Grazie Roma
Wie ich mein Sternerestaurant zurückließ, in Italien Inspiration für neue Gerichte fand und mich am Ende selbst überraschte. Mit 30 Rezepten
Autor/-in: Daniel Gottschlich • Sebastian SpäthVerlag: DuMont Buchverlag
Daniel Gottschlich erhielt als erster Koch das Stipendium an der Deutschen Akademie in Rom – die bedeutendste Auszeichnung für deutsche Künstler im Ausland. Sieben Wochen lang überließ er seine Kölner Restaurants »Ox & Klee« und »Pvls« seinem … [weiterlesen]
Preis: € 32,00
Begründung der Jury:
Schon das erste Rezept verrät viel: keine Fine-Dining-Inszenierung, sondern eine Bolognese mit Fusilli, Croutons und Parmesan – ein bodenständiges Seelenessen, das sofort klar macht, worum es hier geht: nicht Performance, sondern Fühlen.
Die Rezepte wirken nahbar, klug kombiniert und spiegeln wider, was Rom ihm vor die Füße legt: Menschen, Märkte, Momente. Man spürt den Respekt vor dem Einfachen und die Freude am Authentischen.
Der Textanteil ist vergleichsweise hoch, und einige wenige Gerichte sind im Alltag mit Zutaten wie Bottarga, Austern oder Kaviar nicht ganz leicht umzusetzen. Trotzdem bleibt dieses Buch für mich eines der berührendsten dieser Kategorie.
Aber Daniel Gottschlich hat dann doch leise Zweifel in mir geweckt.
„Grazie Roma“ ist vielleicht gar kein richtiges Kochbuch, sondern eher ein Tagebuch über sein Kurzzeitstipendium in einem Künstlerhaus in Italien. Mit ganz viel Zweifel am Anfang und ganz viel Sinnieren darüber, was gehobene Küche eigentlich sein will oder soll.
Die Rezepte, die bei diesem Aufenthalt entstanden sind, sind persönlich, oft überraschend und selten kompliziert. Aber der eigentliche Star sind die Texte über seine Zeit in der Künstlerkolonie. Ein Buch für Menschen, die das Gefühl haben, dass Kochen mehr ist.
Wilde Feigen und Fenchel
Ein Jahr in meiner italienischen Küche – ein kulinarischer und optischer Hochgenuss!
Autor/-in: Letitia ClarkVerlag: ZS - ein Verlag der Edel Verlagsgruppe
Wilde Feigen & Fenchel nimmt Sie mit auf eine kulinarische Reise durch Sardinien und das sonnenverwöhnte Italien. Sardinien ist eine Art Italien-Konzentrat, wo sich viele Bräuche erhalten haben, konserviert in der Zeit. Vor allem ist es ein Ort, … [weiterlesen]
Preis: € 34,00
Begründung der Jury:
Der Einband ist optisch und haptisch wirklich unglaublich liebevoll gestaltet. Und dann heißt das Buch auch noch wie ein leicht kitschiger Sommerroman.
Im Inneren trifft man auf ein durchgehend stimmiges Layout. Das Farbschema ist perfekt aufeinander abgestimmt, die Typografie ist leserlich in den langen Texten und stilvoll in den Überschriften. Und die Fotos sehen aus, als hätte man ein kulinarisches Remake von „Call Me by Your Name“ gedreht.
Die Rezepte schwanken von einfachen Small Plates bis zu mittelmäßig anspruchsvollen Sonntagsgerichten, und selbst Italien-Kenner finden immer wieder interessant abgewandelte Klassiker. Zu jedem Gericht gibt es eine Einführung mit einer persönlichen Geschichte über Letitia Clarks sardische Familie und Heimat.
Man kann der Autorin eigentlich nur eines vorwerfen: wie unfassbar neidisch man auf ihr Leben wird, wenn man dieses Buch liest.
Sie sind klar aufgebaut, zuverlässig nachkochbar und teils mit Alternativen für typisch sardische Zutaten wie Bottarga versehen. Wunderschöne, atmosphärische Bilder und hochwertige Food-Fotografie fangen die Stimmung perfekt ein. Besonders hervorzuheben sind die edle Gestaltung mit goldgeprägtem Leineneinband und liebevollen grafischen Details – ein Werk, das nicht nur überzeugt, sondern berührt und in keiner italienischen Kochbuchsammlung fehlen sollte.
Moroseta
Moderne Landhausküche aus Apulien - Rezepte & Geschichten - GAD SILBER Medaille 2025
Autor/-in: Giorgia Eugenia GoggiVerlag: ars vivendi
Mit Informationen zu den besten saisonalen Produkten und deren KombinationsmöglichkeitenGegliedert nach JahreszeitenMit eindrucksvollen Bildern rund um die Masseria Moroseta
Giorgia Eugenia Goggi steht für eine innovative, saisonale, italienische Küche.So … [weiterlesen]
Preis: € 36,00
Begründung der Jury:
Welches Modehaus auch immer sie rausgeekelt hat – ewiger Dank sei ihm zuteil. Denn sonst würden wir heute nicht ein so ästhetisches Kochbuch in den Händen halten.
Auffällig ist direkt die Fotografie, die sich traut, die Gerichte auch mal sehr klein abzubilden und ihnen so optisch Luft zum Atmen gibt.
Die Rezepte sind italienisch mit einem Hauch internationaler Fusion – gerade so viel, dass es nicht heimatlos wirkt, aber genug, um es auch für Kenner der italienischen Küche interessant zu machen. Und die zahlreichen Flavour-Pairing-Seiten machen einen zu einem besseren Koch, selbst wenn man kein einziges Gericht nachkochen würde.
Bleibt nur eine Frage offen: Welche Branche ist so schlimm, dass man von ihr in die Modebranche wechseln würde?
Die Rezepte sind präzise gearbeitet und teilweise anspruchsvoll in Technik und Ausstattung; eine gewisse Kocherfahrung ist daher von Vorteil. Einige Zutaten wie beispielsweise Amberjack, italienische Fischsauce oder Carobpulver sind nicht ohne Weiteres erhältlich, was die Praxisnähe zusätzlich schmälert.
Optisch besticht das Buch durch hochwertige Ausstattung sowie eine künstlerische, fast museale Bildsprache und Gestaltung. Die edel-elegant angelegte Präsentation der Speisen beeindruckt in Stil und Anspruch, schafft zugleich aber auch eine gewisse emotionale Distanz – ein stilles, stilvolles Werk für Ästheten.
In Pizza we crust
Die Welt is(s)t eine Scheibe
Autor/-in: Hubertus TzschirnerVerlag: Callwey
Pizza ist weit mehr als ein schnelles Lieblingsgericht! Pizza ist Leidenschaft, Lebensgefühl und ja – eine Kunst für sich.
In Pizza we crust! zeigt, wie sich Tradition und Innovation verbinden, um die perfekte Pizza zu kreieren. Von klassischen Teigen … [weiterlesen]
Preis: € 45,00
Begründung der Jury:
Die wissenschaftliche Genauigkeit und Tiefe trifft dabei auf spürbare Begeisterung und Verständlichkeit. Auch haptisch und gestalterisch ist das Buch sehr außergewöhnlich, mit herausragender Food-Fotografie.
Für alle, die Pizza wirklich verstehen und perfektionieren wollen, ist dieses Buch ein Schatz. Für den Alltag ist es jedoch zu komplex: Ich klappe es zu mit Staunen, Bewunderung – und dem Gedanken: So müsste Pizza eigentlich sein, aber bitte jemand anders soll backen.
Nicht nur vom Format und Gewicht erschlägt einen diese Pizzabibel etwas, sondern auch inhaltlich. Und das ist keineswegs nur negativ gemeint. Deep Dives in internationale Varianten, Hydration, Gärung, Käseschmelzverhalten und molekularwissenschaftliche Kapitel machen klar, dass dieses Kochbuch ein vollkommenes Werk über ein ikonisches Gericht sein will.
Und das schafft es durchaus. Abzüge gibt es deshalb vor allem in der B-Note: Die Texte sind oft unterhaltsam, manchmal aber auch etwas wirr. Die Textgestaltung und vor allem die Textmenge führen gelegentlich zu unruhigen Seiten. Und die Fotografie ist ansehnlich und professionell, allerdings manchmal wegen mangelnder Perspektiven etwas repetitiv.
Splendido. Primavera/Estate
Italienische Küche für Frühling und Sommer
Autor/-in: Juri Gottschall • Mercedes LauensteinVerlag: DuMont Buchverlag
Traditionelle Spezialitäten spielen zu bestimmten Anlässen eine große Rolle in Italien. Mit Mönchsbart, Artischocke und Favabohne wird der Frühling eingeläutet. Zur Festa della Donna am 8. März darf die Torta Mimosa nicht fehlen, zu San Giuseppe … [weiterlesen]
Preis: € 32,00
Begründung der Jury:
Dass sie seit jeher und auch in diesen zwei Büchern das Bild eines Italiens zeigen, das ganz anders ist: ziemlich fertig und gleichzeitig unfertig. Ein Italien wie ein kaputter Plastikstuhl an einem schönen Adriastrand. Mit Rezepten, die glaubwürdig sind und trotz ihrer Einfachheit überraschen. Von Italienern statt für Italienurlauber.
Vielleicht ist es deshalb auch eigentlich gut, dass das Buch recht schlicht gestaltet ist. Man muss ja die Stereotypen aus dem Kopf herausbekommen, da hilft viel weißes Blatt Papier.
Dennoch hätte ich mir hier mehr gestalterische Spielfreude gewünscht.
Für das Kochbuch eines Magazins ist es mir einen Hauch zu viel Rezeptsammlung – wenn auch eine sehr gelungene.
Die Idee, sich vom starren Rezeptkorsett zu lösen, ist für Geübte inspirierend und eröffnet viel Kreativität und Freiheit. Die puristische, helle Bildsprache, die klare Struktur und das durchdachte Register gefallen mir außerordentlich gut. Auch die Rezepte sprechen mich an: Viele in ihrer Schlichtheit typisch italienische Gerichte, ergänzt durch kluge Kombinationen – eine starke Inspirationsquelle.
Gleichzeitig bleibt das „Mengenfrei“-Prinzip uneinheitlich. Immer wieder finden sich präzise, im sehr kleinen Fließtext versteckte Gramm-Angaben, etwa bei Teigen oder Cremes, während sie bei anderen vergleichbaren Rezepten vollständig fehlen. Diese Unterschiede irritieren mich.
Wenn Mengenangaben nötig sind, sollten sie klar in der Zutatenliste erscheinen und nicht im Fließtext aus Gründen der puristischen Optik.
Stellenweise wirkt die Tonlage ungewohnt überhöht, etwa wenn das Timballo di Anelli über „deutsche Nudelaufläufe mit zerkochter Pasta, Billig-Schinken und Billig-Gouda“ eingeführt wird – Formulierungen, die eher an drastische Abgrenzung erinnern als an die sonst propagierte Leichtigkeit.
Die Splendido-Philosophie spricht mich an, auch wenn die Umsetzung nicht vollständig meinen eigenen Zugang trifft.
Il mondo della Pasta
Die ganze Welt der italienischen Pastaformen, ihre Saucen und Rezepte
Autor/-in: Domenico GentileVerlag: ZS - ein Verlag der Edel Verlagsgruppe
Die ganze Vielfalt der italienischen PastakulturNirgendwo sonst wir die Pasta so vielfältig geformt, gefeiert und serviert wie in Italien. In Il mondo della Pasta nimmt Domenico Gentile uns mit auf eine außergewöhnliche kulinarische Reise zu den wichtigsten … [weiterlesen]
Preis: € 34,00
Begründung der Jury:
Die Struktur ist klar, die Rezepttexte sind präzise formuliert, und die reiche Bebilderung erleichtert sowohl das Nachkochen als auch die Herstellung frischer Pasta.
Inhaltlich bietet das Werk solide Handwerkskunst und regionale Tiefe, bleibt jedoch ohne echten Überraschungsmoment.
Ansprache und Gestaltung sind sachlich und funktional, was es zu einem fundierten Nachschlagewerk macht – weniger aber zu einer Quelle spontaner Inspiration. Handwerklich stark und fachlich verlässlich: ein kompetentes Standardwerk für Freunde der italienischen Pastaküche.
Wer so etwas antwortet, weil er denkt, dass „Nudeln machen“ einfach nur Wasser kochen und Sauce aufwärmen ist, sollte dringend mal dieses Buch in die Hand nehmen.
Domenico Gentile gibt nicht nur einen tiefen Einblick in das italienische Essen schlechthin, mitsamt ausreichender Warenkunde und Geschichte, er gibt auch einen tiefen Einblick in die italienische Seele. In dem schönen, wenn auch nicht außergewöhnlich gestalteten Kochbuch finden sich immer wieder kurze, persönliche Porträts von Köchinnen und Köchen und ihren jeweiligen Regionen Italiens.
Manche Rezepturen dürften vielen bereits bekannt sein, bei anderen geht er mit verschiedenen Varianten gut ins Detail. Für mich ein ideales Buch, um Freunde so langsam mal aus der Welt des Fertigpestos herauszuführen.


