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Die besten veganen Kochbücher

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Natürlich vegan
Der Deutsche Kochbuchpreis - GOLD

Ø 9.1

Natürlich vegan

Köstliche & ursprüngliche plantbased Rezepte aus aller Welt. Über 90 vegane traditionelle Gerichte von Julius Fiedler (@hermann)

Autor/-in: Verlag: DK Verlag Dorling Kindersley

Schon immer vegan: Plantbased Rezepte aus aller Welt• Über 90 pflanzenbasierte Gerichte von Food-Content-Creator Julius Fiedler• Inspiriert von traditionellen Küchen weltweit: von indischen Dosa bis zu zitronigen Koftesi aus der Türkei• Authentische … [weiterlesen]

Begründung der Jury:

Mit “Natürlich vegan” verfolgt Julius Fiedler eine kühne These: Sollten pflanzenbasierte Gerichte etwa nicht ganz so exotisch sein, wie von Karnivoren kolportiert, sondern traditionell Teil vieler Landesküchen? In seinem Buch begibt sich der Content Creator auf eine Reise um die Welt, auf der Suche nach zufällig veganen Rezepten. Das heißt: keine Abwandlungen, keine Ersatzprodukte. Dabei erhebt er keinen absoluten Anspruch, seine Sammlung richtet sich nicht nur an Veganer:innen, sondern an alle, die Lust darauf haben. Auf Instagram gefällt das bereits 2,4 Millionen Followern, auf dem Buchcover gibt es Lob von Jamie Oliver, für den Fiedler eine Zeit lang gearbeitet hat.
Das Layout ist mit Zeichnungen und gedeckten Farben überaus gelungen, die Fotos sind stimmungsvoll und dürfen teilweise sogar doppelseitig ganz für sich allein stehen. Nur einige wenige erklärende Abschnitte sind etwas bleiwüstig geraten. Auch die Rezeptseiten sind eher voller, weil immer auch noch Erklärungen oder ein Tipp beigefügt sind – grundsätzlich eine nette Idee.
Zutaten wie türkische rote Paprikapaste oder Weizengluten sind in Großstädten zu bekommen, darüber hinaus etwas schwieriger. Grundsätzlich sind die Rezepte aber absolut gut nachkochbar.
Julius Fiedler ist schon früh durch seine professionelle Art in den sozialen Medien positiv aufgefallen. Sein Buch führt diese Linie fort: klar gestaltet und mit beeindruckend authentischen Rezepten traditionell veganer Gerichte. Zu jedem Rezept liefert er kurze Einordnungen mit persönlichen Anekdoten, die Herkunft und Kontext greifbar machen – etwa beim Rezept für Vada Pav, das es schafft, den Leserinnen und Lesern die Atmosphäre Mumbais näherzubringen.
Sein Umgang mit Veganismus bleibt angenehm unaufdringlich. Im Mittelpunkt steht gutes Essen, nicht eine Mission. Gut gelungen sind die Abschnitte zu den Ursprüngen des veganen Lebensstils, in denen er Klima- und Religionsthemen fachkundig und kompakt erklärt. Die Doppelseite zu Hülsenfrüchten überzeugt ebenfalls: klare Zubereitungszeiten, präzise Hinweise und der praktische Verweis auf den Schnellkochtopf, der etwas aus der Mode geraten ist, aber für Linsen, Kichererbsen und Bohnen ein echter Gamechanger sein kann.
Die Rezepte sind fließend geschrieben, verlangen teilweise durch viele Unterrezepte und Querverweise jedoch gelegentlich mehr Aufmerksamkeit – etwa beim Pide mit Falafel. Das erhöht den Anspruch leicht, bleibt für geübte Hobbyköche aber gut machbar.
Das Layout gefällt mit ästhetischen Skizzen und passenden, stilistisch bodenständigen Food-Fotos.
Trotz kompakter Größe bietet es eine bemerkenswerte Informationsfülle. Alles wirkt aufwändig recherchiert und schlüssig aufgebaut. Ein sachlich starkes, angenehm vielfältiges Kochbuch, das kulinarisch wie kulturell überzeugt.
Dieses Kochbuch bekommt von mir einen Ehrenplatz in meinem an Kochbüchern nicht gerade armen Küchenregal. Innere Werte schlagen natürlich immer die äußeren, aber Cover, Gestaltung, Typografie, Zeichnungen bzw. Illustrationen, Papierqualität und Farbgebung senken mit ihrer sehr besonderen, ruhigen Ästhetik direkt den Pulsschlag. So wird die Arbeit in der Küche zur meditativen Praxis. Dazu die balsamisch schöne Foodfotografie. Besonders gut gefällt mir der gefühlvolle Einsatz von unterschiedlichem, handwerklich hergestelltem Geschirr, abwechslungsreichen Aufnahmewinkeln, sehr natürlich wirkenden Lichtstimmungen, Sets und Settings. Hände greifen gefüllte Pita, stippen Brot in Sauce, stellen üppig beladene Platten oder Teller auf Holztische mit Patina oder Tischdecken mit Charakter, rühren in Töpfen, putzen Artischocken oder falten Teig. Es geht um Kochen als Hand-Werk, Ursprünglichkeit im besten Sinn und pflanzenbasierte Rezepte, die von Generation zu Generation weitergegeben wurden. Julius Fiedler hat sie bis in die Tiefe recherchiert, nach traditionellen Methoden gekocht und für die Jetztzeit rezeptiert – gerade bei der Vielfalt an kulturellen Besonderheiten kein leichtes Unterfangen. Besonders erfreulich ist, dass einiges Bekanntes, aber auch viele wenig entdeckte Traditionsrezepte enthalten sind, sodass es beim Blättern und Stöbern bereits in den Fingern kitzelt. Ganz oben auf der Liste stehen: Pani Puri, birmanischer Kichererbsentofu und die Auberginen mit Fischduft.
Julius fokussiert sich – im Gegensatz zu vielen anderen veganen Rezeptautor:innen – nicht auf das »Veganisieren« klassischer Gerichte, sondern auf traditionelle Rezepte aus aller Welt, die ohnehin (zufällig oder nicht zufällig) vegan sind. Dabei findet er in den verschiedensten Landesküchen Gerichte, die lecker klingen, auf den wirklich sehr schönen, atmosphärischen Bildern großartig aussehen und die er mit Liebe, Ehrfurcht und Respekt vor der Tradition vorstellt. Das macht sofort Lust, einkaufen zu gehen und sich selbst in die Küche zu stellen. Ich bin hier auf Gerichte gestoßen, von denen ich noch nie gehört hatte – zum Beispiel Liang Fen, Mungobohnennudeln aus China, oder Shatat Dakwa, ein Erdnuss-Chili-Dip aus dem Sudan – und das passiert mir wirklich nicht oft. Besonders schön ist die Mischung aus einfachen und trotzdem besonderen Gerichten samt ihrer Geschichte, wie etwa der Fakes-Linsensuppe aus Griechenland, sowie etwas anspruchsvolleren Rezepten wie dem Goma Dofu aus Japan, einem selbst gemachten Sesam-Pudding-Tofu. Bei den technisch sehr durchdachten Arbeitsschritten wird klar, wie oft die Rezepte von Julius getestet und perfektioniert wurden. Pluspunkt für die tolle Gestaltung, vor allem den haptisch hervorragend gelungenen Einband.
Julius Fiedler versammelt hier traditionelle, rein pflanzliche Gerichte aus aller Welt, die nie das Etikett „vegan“ benötigten, weil sie es aus ihrer Kultur und Geschichte heraus schon immer waren. Diese fabelhafte Grundidee macht das Buch zu einer wahren Schatztruhe für neugierige Hobbyköche und Veganer, die über den Tellerrand der üblichen Ersatzprodukte blicken wollen.
Die kulinarische Reise ist dabei so durchdacht wie zugänglich. Die Rezepte sind anspruchsvoll genug, um Fortgeschrittene nicht zu langweilen, überfordern aber dank klarer Anleitungen auch Einsteiger nicht. Dass für authentische Rezepte aus aller Welt auch mal eine Zutat nicht im Supermarkt um die Ecke zu finden ist, gehört zum Abenteuer dazu – und wird oft durch Alternativen abgefedert.
Auch optisch ist das Buch ein Genuss. Kunstvolle Fotografie, stilsichere Illustrationen und ein klares Layout zeugen von einer modernen Eleganz, die man sich gerne ins Regal stellt. Einziger Wermutstropfen in der ansonsten makellosen Gestaltung: Die Kombination aus zierlicher Schrift und cremefarbenem Papier schmeichelt zwar dem Auge, erweist sich in der Küchenpraxis jedoch als kleine Lesehürde. Inhaltlich bereichert eine erhellende Abhandlung zur Geschichte des Veganismus das Werk, während ein kurioser Fauxpas im Grundlagenteil – etwa der veraltete Tipp zu (keinem) Salz im Kochwasser von Hülsenfrüchten – als liebenswerte Petitesse durchgeht.
„Natürlich vegan“ ist ein Kochbuch, das sein spannendes Thema nahezu perfekt umsetzt. Es ist eine Inspiration für alle, die authentisch, pflanzlich und global kochen möchten, und überzeugt dabei nicht nur den Gaumen, sondern auch den Intellekt und den Schönheitssinn. Ein rundum gelungenes Werk.
Vegan Fine Dining
Der Deutsche Kochbuchpreis - SILBER

Ø 8.5

Vegan Fine Dining

Saisonale Kochkunst mit Stil

Autor/-in: Verlag: Ventil Verlag

Gehobene vegane Küche für die eigenen vier Wände.

In den letzten Jahren ist Gemüse in der gehobenen Küche immer mehr zum eigentlichen Star aufgestiegen. Saisonale Kreationen, die das Beste aus pflanzlichen Zutaten herausholen, sind dabei, die … [weiterlesen]

Begründung der Jury:

Die Eigenbezeichnung als “das Standardwerk” bei “Vegan Fine Dining” von Sebastian Copien, Hansi Heckmair und Andreas Leib zeigt schon auf dem Cover: Hier wird mit Selbstbewusstsein nicht gespart. Eingelöst wird das Versprechen durch eine komplexe Herangehensweise: Rezepte, Grundrezepte, Techniken, Warenkunde, Menüvorschläge und Exkurse zu Plating und Wein sind im Buch enthalten. Videoanleitungen, die über QR-Codes erreichbar sind, sind ein zeitgemäßes Plus. Dass Copien ein erfahrener YouTuber ist, zahlt sich hier aus.
Fest steht, veganes Fine Dining ist eine Kategorie für sich, der sich nur wenige Spitzenköch:innen widmen. Laut Klappentext sollen die Rezepte aber durchaus zu Hause nachkochbar sein. Also kein Coffeetable-Book aus der Sternegastronomie, wenn auch die hochwertige Aufmachung in diese Richtung geht. Trotzdem ist das Buch natürlich nichts für Anfänger:innen. Die Rezepte benötigen eine vorangestellte Gebrauchsanweisung, um sich bei den komplexen Arbeitsschritten zurechtzufinden. Zutaten und Werkzeuge sind entsprechend nicht in jeder Küche und jedem Standardsupermarkt zu finden. Trotzdem geben sich die Autoren viel Mühe, ihre Gerichte anschaulich aufzubereiten – beispielsweise mit Thumbnail-Fotos im Inhaltsverzeichnis, die bereits einen Vorgeschmack geben, ohne an Menükarten in Restaurants touristisch hochfrequentierter Urlaubsdestinationen zu erinnern. Überhaupt sind die Foodfotos mit ihrem entsättigten Look, der trotzdem ausdrucksstark bleibt, hervorzuheben. Dazu passt das ästhetische Layout mit wechselnden Typografien, die aber ein harmonisches Gesamtbild ergeben.
Vegan fine dining ist ein massives Meisterwerk, dessen Eindrücke sich nicht beim ein- oder zweimaligen Durchblättern verarbeiten lassen. Dieses großformatige Schwergewicht verlangt nach richtig viel Zeit und kann einen 365 Tage lang, sehr wahrscheinlich sogar mehrere Jahre, durch die kreative pflanzenbasierte Küche begleiten. So viel geballtes Wissen mag anfangs überfordern, birgt aber auch ein unglaubliches Potenzial, denn wann oder wie sonst hat man schon die Möglichkeit, seine Kenntnisse und Fähigkeiten in dieser Nischendisziplin auf diesem Niveau so auf die Spitze zu treiben? Wie auch im klassischen Fine Dining bestehen die über viele Jahre ertüftelten und erprobten Menüs von Sebastian Copien und Andreas Leib aus unzähligen Zutaten bzw. Komponenten. Die Zubereitung mancher Rezepte ist nicht extrem kompliziert, muss aber gut getaktet und geplant werden. Andere dagegen erfordern etwas mehr Übung, Geduld und Fingerspitzengefühl. Weil das so manchen Hobbykoch in seiner Haushaltsküche – und wahrscheinlich selbst routinierte Küchenchefs mit Profiausstattung – vor Herausforderungen stellen wird, ist jedes noch so kleine Detail mit großer Sorgfalt und Akribie erklärt, der Leser bzw. Koch wird regelrecht smooth durch den Prozess geleitet. Die Struktur der Rezepturen mit abgekapselten Zubereitungsschritten, klarer zeitlicher Taktung sowie alternativen Herangehensweisen oder Kombinationen bietet viel Spielraum – man kann das Rezept so nutzen oder auch aufbrechen, die Einzelkomponenten herauslösen und neu verknüpfen. Genau genommen bietet das fast unendliche Möglichkeiten. Ich empfinde das Buch daher auch weniger als Rezeptsammlung denn als Akademie, die mit ihren vielen kleinen Schulungen und Grundrezepten neue Dimensionen eröffnen kann. Auch wenn das Cover nicht meins ist, gefällt mir die Foodfotografie im Buch außerordentlich gut. Dark, moody, aber auch gefühlvoll und zart.
Ein Buch, das sich per Aufkleber selbst zum „Standardwerk“ krönt? Das ist mutig, vielleicht sogar ein wenig übermütig. Doch legt man diesen kleinen Fauxpas beiseite, entdeckt man ein Werk, das diesem hohen Anspruch tatsächlich fast gerecht wird. Mit beeindruckendem Sachverstand und einer wohltuenden Prise Pragmatismus holen die Autoren die vegane Sterneküche vom Sockel und bringen sie in die heimische Küche.
Hier braucht es keine Brigade: Die Rezepturen sind so genial konzipiert, dass eine Person sie stressfrei umsetzen kann, unterstützt durch ein kluges Timingsystem, das die Planung gut machbar macht. Der Horizont erweitert sich hier fast von selbst – nicht nur für Veganer, sondern für jeden Gourmet. Wer hätte gedacht, dass süß eingelegte Kiefernzapfen das nächste Highlight im Grundzutaten-Repertoire werden?
Ein kleiner Wermutstropfen ist die optische Präsentation. Die verspielte Schreibschrift-Typografie der Überschriften wirkt wie ein Fremdkörper und bricht mit dem sonst so edlen Anspruch. Auch die Fotografie, oft zu nah am Motiv, lässt die opulenten Gerichte nicht atmen und beraubt sie ihrer beeindruckenden Gesamtwirkung. Dem Layout fehlt es an der Strahlkraft, die den Rezepten innewohnt.
Ein Buch, das man wegen seines brillanten Inhalts lieben wird, auch wenn das Äußere nicht ganz mithalten kann. Das Zeug zum Standardwerk hat es – dieses Urteil fällen am Ende aber zum Glück die Köchinnen und Köche, nicht der Verlag.
Wie der Zusatztitel schon sagt: ein Standardwerk für alle zwischen gehobener Gastronomie und erfahrenen Hobbyköch:innen mit guter Küchenausstattung, die vegane Gerichte ohne Abstriche an Kreativität, Geschmack und Textur auf ihre Menüs und Tische bringen möchten – und eines, das wirklich alles an Informationen abdeckt, die gebraucht werden könnten. Die Einleitung überzeugt mit veganen Produktempfehlungen und Erklärungen ihres technischen Verhaltens, ebenso mit Koch- und Platingtechniken aus dem Fine Dining, speziell zugeschnitten auf pflanzliche Produkte. Der Fokus liegt außerdem auf der Komposition von Rezepten hinsichtlich Nährstoffen und Sättigungsgefühl („damit man nach acht Gängen nicht den nächsten Falafelstand aufsuchen muss“). Das gesamte Buch ist klar strukturiert, mit präzisen Zeitangaben, Abläufen, Alternativvorschlägen zu Produkten und Saisonalität sowie hilfreichen Hinweisen zu Lagerung und Haltbarkeit der verschiedenen Komponenten. Ein kleiner Kritikpunkt sind die teils irritierenden Mengenangaben: Oft ist die Portion für zwei Personen angegeben, es bleibt aber regelmäßig etwas übrig – vermutlich, weil manche Komponenten in zu kleinen Mengen schwer herzustellen wären oder sich der Aufwand sonst nicht lohnt. Vielleicht wäre eine Angabe für vier bis sechs Personen sinnvoller. Und das Layout sowie die Post-Production der Bilder sind nicht ganz Fine Dining – das ließe sich eleganter lösen. Besonders glücklich macht mich hingegen das Saucen-Kapitel; darin verschwinde ich regelmäßig für zwei bis zwanzig Werktage.
Das Trio aus zwei Köchen und einem Foodfotografen legt ein ambitioniertes Buch vor, das zwei Nischen gleichzeitig bedient: Fine Dining und vegane Küche. Diese Schnittmenge ist mutig gewählt, denn beide Zielgruppen überschneiden sich nicht zwingend.
Als Fine-Dining-Buch erfüllt es viele Erwartungen, die Laien mit dieser Küchenform verbinden: aufwendiges Plating, punktgenaue Pürees, hochkonzentrierte Essenzen und visuell makellose Teller. Die Autoren benennen selbst, dass Fine Dining eher einem präzise inszenierten Theaterstück gleicht und in der Realität eine Teamleistung aus Küche und Service ist. Diesen Anspruch kann ein Buch naturgemäß nur ausschnitthaft abbilden. Mit seiner Struktur aus Jahreszeiten, Gemüseporträts, Menüvorschlägen, Empfehlungen zu Geschirr, Weinbegleitung und spezialisiertem Equipment gelingt jedoch ein solides Einstiegspaket in diese Welt.
Die Gerichte sind vielteilig. Wer ein komplettes Menü nachkochen möchte, braucht trotz hilfreicher QR-Codes viel Erfahrung und Zeit. Sehr gut funktionieren hingegen die Einzelkomponenten: Viele Rezepte enthalten starke Grundlagen für neue vegane Küche, etwa der Kartoffelkäse.
Dass es schwer wird, die Fotos so perfekt zu reproduzieren, zeigt sich, wenn man den Anrichte-QR-Code der Pfannkuchensuppe scannt: Im Video zerläuft der zuvor aufwendig mit zwei Ringen angerichtete Pfannkuchenkranz. In einer Fine-Dining-Situation richtet man zudem oft mehr als einen Teller an und muss das Gericht anschließend unbeschadet zum Tisch bringen – hier wäre das kaum möglich. Unplausibel ist auch, dass die Essenz auf dem Foto für eine Essenz untypisch schaumig wirkt, im Video jedoch nicht.
Positiv hervorzuheben sind die Einkaufsempfehlungen für vegane Ersatzprodukte, die klar strukturierten Rezepte sowie die Rubrik zur Weinbegleitung, die korrekt auf tierische Klärmittel hinweist. Zeitgemäß wäre allerdings eine zusätzliche Auswahl alkoholfreier Pairings gewesen, die in der gehobenen Gastronomie inzwischen selbstverständlich sind und sich hervorragend mit einer gesundheitsbewussten veganen Küche verbinden.
Ein anspruchsvolles, visuell starkes Buch, das viel Fine Dining zeigt, zugleich aber auch die Grenzen des Mediums offenlegt.
Plantiful Cooking
Der Deutsche Kochbuchpreis - BRONZE

Ø 7.8

Plantiful Cooking

Über 100 vegane Rezepte für jeden Tag und special days! Unwiderstehliche vegane Rezepte aus Maya Leinenbachs Küche für jeden Anlass

Autor/-in: Verlag: DK Verlag Dorling Kindersley

Das Fitgreenmind-Kochbuch für alle Fälle• Über 100 vegane Rezepte von Fitgreenmind-Creatorin Maya Leinenbach• Von der schnellen Single-Küche bis zum leckeren Dinner für Familie & Freunde: Kreative Gerichte für jeden Anlass• Bunt, international … [weiterlesen]

Begründung der Jury:

Maya Leinenbachs „Plantiful cooking“ richtet sich zielsicher an junge Erwachsene, die am Anfang ihrer veganen Kochreise stehen. Das Versprechen unkomplizierter Alltagstauglichkeit wird dabei konsequent eingelöst. Die Rezepte sind einfach, und die Zutatenlisten erfreulich kurz, sodass ein Einkauf im Supermarkt in der Regel ausreicht.
Besonders gelungen ist das Salat-Baukastensystem, das Kochanfänger zum kreativen Kombinieren ermächtigt. Positiv hervorzuheben ist der konsequente Verzicht auf hochverarbeitete Ersatzprodukte. Stattdessen vermittelt ein eigenes Kapitel, wie sich veganer Parmesan, Sahne oder Feta u. v. m. aus natürlichen Zutaten herstellen lassen – ein klarer qualitativer Mehrwert. Die Optik des als hochwertiges Hardcover gestalteten Buches überzeugt: Das klare Layout wird durch eine Typografie mit charmantem Augenzwinkern aufgelockert. Die authentischen, nahbaren Fotografien setzen die Gerichte und die Autorin sympathisch in Szene.
Ein kleiner Kritikpunkt ist die breite Definition des Küchenstils als Fusion aus asiatischer, indischer, Levante-, italienischer und deutscher Küche. Diese umfassende Ausrichtung lässt eine prägnante kulinarische Handschrift etwas vermissen.
Ein unaufgeregtes, sympathisches und charmantes Einsteigerkochbuch, das sein Versprechen voll und ganz einlöst. Es holt seine Zielgruppe ohne Überforderung ab und liefert alltagstaugliche, kreative Ideen für die moderne vegane Küche.
„Plantiful Cooking” von Maya Leinenbach ist ein Kochbuch, das sich an eine junge Zielgruppe richtet, für die das Label “vegan” weder woke noch dogmatisch ist, sondern nur eine Option von vielen. Entsprechend niedrigschwellig und bodenständig, mit Rezepten für eine Person oder zum Mealpreppen, sind die Kapitel aufgebaut. Die Autorin ist Foodbloggerin und Social-Media-Star mit einer Millionenfollowerschaft, ihrem Sprachstil bleibt sie auch bei ihrem Ausflug in die Print-Welt treu. Leinenbachs “Schmackofatz-Rezepte” sind kurz und unkompliziert und beinhalten zahlreiche Abwandlungen nicht veganer Rezepte. Das Portfolio ist international mit einem Asien-Fokus, wo vegane Küche stärker verwurzelt ist. Etwas fortgeschrittener sind die Anleitungen für DIY-Ersatzprodukte, die Rezepte funktionieren aber auch mit gekauften Alternativen. Den letzten Teil bilden kurze Kapitel zu BBQ, Mezze und Curry in form von kompletten Menüvorschlägen. Statt des Schnelldurchlaufs wäre hier gut ein zweites Buch denkbar gewesen.
Ein Kochbuch von Deutschlands, laut Forbes, „erfolgreichster veganer Foodbloggerin“: Das kann ja nur gut werden. Erst recht, wenn es bereits ihr zweites ist. Man merkt dem aufwändig produzierten, weil sehr professionell geshooteten Buch beides an: die langjährige Erfahrung von Maya Leinenbach in der Entwicklung von Gerichten sowie ihr Daily Business, die mediale Inszenierung ebendieser – sei es durch den stringent durchgezogenen, sehr persönlichen roten Faden oder die vielen In-Action-Fotos, in denen sie stets in die Kamera lächelt. Weil sie dabei aber immer denkbar unaufgesetzt und sympathisch herüberkommt, bewegt sich der Personenkult noch absolut im angenehmen Rahmen. Außerdem ist das hier ganz klar ein Kochbuch für fitgreenmind-Fans. Trotzdem kann man es guten Gewissens auch allen empfehlen, die außerhalb der Instagram- und TikTok-Bubble leben – gesetzt den Fall, man steht auf poppige, bunte Fotos. Wer einen sanften, praktikablen Einstieg in die bunte Welt der veganen Küche sucht, wird hier durch eine lebenspraktische Kapitelstruktur und viele leicht vorzubereitende bzw. umzusetzende Rezepturen abgeholt. Neben guten Ideen für Meal Prep, Dinnerpartys mit Freunden, Rezepten für hausgemachte vegane Produkte (Cashewparmesan, pflanzlicher Ricotta) oder Tofu-Hacks, die auch den letzten Skeptiker von den Qualitäten des Sojaquarks überzeugen sollten, gibt es viele abwechslungsreiche Ein-Person- bzw. Portionsgerichte – etwa eine Beany Cacio-e-Pepe-Pasta, bei der die traditionelle Käse-Nudelwasser-Emulsion keck durch ein aufgemixtes Püree aus Misopaste, Cashew-Parmesan und weißen Bohnen ersetzt wird.
Maya Leinenbach legt ein flexibles, leichtes Kochbuch vor, das klar auf eine junge vegane Zielgruppe zugeschnitten ist. Die fünf Rubriken strukturieren das Buch sinnvoll nach Alltagssituationen. In „Speedy Single Serve“ findet man etwa eine 30-Minuten-Ribollita, für die allerdings der Cashew-Parmesan bereits vorbereitet sein muss. Dieser taucht in einer praktischen Grundlagenrubrik auf, in der gezeigt wird, wie man vegane Milchprodukte unkompliziert selbst herstellen kann.
Aufwendiger, aber gut nutzbar, sind die thematischen Kapitel wie „Mezze“ oder „Currynight“, die sich für vegane Dinnerabende eignen und auch Gäste abholen, die nicht ausschließlich vegan essen. Zwischen den Kapiteln stehen immer wieder kurze, brauchbare Module wie „Quick Pickles“, der Salatbaukasten oder die Stir-Fry-Formel, mit der sich Reste effizient verwerten lassen.
Ein nachhaltiger Umgang mit Lebensmitteln zieht sich positiv durch das gesamte Buch und dürfte bei der anvisierten Zielgruppe gut ankommen. Die Fotos sind stimmungsvoll und passen zum lockeren Layout, zeigen jedoch häufiger die Atmosphäre als das fertige Gericht.
Ein zugängliches, alltagstaugliches veganes Kochbuch mit sinnvoller Struktur, klaren Grundlagen und vielen Bausteinen, die jungen Menschen den Einstieg in eine pflanzliche Küche erleichtern.
Ein sympathisches, buntes Buch – ganz im Stil von Mayas Social-Media-Content. Viele verschiedene Richtungen finden hier Platz: Single-Rezepte, Dinner-Party-Gerichte, selbst gemachte vegane Käsesorten, Mealprep. Die Rezepte sind sehr einfach umsetzbar und damit ideal für Einsteiger:innen in die vegane Küche, Schüler:innen und Studierende. Ihre Texte sind wie sie selbst – humorvoll und stets mit einem Augenzwinkern versehen. Die Zutatenlisten sind meist übersichtlich, und auch der Einkauf für die Rezepte sollte unkompliziert machbar sein. Schön sind zudem die Impulse zur Reduktion von Lebensmittelverschwendung. Das Layout ist mit seinen vielen verschiedenen Schriften und grafischen Elementen allerdings etwas unruhig. Der Schwerpunkt liegt deutlich auf unkomplizierten Rezepten; die technische Tiefe bleibt daher überschaubar. Für die Zielgruppe, die nach schnellen, leicht umsetzbaren veganen Gerichten sucht, funktioniert dieser Ansatz jedoch bestens.
spice up

Ø 7.4

spice up

Vegane & würzige Rezepte – mit Aromen aus aller Welt

Autor/-in: Verlag: AT Verlag

Wie gelingt es, dass vegane Gerichte raffiniert und köstlich schmecken? Die Lösung liegt im Würzen. In »spice up« nimmt Pascal Haag uns mit auf eine spannende Reise in die faszinierende Welt der Gewürze. Er verrät, mit welchen Zutaten Gewürze … [weiterlesen]

Begründung der Jury:

„Spice up” von Pascal Haag ist ein Buch, das zu Hause Kochende schon aus haptischen Gründen gerne in die Hand nehmen werden. Das Cover ist hochwertig gestaltet, in Leinenoptik und mit Prägung, farbenfroh bis zum Lesebändchen.
Der Titel verweist auf den Ansatz des Pflanzenküche-Profis, Gewürze als zentrale Herausforderung beim veganen Kochen in den Fokus zu stellen. Das ist originell, ein echter USP sogar, der konsequenterweise mit einer Warenkunde eingeführt wird, bevor es mit den Rezepten losgeht. Hier finden weniger Fortgeschrittene Neuentdeckungen, ohne dass es zu experimentell wird. Praktisch ist das Schlagwortverzeichnis, das die einzelnen Gewürze mit den Rezepten verknüpft.
Im Vorwort rechtfertigt Haag seine Entscheidung für fleischlose Küche. Hier wäre mehr Selbstbewusstsein wünschenswert gewesen. Wer ein Buch wie “Spice up” kauft, muss nicht mehr überzeugt werden.
Die schlanke Aufteilung in Gemüse, Hülsenfrüchte, Getreide & Pseudogetreide, Tofu, Tempeh & Seitan und Süßes sowie ein Kapitel zu Grundrezepten machen das Buch zugänglich. Ebenso die Länge der Rezepte, die zum Großteil kurz und übersichtlich sind und trotzdem mehr als nur Basics bieten. Schon allein für Kombinationen wie weißer Spargel, Mohn, Tonka und Dill verdient Haag Applaus.
Schade ist die Entscheidung für mattes Papier, das bei den Fotos für eine unvorteilhafte Entsättigung sorgt, die an 70er-Jahre-Ästhetik erinnert.
Dass vegane Gerichte durch Gewürze ein deutliches Upgrade erhalten können, ist kein Geheimnis. Dieses Buch treibt den Ansatz konsequent weiter – jedoch ohne überladene Mischungen in den Vordergrund zu stellen. Viele Rezepte zeigen, wie dezente Einzelgewürze ein Produkt in den Mittelpunkt rücken, etwa beim Sommergemüsesalat mit Dörrfeigen und Oliven.
Zu Beginn steht eine kompakte Gewürzkunde, die die wichtigsten Einzelgewürze und traditionellen Gewürzmischungen erklärt. Dazu gibt es praktische Verarbeitungstipps sowie passende Kombinationen mit Gemüse, Hülsenfrüchten und kompletten Gerichten. Wie auch die Hinweise zum richtigen Würzen, ist alles eher knapp, aber ausreichend formuliert.
Die Rezepte selbst sind kurz gehalten, was hier funktioniert, da sie selten aus mehreren Unterrezepten bestehen. Trotz der Kürze besitzen sie ein hohes Maß an inspirierender Qualität. Die farbintensiven Fotos unterstützen den Ansatz eines bunten, gewürzbetonten Kochens sehr gut.
Positiv fällt auf, dass der Autor weitgehend auf industrielle Fleischersatzprodukte verzichtet. Verarbeitet werden ausschließlich solche, die bereits traditionell etabliert sind – Tofu, Tempeh und Seitan haben sogar ein eigenes Kapitel. Am Ende finden sich hilfreiche Grundrezepte, mit denen man etwa ein Seitan-Geschnetzeltes problemlos selbst herstellen kann.
Ein überzeugendes veganes Kochbuch, das Gewürze gekonnt einsetzt, ohne ein Gewürzbuch sein zu wollen.
Der Fokus dieses Buches liegt darauf, wie vegane Gerichte durch Gewürze, Gewürzmischungen und neue Geschmackskompositionen mehr Tiefe und einen neuen Dreh bekommen. Direkt das erste Rezept klingt wild und äußerst kreativ: Weißer Spargel mit Mohn, Tonka und Dill. Und das zweite: Tofu-Essiggurken-Vinaigrette. I’m sold. Zutatenlisten und Zubereitungsschritte sind klar und gut strukturiert, nicht zu aufwendig, aber durch die Kombinationen dennoch sehr speziell und neu. Alle Rezepte sollten für Hobbyköch:innen gut machbar sein. Einen kleinen Abzug gibt es für einige der sonst sehr schönen, bunten und großzügig präsentierten Rezeptbilder, die durch die starke Nachbearbeitung etwas an Klarheit und Natürlichkeit verlieren.
Gut gewürzt ist halb gewonnen, deswegen dürfte dieses farbenfrohe Kochbuch auch vielen eingefleischten Omnis Spaß machen. Und wer bereits über ein einigermaßen gut sortiertes Arsenal an Aromaboostern verfügt, kann direkt loslegen. Die etwas über achtzig – mir persönlich einen Hauch zu poppig in Szene gesetzten – Rezepte wirken allesamt recht unkompliziert und kommen ohne schwer beschaffbare Zutaten oder gar Raritäten aus. Pascal Haag ist ein Gewürz-Aficionado durch und durch, die Leidenschaft für das Verwandeln von schlichten, pflanzlichen Zutaten in aufregende Geschmackserlebnisse wird tatsächlich spürbar und ist auch der Aspekt, der mir am besten gefällt. Für Newbies bietet sich der Einstieg in die facettenreiche Welt der Aromen und Geschmacksrichtungen über die vorangestellte, gut geschriebene Gewürzkunde an. Auch die allgemeinen Gewürztipps – wie man einkauft, lagert, handhabt und dosiert, welche Utensilien man wofür braucht – sind gut nachvollziehbar und nützlich, wenngleich auch ein wenig der Neuigkeitsfaktor fehlt. Das gilt auch für die Rezepte selbst: Manches wie die Truffles mit Pfeffer und Sternanis, der Seitan mit grünen Bohnen und Szechuanpfeffer oder ein Salat mit Gerste, Quinoa, Spargel und Grapefruit spricht mich an, insgesamt aber bin ich nicht 100 % von den Kompositionen überzeugt und vermisse auch ein paar echte Banger. Außerdem stört mich der redundante Einsatz von Küchenkräutern. Petersilie, ja, vor allem aber Dill – den zähle ich ganze vierzehn Mal und direkt sechsmal davon auf den ersten Seiten.
Es geht um Gewürze – „raffinierte“ Rezepte sollen es sein – und um Pascal Haags Gewürzwissen (immerhin auf sechs Seiten), denn Gewürze sind seine Leidenschaft, die Kunst des Würzens seine Passion. Und seine eigenen Gewürzmischungen kann man käuflich erwerben; in den Rezepten funktioniert es auch mit entsprechendem Ersatz.
Außerdem mag er satte Farben – besonders Grün und Gelb –, denn das sind die im Buch beherrschenden Farben. Und Kurkuma: sein Lieblingsgewürz, weil viel vorhanden ist.
Wir, die jetzt ein Geschmacks-, Aromen- oder gar Gewürzfeuerwerk erwarteten, wurden enttäuscht. Die recht trockenen „Orecchiette mit Belugalinsen“ mit Kurkuma und Anis waren uns zu eindimensional, der „Chicorée mit Bulgursalat“ überladen mit „nur“ Tomate und Sumach. Dafür knallt das „Karottentatar mit Dörraprikosen“ durch Senfsaat und viele Aromen ganz schön am Gaumen.
Die Einteilung der Rezepte in „Gemüse“, „Hülsenfrüchte“, „Getreide“, „Pseudogetreide“, „Tofu…“ ist – weil am Ende doch alles durchmischt ist – seltsam.
Wir hätten uns von Haag, der auch Rezeptentwickler ist, mehr erwartet – ja, auch mehr Leidenschaft beim Würzen.

Weitere Kochbücher zum Thema Vegan aus den früheren Jahren:

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