Lugma
Rezepte und Geschichten aus dem Nahen Osten
Autor/-in: Murad NoorVerlag: ars vivendi
Traditionelle und moderne Küche aus Bahrain und dem Nahen OstenLugma bedeutet auf Arabisch »ein Bissen«. Für Noor Murad, ehemalige Chefköchinund Mitautorin von zwei Ottolenghi Test Kitchen-Kochbüchern, dreht sich alles um das Erforschen von Aromen … [weiterlesen]
Preis: € 34,00
Begründung der Jury:
Als dann „Lugma“ vor mir lag, zweifelte ich kurz, ob meine hohen Erwartungen überhaupt erfüllbar sein würden. Die Befürchtung war nach den ersten paar Seiten verflogen.
An dem Buch holt mich alles ab: die kurzweiligen, oft berührenden und immer Hunger machenden Texte zu den Rezepten und zu Murads ursprünglicher Heimat Bahrain; die Art, wie die Gerichte in Szene gesetzt wurden; die persönlichen Einblicke der Köchin in ihre kulinarische Welt; und natürlich die Fülle an Speisen, von denen ich noch nie etwas gehört habe und die ich unbedingt kosten möchte.
Die Arbeitsschritte sind – die Schule des Ex-Chefs lässt grüßen – sehr detailliert beschrieben, die Zutatenlisten in den meisten Fällen ebenfalls à la Ottolenghi auf der längeren Seite. Wer genauer hinschaut, sieht, dass dies meist an der Vielzahl von Gewürzen und an den präzisen Angaben zu den einzelnen Lebensmitteln liegt.
Das Anliegen der Autorin ist es, den „Reichtum und die Vielfalt der arabischen Welt aufzuzeigen“. Außerdem geht es um Geschichten – das wird bereits im Titel angekündigt und gefällt mir sehr gut, denn die Autorin findet eine stimmige Balance zwischen kurzen Rezepteinführungen und längeren, persönlichen Erzählungen.
Am besten besorgt man sich mit dem Buch direkt einige getrocknete Limetten, und auch sonst ist ein gut bestückter Gewürzschrank von Vorteil. Kräuter sollte man besser in großen Mengen kaufen und mehr als eigenständige Zutat denn als Würzkraut verstehen – aber genau das macht so viel Spaß an Noor Murads Buch: Es wird aus dem Vollen geschöpft, es sind Rezepte für die Seele. Und so innovativ: Ins Mutabal kommt Blumenkohl statt Aubergine, und den gerösteten Blumenkohl serviert sie mit warmer Joghurtsauce, die mit einem Hauch Parmesan verfeinert wird. Beides ist sensationell.
Der Kräuterreis mit Hackbällchen und Kohlrabi-Pistazien-Salat schmeckt umwerfend: Er bekommt sein aromatisches Aroma durch Estragon, Schnittlauch, Basilikum und Dill; der Kohlrabisalat mit den Pistazien passt perfekt dazu; die Lammhackbällchen werden fein mit Zimt, Kreuzkümmel und Kurkuma abgeschmeckt, und am Tisch entsteht Streit um die knusprige Thadig.
Die Autorin beschreibt die Rezepte penibel genau (50 Umdrehungen Pfeffer; Salz wird grundsätzlich in TL angegeben) und überlässt das Ergebnis nicht dem Zufall oder der Kochfähigkeit ihrer Leser. Das mag perfektionistisch klingen, aber Noor Murad bleibt dabei immer sympathisch und nahbar, sodass man sich wie von einer guten Freundin begleitet fühlt.
Bei mir geht dieses Prinzip sehr gut auf: Ich befolge die Tipps zur Vorbereitung, kombiniere verschiedene Gerichte, die sich problemlos parallel zubereiten lassen; alles ist auf den Punkt gewürzt, und die Küche ist ordentlich, bevor das Essen fertig ist. Wer noch mehr Inspiration für die Umsetzung braucht, findet eine Seite mit Menüvorschlägen und einer Einteilung in Alltags- und Wochenendgerichte. Ich bin begeistert und werde das Buch noch lange nicht zur Seite legen.
Schon äußerlich begeistert das Buch: Der edle Einband mit feiner Metallfolienprägung ist ein echter Blickfang. Innen erwartet die Lesenden eine harmonische Mischung aus Rezepten, Erinnerungen, Anekdoten und Hintergrundgeschichten – ein Buch, das lebendig und persönlich wirkt.
Murad beschreibt ihre Zutaten so, dass man die Düfte förmlich riechen kann. Klassisches trifft auf Modernes, Tradition auf kreative Neuinterpretation. Neben Fleischgerichten finden sich zahlreiche vegetarische Optionen, meist zum Teilen gedacht – ganz im Sinne der Levante-Küche.
Dass Falafel, Shakshuka, Shawarma und Hummus fehlen, ist bewusst gewählt und enttäuscht keineswegs – im Gegenteil: Die Entdeckung neuer Aromen macht den Reiz aus.
Viele Rezepte erfordern ein gut sortiertes Gewürzregal oder einen Besuch im Orient-Supermarkt (schwarze Limetten sind Pflicht), und einige haben längere Zutatenlisten. Für schnelle Alltagsküche ist das Buch nicht immer geeignet – doch wer Freude am Entdecken und Genießen hat, wird es lieben.
Ein kleiner Abzug: die sehr kleine, feine Schrift.
Das Buch hätte nahezu die volle Punktzahl verdient, doch leider hat der Verlag den Text so klein gedruckt, dass das Lesen für mich zu einer Herausforderung wird. Lassen Sie sich bitte nicht davon abschrecken – Sie verpassen sonst eine außergewöhnliche Küche.
PS: Es sind 33 Inseln.
Viele Gerichte waren für mich völlig neu – etwa geschlagener Hähnchenreis, Dattelpickel oder Garnelenklöße in Tamarinden-Tomatenbrühe. Schwarze Limetten ziehen sich als aromatische Konstante durch das gesamte Buch. Wer Reis liebt, findet ein eigenes Kapitel voller spannender Ideen, und die Desserts überraschen mit kreativen arabischen Neuinterpretationen wie dem Labneh-Loomi-Flan.
Eine große, vielfältige Sammlung, die mir einen frischen, inspirierenden Einblick in die Küche des Nahen Ostens vermittelt hat.
Boustany
Vegane und vegetarische Rezepte aus Palästina. 120 köstliche palästinensische Gerichte von Bestseller-Autor Sami Tamimi
Autor/-in: Sami TamimiVerlag: DK Verlag Dorling Kindersley
Boustany – Ein Fest der palästinensischen Küche• Das neue Kochbuch von Sami Tamimi – Spitzenkoch & Co-Autor der Bestseller „Palästina“, „Jerusalem“ und „Ottolenghi - Das Kochbuch“• 120 vegetarische & vegane Rezepte aus Palästina• … [weiterlesen]
Preis: € 34,95
Begründung der Jury:
Wenn etwas den Ablauf immer wieder durcheinanderbringt, weil ich gedanklich in die Küche wandere und loskochen möchte, dann weiß ich: Das Buch ist zumindest in Sachen Rezepte ein Bringer.
So geschehen bei „Boustany“, bei dem mir die bereitliegenden Post-its ausgegangen sind. Schuld waren so alltagstaugliche Rezepte wie Brokkoli-Labneh-Dip mit Knoblauch oder Süßkartoffel-Kubbeh mit Chilisalsa.
Die begleitenden Texte geben zudem interessante Einblicke in Palästinas kulinarische Welt der Vergangenheit und Gegenwart.
„Boustany“, arabisch für mein Garten, ist eine liebevolle Würdigung der pflanzlichen palästinensischen Küche – ihrer Aromen, Erinnerungen und ihres kulturellen Reichtums. Schon das sattgrüne Cover mit Illustrationen von Oliven, Granatäpfeln und Kräutern stimmt auf das Thema ein. Auch in den Texten wird deutlich, dass Essen für Tamimi weit mehr ist als Nahrungsaufnahme: Es ist Erinnerung, Zugehörigkeit und emotionales Erbe.
Die über 100 Rezepte sind kreativ, aromatisch und zugleich alltagstauglich. Eine üppige Mezze-Tafel ließ sich damit mühelos bestücken – und hat ausnahmslos alle Gäste begeistert. Man benötigt lediglich gute Grundzutaten, einen orientalischen Supermarkt und unverzichtbare Begleiter wie Olivenöl, Za’atar und Granatapfel.
Die farbintensiven, klaren Fotografien setzen die Gerichte perfekt in Szene – die gesamte Gestaltung ist ganz nach meinem Geschmack.
Boustany ist für mich ein Kochbuch, das gleichermaßen inspiriert wie berührt – eine Verbindung aus Wurzeln, Geschmack und Emotion.
Das Layout ist wohltuend klar und übersichtlich: Die Rezepte kommen großformatig jeweils auf einer Seite daher, kombiniert mit mindestens einem wunderschönen, appetitlichen, ganzseitigen Foto des Gerichts.
Zu jedem Rezept gibt es eine Einleitung mit Informationen, beispielsweise zu bestimmten verwendeten Zutaten, leckeren Kombinationen mit weiteren Rezepten oder dem kulturellen Hintergrund der Gerichte. Darauf bezieht sich der Autor, wenn er sich wünscht, der Leser möge die Gerichte „ausprobieren, die Geschichten dahinter lesen und mehr über Palästina erfahren“, wie er auf dem Buchrücken schreibt. Es ist kein Storytelling – Sami Tamimi geht es tatsächlich um die Rezepte und deren kulturelle Bedeutung oder um seine moderne Interpretation. Dabei bleibt er auf angenehme Art sachlich.
Die Rezepte sind präzise beschrieben, die Salzmenge z.B. immer exakt angegeben. Es gibt viele alltagstaugliche Gerichte, und es wird auch ganz pragmatisch Tiefkühlspinat verwendet. Ein Großteil der Rezepte lässt sich gut noch nach Feierabend kochen, und Sami Tamimi hat auch den ein oder anderen Tipp parat, wie sich Rezepte noch besser vorbereiten lassen. Es gibt aber auch ein Kapitel mit aufwändigeren Gerichten „für Gäste & Feste“.
Besonders im ersten Kapitel „Vorratskammer“, in dem das Konservieren unterschiedlichster Lebensmittel vorgestellt wird, bekommt der Leser viele Kombinationen mit weiteren Rezepten aus dem Buch vorgeschlagen. Das ist sehr praxisorientiert, und man weiß sofort, dass sich der Aufwand nicht nur für ein einzelnes Rezept lohnt. Zwar hätte ich mich auch über eine zusätzliche Seite mit Menüvorschlägen des Autors gefreut, jedoch habe ich beim Nachkochen und Kombinieren der Rezepte festgestellt, dass die Gerichte allesamt sehr gut miteinander harmonieren – z.B. schmeckt ein Löffel des Kohlrabi-Fenchel-Salats sehr gut in der Mais-Bohnen-Suppe mit Weißkohl.
Saisonbedingt hätte ich mich noch über ein Kürbisrezept gefreut und dafür vielleicht sogar auf das ein oder andere Brot- oder Süßspeisenrezept verzichtet – wobei auch hier sehr interessante und vielfältige Rezepte enthalten sind.
Eventuell irritieren diese Kapitel in einem Buch, das übersetzt „mein Garten“ heißt, zunächst. Aber Sami Tamimi geht es um mehr als eine reine Gemüseküche: Er steigt tief in die kulinarische Kultur Palästinas ein, und dazu gehören untrennbar Brot und Gebäck. Ein tolles, alltagstaugliches Buch mit vegetarischen und veganen Rezepten für jeden Anlass.
Was dieses Buch besonders auszeichnet, sind die außergewöhnlich klar formulierten Zubereitungsschritte. Viele hilfreiche Tipps zeigen, wie sich unterschiedliche Komponenten ideal miteinander kombinieren lassen. So überrascht das Suppenkapitel mit einer ungewöhnlichen, kalten Taboulé-Suppe, während bei den Broten die Zwiebelschnecken mit Bockshornklee herausstechen.
Das Dessertkapitel beeindruckt durch Vielfalt – von Milchreis mit Tahini über Halva-Brownies bis hin zu erfrischendem Granatapfeleis. Fast alle Rezepte werden von lebendigen, authentischen Fotos begleitet, die Lust aufs Nachkochen machen.
Besonders bereichernd sind die Einblicke in die palästinensische Esskultur – ein Buch, das sowohl kulinarisch als auch kulturell überzeugt.
Ein Fest für Gemüse
Orientalisch vegetarisch
Autor/-in: Parvin RazaviVerlag: Brandstätter Verlag
Parvin Razavi feiert Gemüse! Kein anderes Lebensmittel lässt sich schließlich vielfältiger zubereiten und uns die Jahreszeiten so unmittelbar auskosten. In ihrem neuen Kochbuch zeigt die Spitzenköchin mit persischen Wurzeln, wie unkompliziert und … [weiterlesen]
Preis: € 36,00
Begründung der Jury:
Im Inneren geht es stimmig weiter: zeitgemäße, pointierte Bildsprache mit imposanten Farben, zwei praktische Registervarianten (nach Rezepten und nach Zutaten) und unzählige Tipps von Parvin Razavi, wie man Zutaten ersetzen, Rezepte weiterentwickeln und Gerichte kombinieren kann.
Die meisten Rezepte – von Sellerie-Katsu mit eingelegten Radieschen bis zu Safranfenchel mit Lauch – kommen mit angenehmen sechs bis zehn Zutaten aus. Weiteres Plus: Der Kauf ungewöhnlicherer Zutaten (z. B. Gochujang) bzw. die Zubereitung speziellerer Basisrezepte (etwa Shatta oder Dukkah) zahlt sich aus, weil sie wiederkehrend zum Einsatz kommen.
Ein Buch, das ich als Flexitarierin sicher öfter zur Hand nehmen werde – und das auch für Fleischfans Sinn macht, weil die Gerichte durchgängig als Beilage funktionieren.
Der Untertitel „orientalisch vegetarisch“ ist allerdings nicht ganz passend, da Zutaten wie Miso, Gochujang, Ricotta, Burrata, Parmesan oder Shiso nicht klassisch orientalisch sind. Dennoch gelingt Razavi ein wunderbarer Spagat zwischen orientalischen und asiatischen Aromen.
Für sie ist Gemüse nicht Beilage, sondern Hauptdarsteller – oder Bühne für Fleisch und Fisch. Sortenweise gegliedert, bietet das Buch eine Fülle an Inspirationen für die moderne Gemüseküche.
Die Rezepte sind zum Teilen gedacht und funktionieren lauwarm oder kalt – ideal für entspanntes Kochen mit Familie und Freundinnen. Teller in die Mitte, alle greifen zu – Gastgeberinnen stehen nicht mehr ständig in der Küche.
Geschmacklich ist vieles fein austariert und aromatisch; manchmal hätte ich mir ein winziges „µ“ mehr Würze gewünscht, etwa beim Auberginen-Tartar. Kritik auf hohem Niveau.
Gestaltung und Layout gefallen mir sehr, das Cover ist zauberhaft.
In einem orientalisch geprägten Kochbuch überraschen zunächst die vielen asiatischen Einflüsse mit Miso, Mirin und Gochujang – bereichern das Buch aber deutlich. Zu den Highlights zählen für mich Burrata mit aufgeriebenen Tomaten und Heidelbeeren, Auberginen-Tartar sowie Mohnkarotten auf Selleriepüree. Die ansprechende Fotografie mit kräftigen Farben unterstreicht die moderne, frische Ausrichtung der Rezepte.
Wer gerne mehrere unkomplizierte Gerichte für Gäste zubereitet, findet hier reichlich Inspiration und viele neue Kombinationen.
Die Autorin denkt vom einzelnen Gemüse her und entwickelt daraufhin ihre Gerichte – häufig wird geröstet und auf etwas Cremigem wie Labneh, Hummus oder Püree serviert oder in Essig mariniert. Die Rezepturen sind kurz und unkompliziert – es ist ein Buch für Marktgänger und Biokisteninhaber, die sich vom Gemüse inspirieren lassen und dann unkomplizierte Rezepte im Buch finden, für die man in der Regel die weiteren Zutaten zu Hause hat.
Die Rezepte sind für zwei bis drei Personen und zum Kombinieren gedacht. Ich habe Ofenkohlrabi mit getrockneten Tomaten, Brokkoli-Baum mit Misobutter, Feta-Whip und die Polenta mit Champignons und Radieschen-Pickles kombiniert. Alles war unkompliziert zuzubereiten und lecker. Auch die Mohn-Karotten, die auf buttrigem Selleriepüree serviert werden, sind köstlich – geschmacklich hat es mich nun nicht unbedingt an „orientalische“ Küche erinnert. Ein Blick ins Vorwort der Autorin bringt Aufklärung: Ihre Küche kenne geschmacklich keine Grenzen; sie bedient sich gerne an den Aromen der orientalischen und asiatischen Küche. Vor diesem Hintergrund wundert die Verwendung von asiatischen Zutaten wie Mirin, Gochujang oder Zitronengras nicht mehr, und wer sich darauf einlässt, wird mit wunderbar vielfältigen Gemüsegerichten belohnt.
Abrahams Küche
Neue Esskultur und Rezepte aus Israel und Palästina
Autor/-in: David HalivaVerlag: Die Gestalten Verlag
Dieses Buch ist eine kulinarische Reise durch das gelobte Land: von lokalen Märkten und arabischen Traditionen hin zur nomadischen Küche der Wüstenregion und den hippen Restaurants in Tel Aviv.
Die israelisch-palästinensische Küche verfügt über … [weiterlesen]
Preis: € 45,00
Begründung der Jury:
Was für eine Menge an Texten und Bildern! Eine zusätzliche Korrektur- und Lektorat-Runde in Sachen Beistriche, Wortwiederholungen und Ähnlichem wäre aber gerade bei dieser Masse an Content kein Fehler gewesen.
Vor allem bei den Rezept-Zusatztexten hatte ich immer wieder das Gefühl, es gab eine Zeichenvorgabe, die – komme, was wolle – erfüllt werden musste. Mich hätte außerdem interessiert, von welchen Restaurants oder Menschen die Rezepte inspiriert sind – vor allem so unvermutete wie Sashimi mit pinker Grapefruit oder asiatische Teigtaschen.
Mein Highlight: die stimmungsvollen Bilder und informativen Texte zu den einzelnen Regionen.
Beide Rezepte benötigen zwar eine längere Garzeit als angegeben, sind aber auf den Punkt abgeschmeckt und kommen in mein Standardrepertoire. Die Süßspeisen erfreuen mit moderaten Zuckermengen; die Baklava bekommt eine leckere Dattel-Mandelfüllung und ansonsten nur sehr wenig vom obligatorischen Zuckersirup. Was mich fast überrascht: Es werden eher wenige Gewürze verwendet; insgesamt gibt es nur fünf Rezepte mit Kreuzkümmel und drei mit Koriander. Beim Nachkochen merke ich jedoch: Jedes der ausprobierten Rezeptes ist fein abgestimmt, kräuter-würzig und aromatisch.
Es kommt aber natürlich sehr auf die Qualität der verwendeten – wenigen – Zutaten an. Das Kräuteromelette schmeckt ohne Gewürz-Overload herrlich leicht zum Frühstück und kam bereits mehrmals auf den Tisch. Auch der warme Spinatsalat mit Joghurtsauce, bei dem der Spinat in Knoblauchbutter kurz zusammenfällt, ist sehr lecker. Lediglich beim gerösteten Blumenkohl mit Kichererbsen und Tahinsauce, einem Klassiker der palästinensischen Küche, fehlt es mir etwas an Würze. Auch auf dem Foto ist ein Gewürz zu sehen, das im Rezept nicht vorkommt.
Ab und an fallen auch kleinere Unstimmigkeiten auf, hier in der Übersetzung: rohes Tahin – hier ist wohl pures gemeint, im Gegensatz zum häufig verwendeten angemachten Tahin, denn dieses wird im Rezept erst hergestellt. Mal werden Frühlingszwiebeln, dann „Grüne Zwiebeln“ verlangt. Im Rezept „Mit Reis und Fleisch gefüllte Zwiebeln“ fehlt der Reis in der Zutatenliste; das Rezept lässt sich im Register auch kaum finden. Die Portionsgrößen sind zumindest bei den Gemüsegerichten eher dafür gedacht, mehrere Gerichte im Sinne einer Mezze-Tafel zu kombinieren.
Ideen für solche Kombinationen fehlen leider, aber innerhalb der jeweiligen Kapitel bzw. Länderregion kann man sich gut selbst orientieren. Den Anspruch, jede Region „kulturell und kulinarisch in ihren jeweiligen Kontext“ einzuordnen, erfüllt das Buch meiner Meinung nach voll und ganz. Es eignet sich hervorragend für Einsteiger, durch die vielen kultur-historisch-kulinarischen Hintergrundinformationen aber auch bestens für Kenner der nahöstlichen Küche.
Der Untertitel „Neue Rezepte aus Israel und Palästina“ führt etwas in die Irre, schmälert den Wert dieses ästhetisch sehr ansprechenden Kochbuchs jedoch nur geringfügig. Der neue Leineneinband mit goldenem Prägedruck wirkt edel und hochwertig – ein Blickfang. Als bekennender Lesebändchen-Fan hätte ich mir allerdings ein oder zwei davon gewünscht.
Die warm fotografierten Rezepte sowie die Reportagen über Landschaften, Märkte, Restaurants und Produzent*innen sind atmosphärisch und eindrucksvoll. Die kulinarische Reise führt von Nord nach Süd durch Israel – allerdings streife ich Palästina nur in Jerusalem; Gaza und das Westjordanland fehlen, was bei diesem Titel überrascht.
Die Rezepte selbst sind gut strukturiert und nachvollziehbar, bunt und vielfältig – geeignet für alle, die die nahöstliche Küche lieben, ob vegetarisch oder nicht. Die Einteilung in Schwierigkeitsgrade gefällt mir sehr. Auch das Einkaufen ist unkompliziert: Die meisten Zutaten gibt es in gut sortierten Supermärkten.
Ein rundum gelungenes Buch mit minimalen Schwächen.
Die Auswahl der Gerichte hebt sich von den üblichen Rezepten orientalischer Kochbücher ab – Hummus sucht man beispielsweise vergeblich. Gewürzt wird insgesamt weniger aufregend, etwa bei der Salzmantel-Süßkartoffel mit Joghurt. Viele mediterrane Fisch-, Meeresfrüchte- und Salatrezepte sind eher schlicht gehalten.
Deutlich schwankender fällt die Qualität der Backrezepte aus: Frische Hefe wird mal in Teelöffeln, mal in sinnvollen, mal in völlig überhöhten Grammangaben aufgeführt. Eine Tarte Tatin (S. 83) benötigt sicher keine 1 kg Blätterteig, und auch die in 1 Liter Weißwein pochierten 12 Birnenhälften für nur zwei Personen (S. 80) wirken wenig plausibel.
Trotz der variierenden Rezeptqualität und mancher sehr einfachen Gerichte bietet das hochwertig ausgestattete Buch dennoch etliche Rezepte, die man gerne nachkochen möchte.
Habibi
80 Rezepte aus dem Maghreb
Autor/-in: Mehdiya KerairiaVerlag: Knesebeck
Ein Fest der Sinne aus Algerien, Marokko und Tunesien – für alle, die das Besondere lieben
Duftender Safranreis, sämige Harira, frisch gebackenes Khobz und süßer Dattelkuchen – Habibi ist eine Liebeserklärung an die orientalische Küche. … [weiterlesen]
Preis: € 36,00
Begründung der Jury:
Man hat allerdings die große Chance ausgelassen, dem Buch Persönlichkeit und damit Einzigartigkeit zu verleihen. „Habibi“ verspricht Rezepte der Familie der Autorin. Im Intro schreibt Mehdiya Kerairia, sie könne stundenlang von den algerischen Köstlichkeiten ihrer Kindheit erzählen – genau das lässt sie aber aus. Die Rezepte wären für kleine persönliche Anekdoten prädestiniert gewesen und hätten davon charmetechnisch sicher profitiert.
Mich hätte zudem – bei der Art, wie das Kochbuch angeteasert wird – interessiert, wer die Autorin eigentlich ist; das musste ich mir als interessierte Leserin erst ergoogeln.
Das Kochbuch animiert zum Aufschlagen und Loskochen, und genau darauf sind auch die Rezepte ausgelegt: Ohne viel Schnickschnack, aber trotzdem traditionell stimmig gewürzt, nimmt die Autorin auch Anfänger direkt mit in ihre Welt der orientalischen Rezepte. Das gelingt eben auch durch die wenigen, aber authentischen Grundrezepte zu Beginn des Buches, wie der lecker abgestimmten Ras-El-Hanout-Gewürzmischung, Harissa, dem Zitronenöl oder der Chermoula. Auch Fortgeschrittene werden fündig; die Rezepte sind zwar einfach, aber authentisch und sehr lecker.
Die Zutaten sind leicht erhältlich, und auch die verwendeten Fisch- und Fleischstücke sind nicht ungewöhnlich, sondern einfach zu besorgen. Zu Spezialitäten wie etwa Brickteig liefert die Autorin Alternativvorschläge. Es kommt auch mal ganz undogmatisch Fertigpizzateig und Emmentaler zum Einsatz. Diese lockere Herangehensweise macht es zum idealen Alltags- und Einsteigerkochbuch. Die Rezepte kommen mit Zeitangaben daher und lassen sich so auch gut noch nach Feierabend zubereiten.
Besonders gut haben mir die Chermoula und die Ras-El-Hanout-Mischung gefallen sowie die beiden Zubereitungen für Couscous: traditionell mindestens drei Mal gedämpft oder modern und schnell. Der Hinweis, Gewürze zur Intensivierung zu rösten, kommt erst am Ende des Buches; davon profitiert das Ras El-Hanout aber enorm. Leider gibt es nur wenige vegetarische Gerichte im Buch; der Couscous mit gedämpftem Gemüse und Eiern ist eines davon und sehr lecker und schnell auf dem Tisch – ein perfektes Rezept zur Gemüseverwertung und für die Familienküche.
Der Rote-Bete-Salat wird mit Kräutern und Orangenabrieb fein abgerundet. Besonders gut haben mir die Sardinen-Rillettes gefallen, die mit Harissa abgeschmeckt werden. Auch der tunesische Couscous mit Lachs ist ein leckeres Alltagsgericht, das – noch etwas kräftiger abgeschmeckt – sicher öfter nach Feierabend auf den Tisch kommt. Für mich ist „Habibi“ ein toller Einstieg in die nordafrikanische Küche und absolut feierabend- und familientauglich.
Kerairia zeigt, dass orientalisches Kochen weder kompliziert noch exotisch sein muss. Zutaten wie Ras el-Hanout, Harissa oder Rosenwasser sind heute leicht erhältlich. Die Rezepte sind klar erklärt, übersichtlich aufgebaut und bebildert. Besonders hilfreich sind die Schritt-für-Schritt-Fotos für die verschiedenen Teigtaschen. Vor- und Zubereitungszeiten erleichtern die Planung zusätzlich.
Einige Zutatenlisten irritieren jedoch: 50 Gramm Erbsen für vier Personen in der Hähnchen-Tajine, vier Halme Schnittlauch für 450 Gramm Sardinen-Rillette oder 50 Gramm getrocknete Kichererbsen in einer Grießsuppe mit zwei Litern Wasser lassen stutzen – und verlangen nach Eigeninitiative.
Trotz kleiner Schwächen überzeugt Habibi durch eine farbenfrohe Gestaltung, ansprechende Fotos und ein stimmungsvolles Gesamtbild.
Die Foodfotografie wirkt appetitlich, die Locationfotos hingegen sind erkennbar zugekauft. Der Rezeptaufbau überzeugt mich weniger: Die Zutaten stehen gequetscht neben dem Titel und mindern die Übersichtlichkeit. Inhaltlich bewegen sich viele Rezepte im alltagstauglichen Bereich und greifen sogar zu Brühwürfeln oder fertigem Pizzateig – während gleichzeitig vorausgesetzt wird, dass man ein Hähnchen zerlegen oder Sardinen filetieren kann. Diese Mischung wirkt stellenweise widersprüchlich.
Positiv hervorzuheben sind die große Vielfalt an süßem, arabischem Gebäck und die Aufstriche – etwa Dattelkaramell oder Melonenkonfitüre –, die das Buch deutlich bereichern.
Für Fleischesser*innen mit Interesse an der algerischen Küche ist das Buch trotz seiner Schwächen empfehlenswert.


