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Die besten Bücher über Spirituosen, Cocktails und Longdrinks

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Der Whisky Atlas
Der Deutsche Kochbuchpreis - GOLD

Ø 9.0

Der Whisky Atlas

Über 480 Whiskys und 500 Destillerien weltweit im Porträt – komplett überarbeitete Neuausgabe des Bestsellers

Autor/-in: Verlag: ZS - ein Verlag der Edel Verlagsgruppe

Die Zeit, um Whisky-Connoisseur zu sein oder zu werden, ist jetzt. „Das beste Whisky-Buch aller Zeiten – eine Pflichtlektüre!“ – Forbes„Das beste Referenzhandbuch für das Bücherregal des Whisky-Liebhabers.“ – Whisky MagazineDieser … [weiterlesen]

Begründung der Jury:

Dave Broom ist ein ausgewiesener Spirituosenexperte, der bereits mehrere Bücher über Whisky sowie über Gin und Rum verfasst hat. Sein erster Whisky Atlas erschien 2010, die zweite Ausgabe folgte 2014. Nun – gut zehn Jahre später – hat sich die Whiskywelt enorm verändert: Es gibt so viele Destillen wie nie zuvor, und zahlreiche neue Herkunftsregionen sind hinzugekommen.
In seinem Whisky Atlas stellt Dave Broom 480 Whiskys und 500 Destillerien ausführlich vor. Dabei schafft er einen guten Mix aus Klassikern, kleineren Manufaktur-Destillen und spannenden Newcomern. Die Fülle an Informationen führt zu einer etwas kleinen Schriftgröße, doch die Detailtiefe macht das mehr als wett.
Die Einleitung ist hervorragend gelungen und zeigt sofort, dass hier ein Vollprofi schreibt. Das Buch ist in jeder Hinsicht umfangreicher und ausführlicher geraten – mit stimmungsvollen Landschaftsaufnahmen und hilfreichem Kartenmaterial. Es richtet sich gleichermaßen an Whiskyliebhaber wie an jene, die es werden wollen. Für Fachleute bietet es einen aktuellen Überblick über die globale Whiskyszene. Besonders spannend ist es für alle, die auf der Suche nach besonderen Destillen sind und gerne abseits der bekannten Bourbon- oder Malt-Pfade unterwegs sind. Hier wird man definitiv fündig.
Dave Brooms „Whisky Atlas“ kartiert nach eigener Aussage die Geschmackswelt und Idee von Whisky. Er verfolgt explizit keinen Anspruch auf Vollständigkeit bei der Erläuterung der Stile, der Herstellung oder der Produkte. Vielmehr handelt es sich um einen Atlas der Gedanken zum Thema. Dass er in diesem Werk eine Tätigkeit fortsetzt, die mit der ersten Ausgabe im Jahr 2010 begann, zeigt sich am tiefen Fachwissen des Autors.
Er schafft es, der Frage, was Whisky sei und heute außerdem sein kann, sehr spannend und offen nachzufühlen. Seine Ausführungen ergänzt er durch sinnvolle und fachlich korrekte Grafiken und Diagramme. Diese könnten überladen wirken (z. B. Flussdiagramme der Stile S. 10–15), sind jedoch sehr geeignet, die Vielseitigkeit und Dichte der Herstellung zu erläutern. Das Vokabular – insbesondere bei den Verkostungsnoten – ist für Anfänger wie für Profis passend, verständlich und nützlich. Das Gleiche gilt für den Aufbau und die Logik des Buches.
Sehr ausführlich und spannend führt die Whisk(e)y-Reise um den ganzen Globus. Neben interessanten Ausführungen zu Besonderheiten und Techniken der Betriebe werden jeweils verschiedene Produkte verkostet. Wenn Whisky die Champions League der Brennerei ist, dann ist es dieses Buch im Kosmos der Spirituosenliteratur.
Was macht ein Buch über Whisky nicht nur informativ, sondern spannend? Informationsmaterial und schöne Bilder liefert die Industrie mit ihrer oft gut geölten PR-Maschine zur Genüge. Nein, es sind vor allem die Gespräche mit den Menschen, die Schilderung persönlicher Eindrücke. Das gibt es bei Dave Broom. Man merkt, der Mann ist viel unterwegs, oft vor Ort. Obschon der Untertitel „Über 480 Whiskys und 500 Destillerien weltweit im Porträt“ lautet, geht es ihm nicht um eine möglichst vollständige Dokumentation einer (sich ohnehin rasant verändernden, kaum zu fassenden) Branche. Sondern um Nähe. In seinem Atlas, eher eine Reisereportage, kommen Brenner*innen, Destillerie-Betreiber*innen und andere Akteur*innen erfreulich häufig zu Worte. Für jedes Vorwissen geeignet, Neugier genügt.
Wer nicht nur auf der Suche nach einem hochprozentigen Nachschlagewerk ist, sondern nach einem Stück Schottland im Regal, labe sich an Brooms Seiten. Er bringt die Leserschaft in die Destillerien der Welt und nimmt sich dabei auch Zeit für einen Schlendergang entlang der Stills und des Fasslagers – von den Highlands bis nach Hokkaido. In diesem Buch geht es um so viel mehr, als darum, am Stammtisch mit Whiskywissen zu glänzen. Es geht um die Geschichte von Orten, verbunden durch ihre Gemeinschaften und eine Kultur, die Menschen weltweit vereint: die Liebe zu einem fassgelagerten Getreidebrand, den wir überall auf der Erde nach anderen Regeln und Möglichkeiten herstellen. Wer einmal wieder einen misanthropen Tag hat: Diese Lektüre – und ein Dram – werden helfen.
Nachdem der Diercke-Weltatlas heute größtenteils von Google Maps ersetzt wurde, ist jetzt Platz im Bücherregal für den Whisky-Atlas von Dave Broom – ein ähnlich schwerer Schinken, dafür mit deutlich kleinerer Schrift. Der Autor hat den klaren Anspruch, ein Standardwerk über alle Whiskyregionen der Welt zu schaffen. Entsprechend wird der warenkundliche Teil auf knappen 20 Seiten abgehandelt, bevor sich Broom in die großzügig bebilderten Regionalporträts stürzt. Die Texte sind stark recherchiert und thematisieren auch die jüngsten Entwicklungen in einem extrem dynamischen Markt. Leichter Stoff für Einsteiger sieht dennoch anders aus: Der Whisky-Atlas ist ein dichtes Nachschlagewerk für Sammler*innen und Nerds. Perfekt geeignet, um bestehendes Wissen über altbekannte Regionen zu vertiefen oder sich mithilfe detaillierter Verkostungsnotizen über den Status quo der Whiskyszenen in Tasmanien, Rumänien oder Israel zu verschaffen.
Kanpai
Der Deutsche Kochbuchpreis - SILBER

Ø 8.2

Kanpai

50 japanische Kult-Cocktails

Autor/-in: Verlag: Prestel

Japan im CocktailglasEiswürfel klirren, Shaker klackern, ein Hauch von Yuzu liegt in der Luft: Kanpai bringt in 50 Rezepten die Vielfalt und Raffinesse japanischer Getränke ins Cocktailglas. Unverwechselbare Aromen und exzellente Spirituosen verbinden … [weiterlesen]

Begründung der Jury:

Wenn im kulinarischen Kontext von japanischer Ästhetik die Rede ist, geht es meist um Purismus, Präzision, das Schöne im Schlichten. „Kanpai!“ geht einen anderen Weg – es packt die Leser*innen am Kragen und reißt sie mit in die quietschbunte Welt der Mangas. Ohne ein einziges Foto entsteht durch die liebevoll gezeichneten Cocktails eine einzigartige Optik, die im eingefahrenen Bereich der Barbücher angenehm heraussticht – farbenfroh, detailreich und überraschend anschaulich. Die Kategorisierung der Cocktails nach Tageszeiten wirkt etwas willkürlich und das Fehlen alkoholfreier Cocktails nicht ganz zeitgemäß, dafür sind die Rezepte on point: Der Fokus liegt auf klassischen Drinks mit japanischen Zutaten – in den Mojito wandern etwa Shiso-Blätter und Shochu statt Minze und Rum, die Abwandlung des French 75 wird mit Sparkling Sake statt Champagner aufgegossen. Abgesehen vom obligatorischen Einkauf im Fachhandel sind die Drinks unkompliziert und ohne spezielles Equipment nachzumixen. In Verbindung mit dem Innovationsfaktor ein rundum gelungenes Werk.
Dieses Buch macht allein schon beim – und zwar, versprochen! – nüchternen Betrachten Spaß, noch aber mehr beim Durchblättern. Mit ungeheuer liebevollen Illustrationen von Phil Constantineso fängt das nach dem japanischen Wort für „Prost!“ benannte Rezeptbuch den oftmals verspielten, aber nach Präzision strebenden Flair eines Spaziergangs durch Shibuya ein. In einer kurzen Legende werden zu Beginn einige Zutaten erklärt – die in allen Läden für asiatische Lebensmittel zu finden sind. Die Auswahl der Drinks lädt explizit zum Nachmachen ein, es wird nicht gefachsimpelt, sondern versprüht eine Atmosphäre japanischer Miami-Vice-80er-Jahre bei Sonnenuntergang. Gäbe es die Illustrationen der Drinks als Plakate – die Nachfrage wäre gewiss groß. Definitiv ein Rezeptbuch für Drinks, das heraussticht.
Der deutsche Name und der Inhalt dieses Buchs passen nicht zusammen. Der Begriff „Kultcockail“ suggeriert eine lange Tradition, eine skurrile oder mythische Entstehungsgeschichte, popkulturelle Präsenz oder Ähnliches. Naomi Coleman stellt jedoch größtenteils Abwandlungen von Klassikern vor – French 75, Brandy Alexander, Manhattan und Co. werden durch den Austausch von Zutaten „japanised“, etwa Gin gegen Sake oder Wermut gegen Umeshu. Und das ist aber völlig okay so! Die Rezepte sind kreativ, Naomi Coleman arbeitet mit spannenden Zutaten wie dem immer noch viel zu unbekannten Destillat Shōchū, mit Miso-Sirup oder – natürlich – Matcha. Sehr schöne Illustrationen! Das Buch ist ideal für alle, die ein japanisches Dinner adäquat begleiten wollen, Twists fürs Barmenü suchen oder einfach Lust auf „japanese-inspired cocktails“ haben – so heißt der Titel im englischen Original, was wesentlich präziser ist.
Nomi Coleman legt mit „KANPAI!“ eine spannende Sammlung japanischer Cocktails vor, die von Rezeptklassikern bis hin zu eigenen Neuentwicklungen reicht. Dabei bildet sie umfassend das Spektrum der entsprechenden lokalen Spirituosen ab. Diese benennt sie eingangs kurz, ebenso weitere spezielle lokale Zutaten sowie Basics wie die Sirupherstellung am Ende des Buches. Besonders zu erwähnen sind die Illustrationen, für die Phil Constantinesco verantwortlich zeichnet.
Das gesamte Buch ist im Sinne einer japanischen Mangatradition in einem Comicstil gehalten, der sehr schön umgesetzt ist. Diese Darstellungsweise kann allerdings verwirrend sein: für Profis, wenn etwa Eiswürfel oder Garnitur nicht exakt zu erkennen sind, und für Anfänger, wenn Glasdarstellungen auch abstrahiert sein könnten (z. B. Coupé-Glas-Darstellung S. 60 und 52).
Es wäre in zweierlei Hinsicht hilfreich gewesen, genauer auf die Spirituosen einzugehen. Zum einen eingangs bei deren Vorstellung: Demnach seien etwa Japans Whiskys mit weniger Torf als ihre schottischen Kollegen, obwohl sie die gleichen Methoden verwendeten. Torfiger Whisky muss jedoch nicht weniger filigran sein, und nicht die Methode bzw. Technik bringt den Torf in den Whisky, sondern der Torf als „Zutat“. Es gibt im Übrigen auch ausgezeichnete und filigrane torfige (und rauchige) japanische Whiskys.
Zum anderen gäbe eine exaktere Nennung der Spirituosen in den Rezepten eine klarere Idee, wie die Autorin sich das Geschmacksprofil der Cocktails vorstellt – gerade bei den Neuentwicklungen (z. B. S. 44 „Schaumwein-Sake“). Weitere Kleinigkeiten fallen auf: So wird etwa Wasser bei den Siruprezepten nicht als Zutat, sondern erst im Fließtext erwähnt (S. 120).
Japan liegt im Trend und ist auch als Reiseziel bei Deutschen äußerst beliebt. Während vor einigen Jahren noch kaum jemand Sake kannte, ist er inzwischen stärker in den Fokus weltoffener Genießer und Entdecker gerückt. Ein Büchlein mit 50 japanischen „Kult“-Cocktails trifft daher absolut den Zeitgeist.
Die poppige Gestaltung springt sofort ins Auge. Die Cocktails sind in drei Kapitel gegliedert: von „Sunny-Day-Drinks“ über „Cosy-Evening-Drinks“ bis hin zu „Late-Night-Drinks“. Die Einleitung fällt mit einem knappen Überblick über japanische Spirituosen und Zutaten eher kurz aus – man gelangt schnell zu den Rezepten.
Jedes Rezept umfasst eine Doppelseite: eine kurze Einführung zum Drink, die Zutaten und eine prägnante Anleitung zur Zubereitung. Auf der gegenüberliegenden Seite findet sich eine pop-artige Illustration des Cocktails samt Namen – auch in japanischen Kanji –, geschaffen vom international gefragten Illustrator Phil Constantinesco.
Insgesamt lässt das Buch die häufig zitierte japanische Präzision allerdings etwas vermissen. Für Bartender, die Inspiration für ausgefallene Drinks suchen, ist es dennoch einen Blick wert. Und auch Japan-Fans, die mit dem einen oder anderen Rezept ein wenig japanisches Flair ins Glas bringen möchten, finden darin vielleicht einen charmanten Einstieg in die Welt japanischer Cocktailkultur.
Workshop Rum
Der Deutsche Kochbuchpreis - BRONZE

Ø 8.1

Workshop Rum

Das kompakte Rum-Handbuch mit Porträts, Verkostungstipps und Cocktailrezepten. Vom weltweit einzigen Rum-Botschafter Ian Burrell

Autor/-in: Verlag: DK Verlag Dorling Kindersley

Das ultimative Rum-Buch für Anfänger*innen & Fortgeschrittene• Leicht verständlich und unterhaltsam: Der perfekte Einstieg in die Welt des Rums• Step-by-Step zum Kenner: Mit ausführlichen Verkostungsnotizen• Alles über die Trendspirituose: … [weiterlesen]

Begründung der Jury:

Wer sich dieses Werk einverleibt hat, weiß zum Thema Rum Bescheid – und zwar umfassend. Angefangen von seiner Geschichte über seine Herstellung und das facettenreiche Geschmacksprofil (Ampfer, Eiche, Zichorienwurzel!), nimmt Burrell die Leserschaft an die Hand zur Verkostung. Tipp: Das exzellent gestaltete Musterverkostungsblatt kopieren und sich anhand dessen durchs Buch schlürfen. Oder abends mit an die Bar nehmen. Oder mit in den Lateinamerika-Urlaub. Hier wird nicht geschmökert, hier wird gelernt. Im Grunde ist dieses Buch kein Workshop, sondern ein fundiertes Studium. Aber danach ist man immerhin Rumologe.
Mit „Rum“ erhält die erfolgreiche Workshop-Buchreihe eine passende Erweiterung. Workshop lässt bereits vermuten, dass es sich um ein praxisorientiertes Buch handelt, das fachlich versiert, gut strukturiert und mit hilfreichen Illustrationen auch komplexere Inhalte verständlich macht.
Die Kapiteleinteilung ist sinnvoll gewählt und führt die Leser klar durch die Welt des Rums. Besonders spannend sind die kleinen Randthemen – etwa die Frage, ab wann Rum wirklich Rum ist oder nur ein Zuckerrohrbrand, oder wo Rum auch mal illegal schwarz gebrannt wird.
Die Geschichte des Rums ist kurz, informativ und ein wichtiger Baustein, um Rum besser verstehen und einordnen zu können. Auch die verschiedenen Rumstile und ihre jeweiligen Einflüsse werden nachvollziehbar dargestellt. Die Welt der Aromen ist sehr anschaulich aufbereitet und beschrieben.
Besonders hilfreich sind die Porträts von 100 Rums. Unter anderem hat Ian Burrell für jeden Rum ein grafisches Geschmacksprofil erstellt. So kann der Leser schnell erkennen, ob ein Rum den eigenen Vorlieben entspricht.
Ein empfehlenswertes Buch für alle Rum-Fans – und jene, die es werden wollen. Aber auch für Menschen in Gastronomie und Handel, die beruflich mit Rum zu tun haben und Produkte besser unterscheiden möchten.
Ian Burrells „Workshop Rum“ ist ein sehr geeignetes Werk, um sich dem Thema als Laie oder auch als Profi zu nähern. Neben der weitreichenden, teils unglücklichen Geschichte enthält es sehr hilfreiche Verkostungshinweise, Details zur Herstellung sowie abschließend eine fundierte Warenkunde und Cocktailrezepte.
Sehr ausführlich wird erläutert, wie sich das Produkt weltweit zum Teil komplett unterscheiden kann und doch die Kontinente verbindet. Allein Europa, mittlerweile ein bemerkenswerter Rumstandort, wird – bis auf Großbritannien – zumeist ausgespart. Sehr hilfreich sind die Ausführungen zu den geschmacksrelevanten Komponenten, etwa den Fässern und der Lagerung in ihnen. Auch die Relevanz der Hefesorten wird erklärt. Wie entscheidend diese für die Herstellung und den Geschmack des Endproduktes sind, könnte aufgrund kleiner Ungenauigkeiten noch deutlicher herausgestellt werden. So wirkt die Hefe nicht nur auf den Zucker ein (S. 63), sondern verstoffwechselt ihn zu Alkohol und CO₂. Dies macht den Prozess an dieser Stelle so viel deutlicher.
Schicker Strohhut und sonniges Lächeln: Mit diesen Markenzeichen verkörpert Ian Burrell sein Thema – die Welt des Rums – in Reinform. Wer schon einmal einem seiner Tastings beiwohnen durfte, wird bestätigen: Die machen enormen Spaß und verbinden Wissenstransfer mit Genuss. Und so ist er genau der Richtige, um das Thema Rum in der Workshop-Buchreihe von DK zu (re)präsentieren. Auch hier gelingt es Burrell, Know-how zu transportieren, ohne zu überfordern – trotz der enormen Bandbreite dieser Kategorie, die viel weniger reglementiert ist als etwa Whisky und heute rund um die Welt Erzeugnisse zeitigt. Burrell stellt 100 Exemplare vor, jeweils mit Geschmacks- und Aromenprofil, macht die verschiedenen Herstellungs- und Reifungsverfahren griffig. Dazu einige Rumcocktails – eine gute Selektion. Von Burrells Heimat England und Madeira einmal abgesehen, schaffen es allerdings keine europäischen Rums – und die gibt es! – ins Nosing-Glas.
Inhaltlich und optisch bietet „Workshop Rum“ kaum Überraschungen – reichlich Tasting Notes, ein Rezeptteil mit klassischen Cocktails, unauffälliges Design. Eine gewisse Lehrbuchhaftigkeit lässt sich nicht abstreiten, ist im Rahmen eines Workshops aber auch nicht fehl am Platz. Burrell gelingt es, seine Leser*innen durch das schwer durchschaubare Dickicht der Rumkultur mit all ihren regionalen Traditionen und Gesetzgebungen zu führen. Besonders interessant geraten die historischen Exkurse: Bei aller Romantik rund um die Spirituose wird nicht ausgespart, dass ihre Geschichte auch untrennbar mit militärischen Konflikten, Sklaverei und Kolonialismus verbunden ist. Hier hätte der Autor mit einem Brückenschlag zur sozioökonomischen Gegenwart der Herkunftsländer gerne weiter in die Tiefe gehen können.
Like A VirginBlick ins Buch

Ø 8.0

Like A Virgin

Die Mocktail Bibel

Autor/-in: Verlag: Callwey

AUF DAS BESTE REDUZIERT – In „Like a Virgin“ von Linh Nguyen steht der alkoholfreie Genuss im Mittelpunkt. Schluss mit drögen Fruchtsäften mit Minischirm. Hier wird der Mocktail zum Star. In 60 innovativen, farbenfrohen und überraschenden Rezepten … [weiterlesen]

Begründung der Jury:

„Like a Virgin“ ist ein ästhetisches, anspruchsvoll gestaltetes und umfangreiches Buch über Mocktails – Drinks, die ohne Alkohol auskommen. Schon auf Seite eins spürt man die Leidenschaft und Hingabe von Linh Nguyen. Sie spricht auf allen Ebenen die Sinne an und schafft alkoholfreie Kunstwerke. Die Cocktails sind unfassbar genussvoll inszeniert; in den Nahaufnahmen meint man den Mocktail fast schmecken zu können. Die Fotos von Daniel Esswein sind hervorragend eingefangen. Zwischendrin lockern filigrane Illustrationen die Kapitel passend auf.
Der Einstieg in die Welt der Mocktails beginnt mit einem Kapitel über Balance – wie für Linh ein ausbalancierter Drink entsteht. Schon hier wird klar, wie viel Herzblut und Anspruch hinter dem Schaffen der talentierten Bartenderin stecken. Für sie ist ein Mocktail keine bloße Alternative zum Cocktail, sondern ein kreativer Genussmoment – ein alkoholfreies Kunstwerk.
Nach der Einführung in Herstellungstechniken, Werkzeug und Zutaten geht es darum, wie ein Mocktail sein gewisses Etwas bekommt – etwa durch Espuma oder selbst gemachte Sirups. Auf die Rezepte, die klassischen Cocktails nachempfunden sind, folgt das Kapitel der Signatur-Mocktails, das ich persönlich am spannendsten fand.
Jedes Rezept bekommt zwei Seiten: eine für die Abbildung, eine für Zutaten und Zubereitung. Die Umsetzung scheint gut machbar und jedes Foto macht Appetit.
Dieses Buch ist durchdacht, zeitgemäß, sehr ansprechend – für Bartender, die ihr Repertoire in Sachen Mocktails erweitern wollen, ebenso wie für Hobby-Bartender mit Freude an kreativen Kreationen. Alles in allem sehr empfehlenswert.
Als Expertin der alkoholfreien Tresenwelt ist Nguyen prädestiniert für dieses Buch. Ihr umfassend sinnlicher Zugang zum Thema zeigt sich auch in der Aufmachung des makrobebilderten Großformats. Wohingegen sich die moderne Barszene am Begriff des von ihr verwendeten „Mocktails“ stört – ist das Suggerieren eines „mock“, einer Täuschung –, ist die Täuschung tatsächlich der falsche Ausdruck für das, was Nguyen in diesem Buch kreiert hat. Denn hier geht es nicht nur darum, Genuss neu zu verstehen, sondern einen Drink in seinen Elementen so zu gestalten, dass er auf allen Sinnesebenen ankommt: über die Textur, seine Farbe, das Espuma oder eine Feder zur Garnitur. Dieses Buch ist alles andere als nüchtern aneinandergereihte Rezepturen.
Mit der Mocktail-Bibel „Like a virgin“ von Linh Nguyen legt der Callwey Verlag ein sehr spannendes Buch im Bereich der immer relevanter werdenden alkoholfreien Mixologie vor. Die direkte Ansprache der Autorin und die Erläuterung ihres persönlichen Hintergrundes und Werdegangs verleihen das Gefühl, bei ihr an der Bar Platz zu nehmen. Sie erläutert Grundwissen der Mixologie, Warenkunde und Rezepte.
Insbesondere ist es die „Kunst“ – also Kreativität und Innovation –, die das Zubereiten alkoholfreier Cocktails erfordert und die dieses Werk hervorhebt. Die Mocktails sehen sehr ansprechend aus und sind dementsprechend ästhetisch dargestellt. Auch die gesamte Aufmachung des Buches animiert zum direkten Nachmachen.
Bei der Erläuterung alkoholfreier Spirituosen wird das Thema jedoch nur oberflächlich angefasst. Es gibt mittlerweile mehrere Wege, diese herzustellen. Und auch der Destillationsprozess herkömmlicher Spirituosen wird nur sehr verkürzt und dadurch möglicherweise missverständlich dargestellt (S. 77): So beginnt die Herstellung herkömmlicher Spirituosen eben nicht immer mit einer Maische – und die der alkoholfreien mittlerweile ebenfalls nicht mehr ausschließlich.
Die Bartenderin Linh Nguyen legt eines der bislang umfangreichsten deutschsprachigen Bücher über alkoholfreie Cocktails vor. Ganz bewusst – und das ist positiv – nennt sie diese „Mocktails“, wenngleich der Begriff in der Barszene mitunter Naserümpfen verursacht: Er ist schlicht bekannter als ein nerdiges „No ABV”. Diese Niederschwelligkeit zieht sich durch das gesamte Buch. Es bietet Privatpersonen wie Profis, die bislang vor allem Cocktails „mit“ mixen, einen guten Einstieg in die immer relevanter werdende Kategorie. Die Spanne der 60 Rezepte von einfachen Mixes bis zu komplexeren Kreationen mit selbstgemachten Zutaten gefällt, vor allem an Anfänger gerichtete Infos zu Herstellungsweisen und eine kleine Warenkunde runden das Buch ab. Leider sind einige der im Close-Up dargestellten Mocktails im Abdruck unscharf.
Guter Titel, starkes Cover, das heißeste Thema der Getränkewelt – der erste Eindruck von „Like a Virgin“ könnte kaum besser sein. Im kompakten Basisteil erinnert vieles an klassische Barbücher, es werden Grundtechniken, Equipment und die Wichtigkeit der Balance thematisiert. Zu kurz kommen leider die besonderen Herausforderungen beim Mixen alkoholfreier Cocktails, allen voran die Erzeugung aromatischer Komplexität bei möglichst niedrigem Einsatz von Zucker. Die Arbeit mit Fermenten, Infusionen und alternativen Säurequellen wie Verjus oder Shrubs verdient deutlich mehr Aufmerksamkeit. Viele Rezepte beschränken sich auf eine Kombination von Saft, Sirup und gekaufter 0%-Spirituose, die dem alkoholfreien Standard in gehobenen Bars kaum noch gerecht wird. Dennoch macht sich „Like a Virgin“ gut im Kochbuchregal, da es eine lang verschmähte Kategorie der Barkultur in Teilen gut abbildet und mit schön gestylten, großformatigen Fotos viel Inspiration zum Nachmachen liefert.
Das große Whiskybuch

Ø 7.7

Das große Whiskybuch

Destillerien der Welt und ihre Whiskys. Mit Verkostungsnotizen zu über 500 Whisky-Sorten. Aktualisierte & erweiterte Neuausgabe

Autor/-in: Verlag: DK Verlag Dorling Kindersley

Alles über Whisky• Das Standardwerk von Gavin D. Smith und Jonny McCormick – komplett aktualisiert und erweitert• Trends, Destillerien und Whisky-Empfehlungen: Über 500 Whiskys im Porträt• Whiskys der Welt: Eine informative und bildgewaltige … [weiterlesen]

Begründung der Jury:

Auf jeweils ein bis zwei Seiten werden in diesem aktualisierten Standardwerk so viele Destillerien abgekaspert, wie es sie zum Zeitpunkt der Entstehung des Buches gab. Selbst dem bekennenden Whiskykenner werden sich hier einige neue Regionen erschließen – auch jenseits der gängigen Exoten. Gerade der Pazifikraum, Südafrika oder der Nahe Osten sind echte Hingucker beim Durchblättern; immer wieder werden überblickshafte Karten gezeigt, sodass die Orientierung leicht fällt. Bei über 500 Verkostungsnotizen kann man schließlich schon mal ins Taumeln geraten. Hier findet eine voll überarbeitete Bestandsaufnahme der Whiskywelt statt. Ein Nachschlagewerk fürs Bücherregal im Whiskyzimmer.
Die erste Ausgabe erschien 2013; diese neue Ausgabe ist aktualisiert und erweitert. Obwohl insgesamt weniger Alkohol konsumiert wird, erfreut sich Whisky weiterhin stabiler Nachfrage. Das hat weltweit zu zahlreichen Neugründungen von Destillerien geführt. Gleichzeitig bekommen die klassischen Herkunftsregionen – Schottland, Irland und Nordamerika – zunehmend Konkurrenz aus aller Welt. Whisky wird heute global produziert, und genau darüber bietet Das große Whisky Buch einen zeitgemäßen Überblick.
Zu Beginn geht das Buch nur kurz auf Herstellung und Lagerung ein. Ein kompakter Rück- und Ausblick zeigt die wichtigsten Entwicklungen der Whiskywelt. Bevor die verschiedenen Herkunftsregionen und konkreten Whiskys vorgestellt werden, werden die Whiskystile klar und prägnant erläutert.
Das „Groß“ im Titel bezieht sich auf die umfangreiche Darstellung der Whiskyhersteller weltweit – und diesem Anspruch wird das Buch gerecht. Die kurze, knackige Einführung in Herstellung, Stile und Geschichte ist absolut zeitgemäß. Für Whiskyliebhaber wie auch für Fachleute, die beruflich mit Whisky arbeiten, bietet es einen aktuellen und umfassenden Überblick über Whiskys aus aller Welt.
Rein optisch gesehen präsentiert sich „Das große Whisky-Buch“ derart oldschool, dass man durchaus auf den Gedanken kommen könnte, es richte sich vor allem an alte, weiße Männer. Selbstverständlich beurteilen wir ein Buch aber nicht nach dem Cover und stellen erst beim Lesen fest, dass es wirklich genauso trocken und nüchtern geschrieben ist, wie es aussieht. Darin liegt allerdings auch die große Stärke des Buchs: Die Texte sind absolut fachkundig und stellen immer wieder Querverbindungen her. Das schließt auch wichtige Kontrapunkte zum romantisierenden Storytelling der Destillerien ein, hinter dem sich oft Konzernstrukturen statt sympathische Familienbetriebe verbergen. So entfacht man vielleicht kein Feuer bei Whisky-Einsteiger*innen, liefert Fortgeschrittenen aber ein nahezu lückenloses Lexikon.
„Das große Buch des Whiskys“ stellt sehr geeignet die grundlegenden Aspekte des Produktes dar. Insbesondere die regionale Herkunft, die Herstellung und verschiedene Sorten werden beschrieben, außerdem Details zu einzelnen Abfüllungen und deren Besonderheiten. Erfreulicherweise finden auch Mitteleuropa und Deutschland Erwähnung (S. 306).
Die Bebilderung ist sehr hilfreich und spannend, sodass das Lesen keine Längen hat. Die Verkostungsnotizen können für Interessierte eine relevante Hilfe bieten. Für Experten sind sie zwar eine nachvollziehbare geschmackliche Orientierung, könnten jedoch eine gewisse Tiefe und Kreativität vermissen lassen.
Leider haben vor allem die Branchengrößen und Marken entsprechenden Raum. Die junge und stetig wachsende Szene der Kleinbrenner ist aber vermutlich für Whiskykenner mindestens genauso spannend. Ebenfalls könnte der komplexe und äußerst relevante Herstellungsprozess mehr Raum finden – hier entscheidet sich schließlich die Qualität des Produktes.
Die Welt der Bücher über Whiskys ist ja fast so groß und unübersichtlich wie die Welt der Whiskys selbst. Welches Werk trifft welchen Geschmack? Welches Vorwissen soll adressiert werden? Dieses Buch eignet sich besonders für leicht Fortgeschrittene, quasi Schwimmabzeichen Bronze. 500 ausgewählte Whiskys mit Verkostungsnotizen, Basiswissen zu Destillation und Lagerung, in die Regionen einführende und die Brennereien portraitierende Texte – das ergibt eine machbare Schwimmstrecke. Der Schwerpunkt liegt erwartungsgemäß auf den bekannten Produktionsländern Schottland, Irland und den USA, dazu Japan. Dass es aber aus anderen Teilen der Welt Whisky gibt, wird nicht verschwiegen. Schön: In der Überarbeitung des zuerst 2013 erschienenen Guides werden auch neue Destillerien aus der DACH-Region vorgestellt.

Weitere Kochbücher zum Thema Bar aus den früheren Jahren:

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