hervor. Dennoch: ein Buch, das sofort Frühlingslust schürt und den eigenen Blick auf das – sind wir ehrlich! – immer ähnlich anmutende Kräuterbeet nachhaltig verändert.
Das Ziel von Lisa Angermann und Stefanie Hiekmann ist es, mehr Kräuter in die Alltagsküche zu bringen. Nach einer Einführung zum heimischen Kräuteranbau bekommen wir kleine Steckbriefe zu den einzelnen Kräutern mit anschließenden Rezepten – und das ohne kulinarische Grenzen: vom Krustenbraten bis zu Köfte und Curry finden wir eine Vielzahl abwechslungsreicher Gerichte. Die teils vielen Komponenten der Gerichte finde ich persönlich etwas zu aufwendig für den Alltag. Mich hat außerdem gewundert, dass die Kräuter in den Rezepten oft nur Nebensache sind. Einige der Gerichte könnten auch problemlos ohne Kräuter serviert werden. Das finde ich schade, und ich hätte mir mehr erhofft. Insgesamt ist es dennoch eine schöne Rezeptsammlung, und das Buch enthält tolle Ideen, wie man auch Kräuter in die Küche einbaut, die man sonst nicht so oft verwendet.
Gewürzliebe
Der Deutsche Kochbuchpreis - SILBER

Ø 8.6

Gewürzliebe

Modern, kreativ & aromatisch kochen - GAD SILBER Medaille 2025

Autor/-in: Verlag: ars vivendi

Mit einer ausführlichen Warenkunde zu 24 Gewürzen, deren Lagerung und der besten VerwendungAbwechslungsreiche und alltagstaugliche Gerichte mit außergewöhnlichen GeschmackskombinationenMit über 60 herzhaften und süßen RezeptenWer kennt es nicht? … [weiterlesen]

Begründung der Jury:

Das große Know-how aus der Welt der 24 Gewürze bringt Rachel Walker in dieses alltagstaugliche Koch- und Lehrbuch ein. Von ihr erfährt der Leser viel über die Geschichte und den traditionellen Einsatz der Gewürze, während Esther Clark in den Rezepten ihren unkomplizierten Umgang damit zeigt. Die zahlreichen Hinweise zum Zusammenspiel verschiedener Aromen sowie zu möglichen Alternativen regen zum Ausprobieren und Variieren an.
So schlägt sie etwa eine Caprese 2.0 vor – mit gegrillter und geschälter Paprika, Tomaten, Aleppo-Chili, Kapern und Koriandersamen, ergänzt um eine Kugel Burrata on top. Vielleicht noch ein paar Blutorangenfilets dazu? Köstlich!
Auch das frittierte Hähnchen mit Shichimi-Togarashi war für mich eine aromatische Neuentdeckung: knusprig, saftig und angenehm asiatisch-pikant, mit einem Umami-Tiefgang durch den Algenanteil in der Mischung.
Der Anspruch, sich von traditionellen Rezepten zu lösen und Gewürze kreativ und spielerisch weiterzuentwickeln, geht für mich voll auf.
Eine Gewürzhändlerin und eine Rezeptentwicklerin bieten mit ihrem Buch ausgewählten Gewürzen eine Bühne und lassen sie in einfachen Gerichten richtig strahlen. Dabei bekommen vertraute Rezepte ein neues Gewand und überraschen, indem ganz neue Kombinationen gefunden werden: z. B. Bircher Müsli mit Kokos und Kardamom oder Erdbeeren mit Fenchelsamen. Die Rezepte sind vielfältig und reichen vom indischen Chaat bis zu britischen Fish and Chips. Gepaart mit dem wunderschönen, modernen Foodstyling und den alltagstauglichen Rezeptideen macht das Buch sehr viel Lust darauf, alles auszuprobieren. Dabei ist es kein Gewürzlexikon, das sehr in die Tiefe geht und alles abdeckt. Es sind die Highlights der beiden Autor:innen. Das fühlt sich ein bisschen an wie ein privater Ausflug in den Gewürzladen mit kompetenter Reiseleitung. Mich hat das Buch überzeugt und inspiriert, selbst etwas neuen (Gewürz-)Pfiff in meine oft gekochten Rezepte zu bringen.
Wie schön, dass bei einem neuen Gewürzbuch nicht wieder alle erdenklichen Gewürze beschrieben, vorgestellt und verwendet werden, sondern bewusst nur einige Favoriten – diese aber detailreich, persönlich und mit klarer Empfehlung zur Reduktion in der eigenen Gewürzschublade. Clark und Walker raten zu Recht zum Kampf gegen die vielen Gewürzleichen im Schrank und stattdessen zu mehr Frische, Qualität und Spielfreude. Sie nehmen die Angst vor der teils überwältigenden Vielfalt der Gewürze und machen Mut, einfach loszulegen. Das Konzept geht auf: Die Rezepte lassen die Gewürzwelt der beiden Londonerinnen genussvoll lebendig werden und zeigen in vielen Beispielen rund um die Welt, wie viel Freude ein beherzter Einsatz getrockneter Aromen machen kann. Man wünscht sich mehr solcher persönlichen Gewürzbücher.
Gewürzliebe hat eine Mission: den Horizont seiner Leserinnen und Leser über das omnipräsente „mit Salz und Pfeffer“ hinaus zu erweitern. Und die Autorinnen meinen es von Seite eins an ernst. Das zeigt zunächst ein kurzes, aber sehr gut zusammengetragenes Intro, das Grundprinzipien im Umgang mit Gewürzen ohne Umschweife erklärt und dabei viele intuitive Annahmen aufgreift und sachkundig geraderückt. Die im Buch beschriebenen Gewürze sollten Hobbyköchinnen und -köchen allesamt bekannt sein – die Einsatzmöglichkeiten und Details in der Handhabung (Temperieren, Kontakt mit Fett, Dosierung etc.) sind teils augenöffnend. Auch die Rezepte sind klug zusammengestellt und weit mehr als Standardrezepte mit Extra-Kick. Nach der Lektüre sollte sich tatsächlich so etwas wie ein neues Level an Gewürzneugier eingestellt haben – man möchte unmittelbar damit beginnen, einen eigenen „House Blend“ zu kreieren.
Vom Titel her ist dieses Kochbuch nicht unbedingt ein Buch, das man in der Rubrik Warenkunde suchen würde. Umso mehr wird man beim Reinlesen und Durchblättern dieses stimmungsvoll bebilderten Kochbuchs überrascht. Mit Beschränkungen aufräumen und zum mutigen Einsatz von 24 Gewürzen anregen möchten die Autorinnen und „aus purer Lust am Genuss“ beherzt ins heimische Gewürzregal greifen und ausprobieren. Das Duo gibt Tipps zu Auswahl, Einkauf, Lagerung und zum Kochen mit Gewürzen. Mit viel Wissenswertem stellen sie ihre Gewürzauswahl vor und schaffen damit mehr als eine Prise Hintergrundwissen.
Etwas merkwürdig: Die Gewürze werden nicht nach deutschen, sondern nach englischen Namen alphabetisch aufgelistet, wohl ein Zugeständnis ans Original. Ähnliches gilt auch für viele Einsatzbeispiele, die sich auf die britische Herkunft der Gerichte beziehen. Die Rezepte reichen von simplen „Erdbeeren mit Fenchelsamen“ über die aufwändigeren „Spinat-Muskat-Gnocchi“ zu knusprig-cremiger „Golden-Milk-Tarte“. Am Ende finden sich jeweils Tipps, die zu weiteren Experimenten animieren, wie „Einfachste Zaatar-Nudeln“. Hier werden alle fündig, die Lust haben, sich in die spannende Welt der Gewürze zu begeben.
Reisküche
Der Deutsche Kochbuchpreis - BRONZE

Ø 8.3

Reisküche

Vielfältige Rezepte für die heimische Küche

Autor/-in: Verlag: Die Gestalten Verlag

Für viele Menschen auf der Welt ist Reis das Grundnahrungsmittel. Deshalb ist es nicht verwunderlich, dass jede Kultur ihre eigene kreative Zubereitungsart hat, um Reis zu einer regionalen Spezialität zu machen. Von cremigen Risottos bis hin zu herzhaften … [weiterlesen]

Begründung der Jury:

Mit Tove Nilsson reisen wir auf dem Reiskorn einmal um die Welt. Detailreich angefangen in Italien und Spanien, springen wir später in die Töpfe von Ghana, Louisiana, Jamaika, auf den Philippinen, in China oder Indien. Jedes Rezept begleiten Geschichten hinter den Gerichten und warenkundliche Details zu Klassikern wie Sushi oder Risotto. Beim Lesen wird so die enorme Bandbreite der weltweit zu findenden Reiskultur bewusst. Die vielen tollen Fotos machen dabei einfach nur Hunger und Appetit, alles auszuprobieren – auch sich an eher unbekannte Zubereitungen zu wagen. Das reduzierte Design der deutschen Ausgabe macht von der Haptik bis zur Typografie Freude, nur den Rezepten hätte etwas mehr gestalterische Struktur zur Übersichtlichkeit gutgetan. Insgesamt ein tolles, wärmendes Buch.
Die ganze Vielfalt der Reisküche in einem einzigen Buch zu präsentieren – dieser Plan der Autorin ist in meinen Augen vollkommen aufgegangen. Ich war überrascht, was in 14 Kapiteln über unterschiedliche Reiszubereitungstechniken alles möglich ist. Paella turistica neben Paella valenciana, Arroz picante oder doch lieber Pilaw? Das thailändische Khao Pad, serviert in einer ausgehöhlten Ananashälfte, war nicht nur geschmacklich köstlich, sondern auch ein echter Eye-Catcher. Weniger spektakulär, aber ebenso genussvoll waren die schwedischen Kohlrouladen – eine Hommage an die Heimat der Autorin.
Eine kulinarische Reise quer durch die Weltküche auf 227 Seiten: Für mich bekommt Reis als Bereicherung im Küchenuniversum dadurch einen ganz neuen Stellenwert.
Jamaika, Ghana oder Indonesien – dieses Buch rund um das Reiskorn lässt wirklich kaum eine Länderküche aus, in der Reis eine zentrale Rolle spielt. Der schiere Umfang an Rezepten ist beeindruckend. Zu jedem Rezept gibt es spannende Infos zum Gericht und hilfreiche Tipps für das Gelingen. Sogar ein Kapitel zu Rezepten mit Reisprodukten wie Reispapier oder Tteokbokki ist enthalten. Besonders toll finde ich auch das Design: Schon der Leinenumschlag beeindruckt, und die hochwertigen Fotos sowie das gut durchdachte Layout für die Fülle der Informationen unterstreichen die Qualität. Die zusätzlichen Hintergrundinformationen zum Anbau, zu den unterschiedlichen Sorten und zu deren Eigenschaften machen es für mich zu einem wirklich gut gelungenen Warenkundebuch.
Einem so fundamental wichtigen Weltnahrungsmittel ein Buch zu widmen, erscheint wie eine undankbare, schier unlösbar große Aufgabe. Reisküche gelingt es auf beeindruckende Weise, diesem Thema auf 230 Seiten gerecht zu werden, indem Rezepte zum Vehikel für ein Gesamtverständnis werden. Die porträtierten Gerichte schlängeln sich durch verschiedene Grundzubereitungen und berühren dabei ganz automatisch Länderküchen der gesamten Welt – immer verbunden mit kleinen Warenkunde-Exkursen. Dabei setzt ein wunderbarer Effekt ein: Durch das Lesen der Rezepte entsteht ein Grundverständnis für den Umgang und die weltumspannende Bedeutung von Reis. Reisküche ist als Kochbuch angelegt und hinterlässt nach der Lektüre den Eindruck eines Sachbuchs – was in dieser Reihenfolge als absoluter Erfolg zu werten ist. Das matte Papier und die großartigen Food-Fotos runden ein Buch ab, bei dem einem das Prädikat „Standardwerk“ durchaus in den Sinn kommt.
Außer Risotto kann ich keinen Reis kochen. Darum hatte ich eine gewisse Erwartungshaltung an das Buch, das nach den für eine Warenkunde typischen Kapiteln „Anbau“ und „Reissorten“ gleich an die Töpfe ruft: Risotto! Ich lerne im Text: „Lassen Sie die Finger vom Avorio-Reis.“ (S. 14). Im Grundrezept (sic!): Zutaten „360 g Carnaroli- oder Arborio-Reis (S. 26).“ Ich wundere mich und recherchiere, dass es sich um die gleiche Reissorte handelt. Und die nimmt die Autorin nun für jedes der neun Risotti (eine Ausnahme).
Dann findet sich in der Zubereitungsanleitung des Grundrezepts (S. 26) der wörtlich gleiche Tipp wie im Rezeptvortext. Das tut dem Rezept an sich keinen Abbruch, aber was ist das für eine Expertise?
Der Versuch, eine Ordnung in die vielen ausgewählten Rezepte dieses Kochbuchs zu bringen, ist weitgehend gescheitert. Dem Kapitel „Frittierter Reis“ folgt „Gewürzter Reis“. Hey, der frittierte ist doch auch gewürzt! „Pilaw, als … Variante eines würzigen Reisgerichts“ wird in der Kapiteleinleitung (S. 59) zwar erwähnt, das Rezept dazu finde ich aber erst in „Gekochter Reis“ (S. 156). Das verstehe, wer will!
Ich erfreue mich wenigstens an den schönen Fotos und koche „Risotto al cavolo nero“.
PS: Dem Buch in Textiloptik liegt ein für den Leser unnützes Beiblatt (Rücktitel mit dem Strichcode des Buches) bei. Nicht nachhaltig.
Castegna

Ø 8.1

Castegna

Viel mehr als heisse Marroni

Autor/-in: Verlag: LandLiebe-Edition

Marroni, Kastanien, Castegna sind ein wichtiges Schweizer Kulturgut. Die Autorin begleitet eine Bergeller Familie von der Ernte über die Sortierung bis hin zum eindrucksvollen Räuchern. Ihre stimmungsvollen Reportagen geben Einblick in die botanische … [weiterlesen]

Begründung der Jury:

Eine kulinarische Ehrung ist dieses Nischenprodukt-Buch. Anbau, Ernte und Verarbeitung dieser Schweizer Spezialität und Slow-Food-Arche-Passagier sind arbeitsintensiv. Kaum jemand macht sich heutzutage Gedanken darüber, wie mühselig der Umgang mit Kastanien ist, der mit „Rücken“ und zerstochenen Fingerkuppen einhergeht. Botanisch sind Marroni Nüsse mit verschiedenen Sorten, die wir heutzutage meistens nur als einfache Beilage zu Gänse- oder Wildbraten oder als altmodisch-hyggeligen Streetfood-Snack auf Weihnachtsmärkten wahrnehmen. Mache ich mir die Vorarbeiten klar, ist es für mich verständlich, dass die Koch- und Backrezepte weniger aufwändig ausfallen müssen, aber dennoch überraschend raffiniert sind: Esskastanien-Genuss können z. B. eine traditionelle „Turta da castegna“ oder cremige „Kastanienkonfitüre“ sein. Den Hunger nach langen Kastanienwanderungen aus dem letzten Teil des Buches stillen die Autoren mit Rezepten für „Kastanien-Bolognese“ oder „Kastanien-Crème brûlée“. Zur Bewahrung der kulinarischen Vielfalt brauchen wir ehrenvolle Kochbücher wie dieses.
Castegna ist ein liebevoll produziertes Buch über eine oft übersehene Zutat: die Kastanie. Das Buch nimmt die Warenkunde ernst und lässt uns komplett in die Kastanienwelt der Schweizer Region Bergell eintauchen. Es beschreibt die Kastanie nicht nur als Zutat und Lebensmittel, sondern geht auf all ihre Facetten ein: ihre Traditionen, ihre regionale Identität und die Vielfalt der mit ihr verbundenen Gerichte in der traditionellen Küche der Region. Mit eindrucksvollen Bildern und vielen persönlichen Geschichten der Menschen vor Ort begeben wir uns in ihre Welt und erfahren zum Beispiel von der Verarbeitung der Nuss in traditionellen Mühlen. Diese Kulturgeschichte der Maroni macht etwa ein Drittel des Buches aus. Neben traditionellen Rezepten finden sich auch moderne Ideen für die Verwendung in Teigen, als Püree oder Creme – sowohl süß als auch salzig. Insgesamt hätte ich mir noch ein paar mehr außergewöhnliche Rezepte gewünscht. Dafür fand ich die Hinweise am Ende des Buchs zu Festivals, Restaurantempfehlungen oder Wanderungen rund um das Thema besonders schön.
Ein warmes und herzliches Porträt eines kulinarischen Nebendarstellers, dem man ein solches Buch schon lange gewünscht hat. Cathrin Michael und Riccardo Cicognani widmen sich mit spürbarer Leidenschaft der Welt der Maroni. Die Kombination aus Hintergründigem, persönlicher Erzählweise und stimmungsvollen Fotos ist wunderbar authentisch und nahbar. Der Rezeptteil überzeugt mit einer beachtlichen Vielfalt und vielen Inspirationen für den vielseitigen Einsatz der Esskastanie – ohne dabei beliebig oder aufgesetzt zu wirken. Eine echte Liebeserklärung an ein oft übersehenes Naturgut, die zeigt, wie viel Genuss und Geschichte unter der braunen Schale steckt.
200 Seiten über die Esskastanie – ein Nischenbuch im besten Sinne. Den Autoren von Castegna gelingt es dabei, einen kulturell-kulinarischen Spannungsbogen zu bauen, der sich vor allem aus den ersten 60 Seiten speist, die das Bergell, ein Tal in der Schweiz, zum Schauplatz der alljährlichen Edelkastanienernte machen. Die unterschiedlichen Perspektiven – von familiären Sammeltraditionen über die konkrete handwerkliche Verarbeitung bis hin zur kulturellen Bedeutung für die gesamte Gegend – versetzen einen fast träumerisch in eine alpine Kulturlandschaft, von deren Existenz man vermutlich noch gar nichts wusste. Dazu tragen auch die schönen Fotos bei, die einen unmittelbar ins dörfliche Leben setzen. Die Rezepte sind – wenig überraschend – sehr kastanienlastig. Dabei fällt auf, wie wandelbar sich diese Zutat zeigt: süß, salzig, fast überall integrierbar. Man wird hier nicht jedes Rezept nachkochen wollen, eine Erweiterung des persönlichen Kastanien-Einsatzspektrums wird aber definitiv erreicht.
Heiße Maroni vom Weihnachtsmarkt oder die Truthahnfüllung an Thanksgiving – das sind bei Weitem nicht die einzigen Möglichkeiten, Esskastanien zu genießen. Das Buch bietet einen tiefen Einblick in den Anbau, die traditionelle Pflege der Kastanienhaine und das damit verbundene Brauchtum, besonders in Graubünden. Diese Hintergrundinformationen sind hilfreich für das Verständnis des Produkts, wirken stellenweise jedoch etwas ausführlich.
Die Rezepte sind übersichtlich aufgebaut und orientieren sich oft an bekannten Küchenklassikern: etwa Crêpes aus Kastanienmehl, Spätzle, Pflädle oder Crème brûlée. Besonders spannend wird es immer dann, wenn ganze Früchte – getrocknet oder tiefgefroren – zum Einsatz kommen. Ein Highlight sind die Castegna-Capuns, eine Graubündner Spezialität: Mangoldröllchen, gefüllt mit einem Spätzleteig, Kräutern, Käse und gehackten Kastanien.
Aufgelockert wird das Buch durch zahlreiche Naturfotos aus den Hainen und ihrer Umgebung, was das Schmökern zusätzlich angenehm macht. Insgesamt bietet es eine gelungene Mischung aus Hintergrundwissen und alltagstauglichen Rezepten und macht Lust darauf, Kastanien neu zu entdecken.
Curry-Werkstatt

Ø 8.0

Curry-Werkstatt

Aromen – genial kombiniert

Autor/-in: Verlag: GRÄFE UND UNZER Verlag GmbH

Entdecken Sie die faszinierende Welt der Currys! Gewürzexpertin Bettina Matthaei präsentiert in ihrem einzigartigen Kochbuch die Vielfalt verschiedener Currys und zeigt, dass Curry so viel mehr ist als nur gelbes Pulver. Begeben Sie sich auf eine spannende … [weiterlesen]

Begründung der Jury:

Bei Curry ist Gewürzexpertin Bettina Matthaei ganz und gar in ihrem Element. Wie in ihren Workshops stellt sie informativ die Einzelgewürze und den jeweiligen Umgang damit vor, um daraus im Anschluss Varianten von Currypulvern und Currypasten herzustellen. Die Autorin möchte ihre Leser in der eigenen Küchen-Werkstatt anregen, selbst kreativ zu mischen und zuzubereiten; es finden sich aber so viele großartige, einfach nachkochbare Rezepte, dass man es auch dabei belassen kann! Sehr gut finde ich die Tipps „Gleich mal ausprobieren“, z. B. Curryöl (Tipp: für indische Antipasti).
Erst dachte ich, von den Fusion-Rezepten wie „Beef-Tatar mit Curry-Mayo“, „Avocado-Lachs-Tatar mit Curry-Sesam-Topping“, „Rosenkohlcurry mit Kichererbsen“ oder „Spitzkohl-Slaw mit Tom-Kha-Dressing“ hätten es mehr sein sollen, bis ich mich an den Lerneffekt (Stichwort Aromaprofile) dieser Werkstatt erinnerte. Super umgesetzt! Außerordentlich gut gefällt mir, dass der GU-Verlag sich das Ausweisen von Nährwerten bei den Rezepten leistet. Denn die sind ein gelerntes Mittel der Umsetzung zeitgemäßer gesunder Rezepte. Bitte mehr davon!
Bettina Matthaei und ich haben eins gemeinsam: Unsere ersten Schritte in die Kulinarik waren im Teenageralter von wilden Experimenten mit Currymischungen geprägt. Gut, dass sie heute – als eine der profiliertesten Gewürzexpertinnen – Licht in die Vielzahl gelber und roter Mischungen bringt. Das gelingt ungezwungen, zugänglich, kompakt und einstiegsgerecht. Die vielen Ideen rund um den Mörser machen über alle Altersstufen hinweg Lust, sofort loszulegen. Nach dem umfangreichen warenkundlichen Einstieg geben zahlreiche Rezepte Anlass, die eigenen Gewürzwerke direkt einzusetzen. Ein stimmiges, einladendes Buch, das Experimentierfreudige praxisnah in die Aromenvielfalt und Tiefe der Currys führt.
Das Buch ist für mich eine herzliche Einladung zum Experimentieren. Es vermittelt fundiertes Wissen über all jene Gewürze, die für Currymischungen und -pasten notwendig sind. Das Basis-Currypulver sowie zwei darauf aufbauende Varianten habe ich bereits selbst gemischt – die Ergebnisse sind aromatisch, ausgewogen und besitzen eine eigene Handschrift. In einem köstlichen Hähnchencurry mit Mango und Kurkuma konnte ich die mildere Mischung direkt testen.
Besonders gut gefällt mir die Vielfalt der Rezepturen: Hier wird mutig, großzügig und spielerisch mit dem reichen Aromenangebot gearbeitet. Im Wesentlichen erinnern die Gerichte an die indische Küche, auch wenn sich einige europäisch-westliche Zubereitungen zu den Currys, Raitas und Chutneys gesellen.
Curry-Neulinge werden mit den Rezepten bestens zurechtkommen, denn die Seiten sind klar strukturiert und die Texte angenehm übersichtlich. So macht das Buch Lust, in die Welt der Curry-Gewürze einzutauchen und eigene Kreationen zu entdecken.
Currywerkstatt ist ein Sinnbild für einen raffinierten Umgang mit exotischen Gewürzen. Und genau so ist dieses Buch zu verstehen. Es ist weniger – wie der Titel vermuten lässt – eine Reihe weltweit unterschiedlicher Curry-Interpretationen (was auch spannend gewesen wäre), sondern vielmehr ein Grundstock an Curry-Wissen und eine große Bandbreite an Einsatzmöglichkeiten von Currymischungen, die man sich selbst herstellt. Wer Curry als Baukastensystem versteht und das dahinterliegende Prinzip zur Anwendung bringt, findet hier eine Anleitung, die neue Türen aufstößt. Wer kulinarisch-kulturelle Einordnungen aus verschiedenen Weltküchen sucht, kann mit Currywerkstatt nur an der Oberfläche kratzen. Es ist ein Rezeptbuch und kein Kulturbuch – das sagen auch die Fotos, die einen klaren Fokus auf hochwertige Gerichtefotografie legen. Letztere gelingt in einer sehr durchgehenden und hellen Ästhetik, die dem erdig-schweren Thema sehr gut steht.
Die erste Gewürzmischung aus dem Buch ist das „Basis-Currypulver“, was ich schon zu Beginn viel zu undifferenziert finde. In so vielen Ländern und Kulturen wird „Curry“ mit unzähligen regionalen Besonderheiten gekocht. Innerhalb Thailands oder Indiens gibt es riesige Unterschiede in der Zubereitung zwischen Nord und Süd, West und Ost. Currypasten aus Thailand und Indien werden auf zwei Seiten zusammengefasst, verallgemeinert und nicht eingeordnet. Dass es auch außerhalb dieser Länder Currys gibt, wird ausgelassen. Insgesamt umfasst der Teil über die Zubereitung und Hintergründe der Currymischungen 35 von insgesamt knapp 170 Seiten. Wenn man sich entscheidet, über ein so komplexes Thema und über andere Kulturen zu schreiben, wünsche ich mir mehr Sensibilität im Umgang damit. Es wird für mich auch nicht klar, woher die Autorin das Wissen und die Rezepte hat, die sie hier vermarktet. Für mich gehört es in der heutigen Zeit dazu, Anerkennung für die Menschen und Kulturen jener Küchen zu zeigen – oder sie wenigstens zu erwähnen. Der Großteil des Buches besteht aus Rezepten. Dort findet man eine Mischung aus altbekannten und neuen Gerichten, die mit „Currymischungen“ zubereitet werden. Die Auswahl der Rezepte wird mir nicht ganz klar; der gemeinsame Nenner „Curry“ wirkt ohne weitere Einordnungen etwas dürftig. Ich finde das Buch leider nicht zeitgemäß und das Konzept nicht gut realisiert.
Bäume und Sträucher vor deiner Haustür

Ø 7.8

Bäume und Sträucher vor deiner Haustür

Rezepte mit Blättern, Blüten & Früchten

Autor/-in: Verlag: ars vivendi

28 ausführliche Pflanzenporträts, u. a. mit Informationen zu Standort, Sammelzeit, Besonderheiten und HeileigenschaftenÜber 70 Koch- und Heilrezepte rund ums JahrMit praktischem Booklet zum Mitnehmen und Nachschlagen
Marion Reinhardt, Kräuterpädagogin … [weiterlesen]

Begründung der Jury:

Ab und an gibt es Kochbücher, aus denen Sätze mir im Sinn bleiben wie „Bäume sollten … unsere allerbesten Freunde sein.“ Und von denen dürfen wir uns vieles auf der Zunge zergehen lassen, denn was hier an einfach schönen Rezepten zusammengetragen wurde, ist erstaunlich und macht neugierig. Marion Reinhardt porträtiert mit allerhand Wissenswertem unsere Freunde, bevor es an die Verarbeitung der gesammelten Pflanzenteile geht. Wie schade, dass während des Schreibens dieses Textes tiefster Herbst ist und dass ich nicht mal eben schnell etwas ausprobieren kann. Meistens verwendet die Autorin schließlich Blätter („Linden-Caprese“, „Fichten-Butter“), Blüten („Traubenkirschblüten-Sirup“) oder Früchte („Schlehen-Gin“, „Kornelkirschen-Oliven“). Und die Beschaffung der Zutaten, die im Mittelpunkt stehen, ist gar nicht immer einfach. Man muss schließlich wissen, was (das beiliegende Booklet hilft) wo wächst und was man von den Freunden verwenden kann. Wie gut, dass auf den Herbst der Winter folgt und ich mich aufs Frühjahr freuen kann, um mit diesem einzigartigen Buch neue Freunde zu finden.
Bäume und Sträucher ist kein klassisches Kochbuch, sondern vielmehr ein Staun-Buch. Die Essbarkeit der eigenen Umgebung – ob in der Stadt oder auf dem Land – wird einem hier augenöffnend zusammengefasst. Das Buch ist klar strukturiert und hangelt sich von Gewächs zu Gewächs, mit einem kurz gehaltenen Steckbrief und ein paar illustrierenden Einsatzbeispielen. Tiefes botanisches Wissen darf man hier nicht erwarten, genauso wenig wie komplexe kulinarische Anwendungen. Es ist und bleibt ein Überblicksbuch, das in kurzer Zeit den Horizont erweitern kann – mit solider Fotografie, einfacher Darstellung und funktionierenden Rezepten.
Nach Wildkräuter vor deiner Haustür hat Marion Reinhardt ihre wilde Rezeptsammlung mit diesem neuen Buch erweitert. Wie schon beim letzten Buch liebe ich den kleinen Taschenratgeber, den man beim Spaziergang einfach einstecken kann. Auch das Layout ist sehr schön und übersichtlich gestaltet. Nach einem kurzen Steckbrief mit den wichtigsten Infos gibt es Details und Hintergründe und im Anschluss Rezepte zu jeder wilden Zutat. Das ganze Buch ist nach Jahreszeiten aufgeteilt, sodass man schnell einen Überblick über das Angebot an saisonalen Bäumen und Sträuchern beim nächsten Waldspaziergang hat. Die Rezepte sind auch für Anfänger:innen leicht umzusetzen. Ein schönes Detail: Neben Rezepten für Essbares findet man auch Rezepte für den Haushalt, wie zum Beispiel Cremes oder Reinigungsmittel. Ich hätte mir persönlich insgesamt ein paar mehr Rezepte pro Zutat gewünscht und habe auch etwas mehr von den Rezepten selbst erwartet. Es wäre sehr spannend zu erfahren, wie man mit den fleißig gesammelten Dingen kochen kann – auch über Sirups, Chutneys und Salate hinaus.
Den Fokus auf alles Essbare von Baum und Strauch zu legen und dabei nicht nur die bekannten Früchte, sondern auch Triebe, Blüten, Blätter und sogar Rinden über alle Jahreszeiten hinweg mitzudenken, ist neu und eine wertvolle Bereicherung im kulinarischen Kochbuchkosmos. Besonders stark ist das Buch dort, wo diese Idee in eigenständige Gerichte übersetzt wird – etwa beim Butterbrot mit Lindenblättern oder einem frühlingshaften Birkenblattsalat. Auch die kreative Verschmelzung mit Klassikern wie Haselblatt-Temaki oder Ahornblatt-„Weinblättern“ überzeugt. Weniger überzeugend sind simple Adaptionen wie Smoothies oder Caprese mit hinzugefügten Baumblättern. Die Warenkunde ist solide, die Pflanzenfotografie hilfreich. Das beigelegte Booklet ist praktisch, aber etwas redundant. Insgesamt ein inspirierendes, stellenweise ungleichgewichtiges, aber wertvolles Buch.
Nach der Lektüre des Buches bin ich überrascht, was in meiner direkten Umgebung vor der Haustüre – im Garten, Park und Wald – alles als essbares und irgendwie nahrhaftes Lebensmittel Verwendung finden kann.
Insgesamt geht es um 28 Produkte aus der Natur; einige sind in der Küche schon bekannt, wie z. B. Brombeere, Heidelbeere oder Wacholder. Eiche und Buche, Ahorn und Speierling gehören jedoch (noch) nicht zu meinem Beuteschema.
Birkenwasser zum körperlichen Stärken oder als Haarwasser – hier kann man lernen, wie der Baumstamm angezapft werden kann, ohne dem Baum zu schaden. Einige Rezepte, vor allem die mit Früchten, kann ich mir gut in meiner Küche vorstellen. Die Verwendung von Blättern, Knospen und Keimlingen von Bäumen wird bei mir jedoch kulinarisch vermutlich keine tragende Rolle spielen.
Wer ein offenes Auge und Interesse an Zutaten aus der Natur hat, findet in dem Buch jedoch interessante Anregungen und leckere Verwendungsmöglichkeiten.
Sehr schön finde ich das beigelegte Booklet zum Mitnehmen und Bestimmen der aufgeführten Pflanzen.
Kartoffel – Das große Kochbuch

Ø 7.7

Kartoffel – Das große Kochbuch

Einfach gute Rezepte – Über 120 Grundrezepte und Varianten, Klassiker und Spezialitäten aus aller Welt

Autor/-in: Verlag: ZS - ein Verlag der Edel Verlagsgruppe

Kartoffeln schmecken immer!Sie sind eines der beliebtesten Grundnahrungsmittel: Weltweit werden jährlich bis zu 370 Millionen Tonnen Kartoffeln geerntet. 54 Kilogramm davon landen in Deutschland im Schnitt pro Kopf und Jahr im Kochtopf. Kein Wunder: … [weiterlesen]

Begründung der Jury:

Ich bin seit den letzten beiden Weber-Grillbüchern ein bekennender Fan von Manuel Weyer und dem Fotografen Mathias Neubauer. Entsprechend hoch waren meine Erwartungen an Die Kartoffel – und ich kann vorwegnehmen, dass sie für mich voll erfüllt wurden. Neben vielen Klassikern, die jeder kennt, wie Reibekuchen, Hasselback-Kartoffeln oder Bauernomelett, finden sich auch raffinierte, für mich neue Kreationen wie Königsberger Kartoffelklöpse oder das vegetarische Kartoffel-Erbsen-Kotelett.
Die ganzseitigen, ansprechenden Fotos lösen bei mir sofortige Lust zum Nachkochen aus, und die übersichtliche, durchgehend unkomplizierte Seitengestaltung ermuntert zusätzlich dazu. Das Rad wird hier zwar nicht neu erfunden, doch für Kartoffelliebhaber – und alle, die noch kein Kartoffel-Kochbuch besitzen – ist dieses Werk ein echtes Muss.
„Alles, was geht!“ wäre ein geeigneter Untertitel für diese grandiose Warenkunde samt Rezepten: Es hat das Zeug zum zeitgemäßen Standardwerk. Man erfährt konzentriert so ziemlich alles, was es über die „Wunderknolle“ (Zitat) zu sagen gibt, bevor es kochschulmäßig sortiert an den Herd geht. Wobei ich mich frage, ob man wissen muss, wie man ein Produkt, das es rund ums Jahr im (Bio-)Supermarkt zu kaufen gibt, in der Küche aufwändig haltbar macht. Hier fehlt mir die Auseinandersetzung mit dem Kartoffelanbau und der Lagerung (konventionell versus Bio). Spannend wird’s in nahezu unzähligen Kartoffelideen. Der Schnee auf der ausprobierten „Kartoffelpinsa“ kam etwas trocken aus dem Ofen, vielleicht hätte ich besser das „Püree Dubai Style“, das „Hummus mit Kartoffeln“ oder die „Kartoffel-Dim-Sums“ testen sollen? Die Originalität und Aktualität der Rezepte hätten mit dem Ausweisen von Nährwertangaben den ernährungsphysiologischen Wert der Knolle betonen können.
Ein durch und durch solides Kochbuch. Im positiven Sinne checkt es alle Häkchen, die ein gutes Kochbuch checken muss: Versprechen: „Einfache gute Kartoffelgerichte“. Wird eingehalten und hilft im Alltag: Kartoffeln übrig? Hier findet sich garantiert etwas Passendes. Design & Fotografie: konsistent und hochwertig – könnte so auch in einem Kochmagazin erscheinen. Basiswissen gibt es zum Start auf etwa 20 Seiten. Kleiner Wermutstropfen: Bei einem so vertrauten Produkt wie der Kartoffel im Zentrum eines ganzen Buchs würde eine Prise mehr Persönlichkeit und Disruption für den Neuheitswert sorgen, den es hier braucht, um mich als Leser so richtig zu packen. Denn bei aller Rezeptevielfalt und buchhandwerklicher Präzision: Wirklich innovativ ist Kartoffel nicht.
Als Rundumschlag zu Deutschlands beliebtester Knolle umfasst dieses Buch eine große Anzahl an Kartoffelrezepten – hauptsächlich aus der westlichen Welt: Gnocchi, Schupfnudeln, Gratin und Co. Bei der Vielzahl der Rezepte kommt mir persönlich das Hintergrundwissen jedoch zu kurz. Es geht hauptsächlich um Gerichte und Zubereitungstechniken. Informationen zur beeindruckenden Anzahl unterschiedlicher Sorten und zur spannenden Geschichte der Kartoffel sind kaum zu finden. Auch eine Einordnung im Vergleich zu anderen Kulturen findet nicht statt. Dafür hätte es für mich ruhig ein Kartoffelsalat-Rezept weniger sein dürfen. Spannend und besonders finde ich die einzelnen Rezepte, die Fleisch durch Kartoffeln ersetzen – wie z. B. Königsberger Klopse aus Kartoffeln oder das Kartoffelschnitzel. Überhaupt war ich positiv überrascht, wie hoch der Anteil vegetarischer und veganer Rezepte war. Das wirkte angenehm fortschrittlich.
Ein umfassendes, optisch solides Kompendium legt „Kartoffelkind“ Manuel Weyer hier vor. Die Warenkunde wird auf gut 30 Seiten abgehandelt – mit vielen Tipps zu Lagerung und Zubereitung. Schade ist, dass 18 Kartoffelsorten zwar mit Foto und Namen präsentiert werden, aber weder beschrieben noch eingeordnet sind oder im Rezeptteil eine Rolle spielen. Die gut 200 Rezeptseiten bieten einen „knolligen Rundumschlag“, dem jedoch hier und da die Tiefe fehlt. Herkunft oder Geschichte zu Gerichten und Küchentipps bleiben knapp. Weyer zeigt große Experimentierfreude und Lust an Variation, verliert dabei aber gelegentlich den Fokus. Eine bewusstere Kuratierung und etwas mehr Tiefgang hätten dem Buch gutgetan.

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