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Die besten Kochbücher für deutsche Küche

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Stemberg
Der Deutsche Kochbuchpreis - GOLD

Ø 8.5

Stemberg

Das Kochbuch - Tradition trifft Moderne. Über 80 Rezepte aus der deutschen Küche von Sternekoch Sascha Stemberg (Velbert)

Autor/-in: Verlag: DK Verlag Dorling Kindersley

Deutsche Küche und exquisite Kreationen an einem Herd• Authentisch und bodenständig: Sascha Stembergs Sterneküche für zu Hause• Selbstbewusste deutsche Küche: Sascha Stemberg ist leidenschaftlicher Gastronom, Kolumnist und Mitglied der Jeunes … [weiterlesen]

Begründung der Jury:

Als Sternekoch zur Graupensuppe die „Maggi“-Flasche auf den Tisch des Gastes zu stellen – diese Chuzpe muss man erst mal haben! Schade, dass es die nicht am Ende ins Buch geschafft hat; also die „Maggi“-Flasche! „Stemmis Graupensuppe mit gebratener Mettwurst“ ist natürlich vorhanden.
Das Reservierungsbuch des Restaurants ist voll, und dieses Buch mit seinen rund 80 weiteren verdammt leckeren Gerichten zeigt, warum. „Krabbenbrot“, „Kalbskopf“, „Schwarzbrot und Räucheraal“ oder die „Schweineschulter mit Blutwurst“ lassen den rheinischen Gaumen tanzen – manchmal mit einem modernen asiatischen Twist, aber immer mit der Seele eines Gastwirts, Freunds und Familienmenschen.
Spätestens mit „Omas Schokopudding mit Kakaosand und Vanilleeis“ (der eigentlich kein klassischer Pudding ist) kommen einem die Tränen vor Glück. Dieses Buch – sicher ein Herzensprojekt – gehört durchgekocht.
„Stemberg – Das Kochbuch“ ist das erste Kochbuch von Sascha Stemberg. Sein Vater Walter hat bereits einige Kochbücher veröffentlicht, und der Untertitel „Tradition trifft Moderne“ versinnbildlicht den Generationenwechsel – aber auch die beiden gastronomischen Linien der Familie Stemberg: Sternerestaurant und Gasthaus. Die Rezepte sind ein sehr gelungener Mix aus beiden Welten, immer mit dem Fokus darauf, dass sich die Gerichte am heimischen Herd gut umsetzen lassen. Meine Lieblingskategorie bei Kochbüchern ist die gepflegte Alltagsküche, und dieses Buch passt da perfekt hinein.
Traditionellen Gerichten wie Matjes mit Hausfrauensauce gibt Sascha Stemberg einen neuen Twist und macht daraus Königsmatjes mit Hausfrauencreme und Gurkensud. Er hebt es auf ein Fine-Dining-Niveau und erklärt im Rezept genau, was anders gemacht wird und warum. So können sich auch weniger erfahrene Hobbyköche heranwagen. Die Zutaten sind in einem gut sortierten Supermarkt oder auf einem Wochenmarkt gut zu bekommen.
Seine gastronomischen Wurzeln ziehen sich wie ein roter Faden durch das Buch. Die meisten Rezepte stammen aus der deutschen Küche und sind sehr bodenständig. Mit der Achtung zum Produkt und der Liebe zum Kochhandwerk bringt er diese auf ein neues Level. Die Rezepte sind sehr gut beschrieben und mit stimmungsvollen Fotos illustriert. Ein alphabetisches Rezeptregister auf Basis von Zutaten erleichtert die Suche nach dem gewünschten Rezept.
Zwischen den Rezept-Kapiteln lernt man die Familie Stemberg und ihre Vision von Gastronomie näher kennen. Auch einzelne Lieferanten und Produzenten werden vorgestellt. So bekommt man nicht nur Lust zum Nachkochen, sondern auch Lust, einmal dort hinzufahren.
Hier haben wir es mit einem sehr persönlichen Kochbuch zu tun – diese Intention wird im Vorwort klar und sie zieht sich durch das ganze Buch von Sternekoch Sascha Stemberg. Das Buch ist eine Sammlung der besten Gerichte aus seinem „Haus Stemberg“ im Bergischen Land; Wirtshausklassiker wie Cordon Bleu oder Graupensuppe treffen hier auf internationale Gourmet-Delikatessen, inspiriert von den vielen Reisen und Auslandserfahrungen von Sascha Stemberg. Beschrieben sind die Rezepte so ausführlich und niedrigschwellig (es wird konsequent geduzt, was das Buch noch nahbarer macht), dass auch die komplexeren unter ihnen gut nachzukochen sind. Schön und lehrreich: Zu den allermeisten Rezepten werden Profitipps – etwa zum perfekten Garpunkt oder möglichen Abwandlungen des Gerichts – und häufig auch Warenkunde-Wissen mitgeliefert. Ein sehr ganzheitlich gedachtes Kochbuch, das deutlich mehr zu bieten hat, als der etwas generisch anmutende Untertitel „Tradition trifft Moderne“ vermuten lässt.
Das Bergische Land, das unweit des Haus Stemberg ins Ruhrgebiet übergeht, liegt nah an meiner Heimat. Viele der Gerichte im Buch wirken deshalb vertraut und echtes Comfort Food. Neben einer klassischen Graupensuppe mit gebratener Mettwurst steht hier unvermittelt ein Cocktail vom Atlantik-Hummer mit Melone und Brioche. Dieses Spannungsfeld, das auch die Küche der Steinbergs prägt, zieht sich durch das ganze Buch. Sehr gelungen sind oftmals die kleinen Intros zu jedem Rezept; grundsätzlich ein schönes Mittel, um Nähe zu schaffen, Kontext zu erklären. Mitunter wirken sie jedoch ein wenig formelhaft. Wiederkehrende Wendungen zu „neuen Interpretationen“, „harmonischen Kompositionen“ oder „perfekt zur Geltung“ gebrachten Produkten nutzen sich schnell ab. Ein Hauch mehr eigene Geschichte oder Hintergrundwissen hätte dem Werk noch zusätzliche Tiefe und Personality verliehen.
Zwischen Hummer aus dem Atlantik, Ente aus Oldenburg und Eifeler Urtomaten entsteht in Sascha Steinbergs kulinarischen Porträt eine Melange, die kaum erklärt, warum sie gerade im Bergischen Land ihre Heimat hat. Die Region bleibt Kulisse statt roter Faden, Besuche bei Produzenten bleiben kurze Episoden ohne greifbaren Mehrwert. Die Rezeptwelt wirkt wie ein Sammelsurium aus aufgebohrter Wirtshausküche, nordischen Klassikern und asiatischen Einsprengseln – handwerklich solide, aber konzeptionell unentschlossen. Auch die Texte geraten für meinen Geschmack stellenweise zu selbstverliebt. Das mag bei Stammgästen charmant wirken, Außenstehende hält es aber eher auf Distanz. Insgesamt mehr Fusion als Fokus – und leider verschenktes Potenzial.
Eine Flocke Butter
Der Deutsche Kochbuchpreis - SILBER

Ø 7.9

Eine Flocke Butter

Die fetten Klassiker der deutschen Küche

Autor/-in: Verlag: Tietge

Eine Flocke Butter ist die Liebeserklärung an die deutsche Küche – ehrlich, sättigend, traditionsreich. TV-Koch und Foodboom-Kreativkopf Hannes Arendholz zeigt mit über 100 Rezepten, wie einfach Klassiker wie Frikadellen mit Kartoffelpüree, Rinderrouladen, … [weiterlesen]

Begründung der Jury:

Der Hamburger Butterjunky Hannes Arendholz überzeugt bei seiner Klassikersammlung deutscher Wohlfühlgerichte durch eine angenehm unprätentiöse Haltung und eine sympathische Portion Authentizität. „Eine Flocke Butter“ kommt locker und zugänglich daher, ohne in flapsige Oberflächlichkeit zu kippen. Die Rezepte funktionieren, ohne zu überfordern. Die Fotografie zeigt, was realistisch auf dem Teller landet: kein überdrehter Foodporn, sondern ehrliche Küche. Wo es etwas erklärungsbedürftiger wird – etwa bei der Schwarzwurzel oder der Hühnerzerlegung – nimmt sich Hannes ein paar Seiten mehr Zeit. Ein sympathisches, alltagstaugliches Werk mit Herz, das hält, was es verspricht. Wenn die Generation TikTok zuhause auszieht, sollten Mama und Papa dieses Buch spätestens mit in den Umzugskarton legen!
„Eine Flocke Butter“ zelebriert deutsche Klassiker, wie wir sie aus Omas Küche kennen und lieben, und befreit sie von unnötigem Chi-Chi. Hier geht es um den puren, ehrlichen Geschmack, nicht um verkünstelte Neuinterpretationen.
Das wird durch die reduzierte, moderne Bildsprache und das klare Layout hervorragend unterstützt. Die Fotografien – z. B. die dynamische Aufnahme der Kartoffelsuppe oder die Gulaschsuppe mit der ausgekochten Zitrone daneben – sind sehr reduziert, aber modern und authentisch.
Schön auch einige Kniffe, wie eine Sauce aus Hühnerhaut zu machen oder die Hommage an die sträflich unterschätzte Schwarzwurzel mit allein vier Rezepten und ausführlicher Step-by-Step-Verarbeitungsanweisung.
„Eine Flocke Butter“ ist ein Buch für alle, die sich nach ehrlichen, unkomplizierten deutschen Küchenklassikern mit Seele sehnen. Es richtet sich an Kochanfänger wie an erfahrene Hobbyköche, die nicht das nächste Trendrezept, sondern das perfekt zubereitete Original suchen.
Ein optisch und inhaltlich sehr gelungenes Kochbuch, das sein Versprechen der unkomplizierten Alltagstauglichkeit voll einlöst.
Warum es – bei den sehr wenigen Rezepten ohne Butter – ein Käsekuchen und kein Butterkuchen ins Buch geschafft hat, bleibt Hannes’ sahniges Geheimnis …
„Einfach, ehrlich, locker“ heißt es im Vorwort des zweiten Kochbuchs von Foodboom-Gründer Hannes Arendholz – und schon auf den ersten Seiten wird klar: Das Buch hält, was es verspricht. Hier sind unter der geschmacklichen Klammer Butter die Klassiker der deutschen Oma-Wohlfühl-Küche versammelt, aufgeschrieben in lockerer Sprache (hier findet sich auch mal die Aufforderung, „die Gurken fünf Minuten in der Schüssel chillen“ zu lassen) und fotografiert ohne viel Schnickschnack. Neben etwas aufwändigeren Traditionsgerichten wie Königsberger Klopse oder Rinderrouladen scheut sich Hannes Arendholz auch nicht, den absoluten Basics der deutschen Küche wie Pfannkuchen, Rührei und Kartoffelsalat als Einzelrezept ihren Raum zu geben. Und es findet sich auch Überraschendes – ein ganzes Kapitel über die Schwarzwurzel etwa. Eine bodenständige, authentische Sammlung der klassisch deutschen Kochkunst, eher geeignet für Kocheinsteiger:innen als für Fortgeschrittene.
Foodboom-Co-Founder Hannes Arendholz legt mit „Eine Flocke Butter“ seine Version eines Grundkochbuchs vor. Beim ersten Durchblättern fragt man sich kurz, ob das nicht alles ein wenig zu schlicht ist: Kartoffelpüree, Milchreis, Frikadellen, Senfeier. Doch genau hier passiert der Überraschungsmoment. Plötzlich kleben die Post-its an allen Ecken und Enden, weil diese vermeintlich einfachen Rezepte eine enorme Lust aufs Kochen auslösen – bei Einsteigern genauso wie bei erfahrenen Hobbyköchinnen. Die lässig inszenierten Fotos und die angenehm informativen Texte unterstreichen diesen Charakter und machen das Buch zu einer sehr zugänglichen, sehr inspirierenden Sammlung.
Coverfoto und Buchtitel stellen die Butter in den Fokus. Dem wird auch gleich im ersten Kapitel Rechnung getragen, und eine Vielzahl an kreativen Buttermischungen wird vorgestellt. Danach reiht sich ein deftiger Klassiker der deutschen Hausmannskost an den anderen. Allerdings wird nicht bei jedem Rezept Butter verwendet. Die Rezepte sind einfach gehalten und richten sich an Hobbyköche mit weniger Erfahrung.
Für den überbackenen Brokkoli wird detailliert jeder Arbeitsschritt beschrieben und mit Fotos dokumentiert. Auch für die Zerlegung von Geflügel und die Herstellung von Rouladen gibt es detaillierte Beschreibungen. Bei Fisch und Meeresfrüchten fehlt dies leider ganz. Der Kartoffel, die in der deutschen Küche eine sehr große Rolle spielt, wird mit einem eigenen Kapitel viel Aufmerksamkeit gegeben. Ähnlich gestaltet ist auch das Kapitel über die Schwarzwurzel, die als Gemüse nicht zu den deutschen Klassikern gehört und bei ungeübteren Hobbyköchen nicht erste Wahl ist.
Jedes Rezept ist genau beschrieben, gut nachkochbar und hat ein eigenes Foto vom fertigen Gericht. Im alphabetischen Rezeptregister sind die Gerichte nach Kapiteln (wie Suppe, Geflügel, Kartoffeln etc.) aufgelistet, aber nicht nach Zutaten allgemein. Wer sich gerne von Videos inspirieren lässt – wie sie der Autor Hannes Arendholz auf seinem Youtube-Kanal Foodboom vorstellt – für den ist das Kochbuch eine gute Ergänzung und ein Nachschlagewerk.
Das Allgäu-Kochbuch
Der Deutsche Kochbuchpreis - BRONZE

Ø 7.4

Das Allgäu-Kochbuch

Die junge Küche zwischen Tradition und Innovation. Rezepte. Porträts. Geschichten.

Autor/-in: Verlag: Christian

Das Allgäu zählt zu den beliebtesten Reisezielen Deutschlands, denn neben den Bergen und der wunderschönen Natur finden sich hier einige der berühmtesten Touristenattraktionen des Landes: Schloss Neuschwanstein, mittelalterliche Burgen und Städte … [weiterlesen]

Begründung der Jury:

„Das Allgäu-Kochbuch“ von Hannelore Fisgus legt den Fokus auf junge Gastronomen und Produzenten im Allgäu. Schön ist die Gliederung in die einzelnen Regionen des Allgäus. Trotzdem wäre eine Karte mit Markierung der Standorte wünschenswert gewesen. Die Betriebe werden mit stimmungsvollen Fotos, informativen Texten und Rezepten vorgestellt.
Die Rezepte sind eher knapp gehalten, und die Bandbreite reicht von einfachen Gerichten wie Allgäuer Kräuter-Bruschetta bis zur gehobenen Küche, etwa Tatar von Salmoe-Räucherlachs, Blumenkohlcreme und grüner Buttermilch. Wohltuend ist, dass auf komplexe Gerichte aus der Sternegastronomie verzichtet wurde. Auch Sternerestaurants stellen ein eher bodenständiges Gericht vor. Die meisten Rezepte haben einen kleinen Twist, der sie interessant macht. Mit etwas Kocherfahrung lassen sich die Gerichte gut daheim ausprobieren.
Das Buch macht Lust darauf, die Region zu entdecken, und kann sehr gut als kulinarischer Reiseführer dienen. Im Anhang sind ein alphabetisches Rezeptregister und eine Adressliste der vorgestellten Betriebe zu finden.
Dieses Buch zeigt weit mehr als die übliche Kässpatzenfolklore und gibt innovativen wie kreativen Gastronom:innen verdienten Raum. Bodenständiges trifft auf Avantgarde und Fine Dining: ein spannender Querschnitt, der das Allgäu kulinarisch facettenreich porträtiert. Es ist weniger ein klassisches Nachkochbuch als ein Einblick in die vielfältigen Gesichter der Region. Die vielen Rezepte geraten durch die Mischung der Stile teils komplex; ein klarerer Aufbau und mehr Hinweise hätten geholfen, den Kocherfolg zu steigern. Als Reisebegleiter funktioniert das Buch dennoch gut. Eine Übersichtskarte fehlt jedoch schmerzlich – die schlichte Adressliste ganz am Ende ohne digitale Verknüpfung erschwert die Orientierung. Insgesamt ein vielfältiges, zeitgenössisches Porträt der Allgäuer Genusslandschaft.
„Das Allgäu-Kochbuch“ von Hannelore Fisgus ist teils Genussführer, teils – natürlich – Kochbuch mit oft recht anspruchsvollen Rezepten der jeweiligen Genussstationen. Die Gerichte sind oft außergewöhnlich und bieten einen spannenden Querschnitt durch die aktuelle Allgäuer Küche. Das Niveau fordert Fortgeschrittene, langweilt Profis nicht.
Die Porträt-, Food- und Moodfotos von Ingolf Hatz wirken mitunter etwas düster, überzeugen aber durch eine stringente Bildsprache mit stimmungsvollem Styling. Das Layout ist klar, die Zutatenlisten sind lesefreundlich. Eine schöne kulinarische Reise durch einen der schönsten Landstriche Deutschlands.
Ein Genuss-Reiseführer, der auch über die Kulinarik hinaus ein Gefühl für das Allgäu vermitteln will – so die Erwartungshaltung, wenn man das nach Regionen aufgeteilte Inhaltsverzeichnis und die Einleitung hinter sich gelassen hat. Schön wäre an dieser Stelle oder im weiteren Verlauf eine Landkarte gewesen, anhand derer sich die Stationen der Reise nachvollziehen lassen. Widmen möchte sich das Buch, so kündigt es der Titel an, vor allem der jungen Küche des Allgäus – und die ist vor allem eines, wenn man sich die Porträts der Gastronom:innen und ihre Rezepte ansieht: sehr naturverbunden und konsequent regional. Die Bandbreite der Gerichte reicht dabei von simplen Klassikern (Flädlesuppe oder Kässpatzen) bis hin zu raffiniert-komplexen Kreationen aus Sternegastronomien. Die traditionelle Allgäuer Küche trifft hier also auf Fine Dining, was sich allerdings nicht wie ein Widerspruch anfühlt. Etwas schade ist, dass Autorin und Fotograf des Buches sich erzählerisch sehr im Hintergrund halten und ihr Bezug zu der porträtierten Region nicht ersichtlich wird.
Das Allgäu gehört zu den beliebtesten Reisezielen Deutschlands, und auch kulinarisch lohnt eine Entdeckungstour. Hannelore Fisgus und Fotograf Ingolf Hatz begleiten durch die Region. In Aufbau und Gestaltung erinnert das Buch stark an das Schwarzwald-Kochbuch; entsprechend gilt auch hier die Kritik am sehr kleinteiligen, unruhigen Layout, das im Allgäu-Band stellenweise noch ausgeprägter erscheint. Die atmosphärischen Foodfotos geraten zudem häufig zu dunkel und verlieren damit etwas von ihrer Wirkung und büßen wichtige Details ein. Trotz dieser gestalterischen Schwächen tragen die Geschichten der porträtierten Menschen und die eigenständigen Rezepte das Buch und machen es zu einer durchaus inspirierenden Reise durch das kulinarische Allgäu.
Das Schwarzwald-Kochbuch

Ø 7.0

Das Schwarzwald-Kochbuch

Von der Berghütte bis in die Sterneküche. Rezepte, Porträts, Geschichten.

Autor/-in: Verlag: Christian

Regionale Küche, bodenständiges Handwerk und innovative Kochkunst: Im Schwarzwald vereinen sich Tradition und Moderne zu vielfältigem kulinarischen Genuss. Begleiten Sie uns auf einer Reise durch den Schwarzwald zu Gasthöfen und Sternerestaurants. … [weiterlesen]

Begründung der Jury:

„Das Schwarzwald-Kochbuch“ von Petra Milde ist eine sehr genussreiche kulinarische Reise. Der Untertitel „Von der Berghütte bis in die Sterneküche“ beschreibt bereits treffend das ganze Spektrum, zeigt aber auch die Schwierigkeit der Rezeptbeschreibungen. Einfache Rezepte wie ein Kartoffelsalat oder ein gebackener Weißkäse mit Kirschwasser werden auf zwei Seiten vorgestellt – genauso wie Crêpinette mit Hirschrücken auf Selleriepüree, Pancetta-Fêves, Preiselbeerbirne und Portweinjus. Dadurch müssen die einzelnen Rezepttexte sehr knapp gehalten werden. Man sollte also gute Kocherfahrung haben, um die Gerichte nachzukochen.
Mir gefällt das Buch gut, und ich sehe es eher als kulinarischen Reiseführer denn als reines Kochbuch. Es stellt Restaurants und Produzenten im Schwarzwald mit viel Einfühlungsvermögen vor und regt an, eine Reise zu planen. Dazu gehört natürlich auch die Vorstellung der Küche, was mit Rezepten zu typischen Gerichten schön gelungen ist.
Das Rezeptregister beschränkt sich auf eine alphabetische Auflistung der Rezepttitel. Leider fehlt eine kleine Landkarte mit Markierung der vorgestellten Adressen.
Wie der Titel schon ankündigt, ist das hier mehr als ein Kochbuch. Petra Milde und Friedemann Ohnmacht haben sich auf eine Entdeckungsreise durch den Schwarzwald begeben, auf der man den beiden von Anfang an gerne folgt. Der Spagat, von Wanderhütten bis Sternerestaurants all das zu zeigen, was die Region kulinarisch auszeichnet, gelingt erstaunlich gut. Das liegt vor allem an den abwechslungsreichen Porträts über die Gastronom:innen und Erzeuger:innen. Dank ihnen bekommt man ein Gefühl für die Menschen, die den Schwarzwald lieben und mit ihrer Kochkunst prägen. So versammelt das Buch neben Klassikern wie Bibiliskäs oder Flammkuchen auch Neuinterpretationen der traditionellen Schwarzwälder Küche, die junge Gastronom:innen mit in die Familienbetriebe bringen. Eine Kleinigkeit, die ein bisschen schade ist: Gerade für weniger erfahrene Leser:innen wäre eine Zeitangabe zu den Rezepten noch hilfreich gewesen. Und: Schön wäre es auch gewesen, den Etappen der kulinarischen Reise anhand einer Landkarte folgen zu können.
Kein Klischeefeuerwerk, sondern eine Reise durch zahlreiche zeitgenössische gastronomische Stationen im Schwarzwald. Das Buch ist dabei weniger Kochbuch als kulinarischer Reiseführer und stellt viele engagierte Gastgeber:innen der Region und ihre Angebote vor. Das Layout kämpft jedoch mit Übersicht und Ordnung: Ein komplexes Gericht wie „Shiso Bioheumilch Wasabi“ wird in großer Typo auf einer Seite abgehandelt – zum Nachkochen oder Nachvollziehen leider wenig geeignet. Die vielen Fotos sind schön, aber eher klassisch als visuelle Überraschungen. Während die Gastronomiebetriebe ausführlich porträtiert werden, bleiben die regionalen Produzent:innen (bis auf einige Ausnahmen) erstaunlich blass – dabei formen sie doch das Terroir. Zahlreiche im Buch genannte Webadressen ersetzen leider keine gut strukturierte digitale Ergänzung, die dem Buch gutgetan hätte, wie auch eine übersichtliche Karte mit allen Stationen. Die umfangreiche Adressliste ganz am Ende bietet da wenig Mehrwert. Ein facettenreicher Schwarzwald-Blick, dem mehr Tiefe und Usability gutgetan hätte.
Petra Milde und Fotograf Friedemann Ohnmacht laden zu einer kulinarischen Exkursion in den Schwarzwald ein, eine der prägenden Regionen deutscher Esskultur. Zwischen regionaler Küche, bodenständigem Handwerk und innovativer Kochkunst entsteht ein breiter Überblick über Produzenten, Gasthäuser und Restaurants verschiedener Ausrichtung. Ihre Rezepte und Geschichten machen das Buch lesenswert. Das sehr verspielte, teils überladene Layout schmälert jedoch die Lesefreude. Wer sich davon nicht ablenken lässt, entdeckt eine große kulinarische Vielfalt, zahlreiche Reiseanregungen und viele Ideen für die eigene Küche.
Dieses „Schwarzwald-Kochbuch“ will alles sein: ein Reiseführer, Hotel- und Restaurantempfehler, ein Guide für lokale Produkthersteller, Foto-, Porträt- und Geschichtenbuch – und eben auch ein Kochbuch.
Die Autorin wünscht uns im Vorwort dann auch „eine gute Reise“, die aber leider beim ersten Kochversuch mit Nordseescholle und Büsumer Krabben losgeht. Der Schwabe würde sagen: „Des hat a G’schmäckle“ (ein fader Beigeschmack).
Ja, der „Black Forest“ ist vertreten: „Spätzle“, Schwarzwälder Schinken, „Schäufele“, „Knöpfle“ – und auch die „Schwarzwälder Kirschtorte“, hier als Dessert im Glas, ist rezeptiert.
Im sehr dürftigen „Register der Rezepte“ lässt sich all das – oft sehr aufwendig – aber schwer finden. Dazu kommt ein zuweilen sehr kleinteiliges, mit vielen Unterrezepten überladenes Layout, das uns leider nicht zum Nachkochen einlädt. Man spürt: Das Buch hat einiges an Mühe gemacht. Viel weniger wäre am Ende aber mehr gewesen.

Weitere Kochbücher zum Thema Deutschland aus den früheren Jahren:

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