Die Chemie des Backens
Backwissen, das aufgeht
Autor/-in: Nicola LambVerlag: Edition Michael Fischer / EMF Verlag
Das unverzichtbare Standardwerk für Hobbybäcker*innen!„Jede Seite ist ein Meisterkurs in besserem Backen“ – Nigel Slater„Wenn Ihr Backwerk rebelliert, vertrauen Sie auf SIFT. Nicola Lamb löst die vielen Rätsel des Backens: warum sich Ganache … [weiterlesen]
Preis: € 35,00
Begründung der Jury:
Im Rezeptteil gliedert die Autorin nicht nach Schwierigkeitsgrad, sondern nach Zeitaufwand (ein Nachmittag, ein Tag, ein Wochenende). Jedes Rezept enthält eine zeitliche Übersicht, was besonders bei Hefeteigrezepten und deren Stock- und Stückgaren hilfreich ist. Außerdem sieht man auf einen Blick, welche theoretischen Grundlagen bzw. Techniken im Rezept angewendet werden – mit Seitenverweis zu den ausführlichen Erklärungen im Theorieteil.
Die Angaben zu Zutaten sind sehr präzise (z. B. Proteingehalt des Mehls), ebenso die Anleitungen.
Was mir sehr positiv auffällt: Beim Lesen und Nachbacken stelle ich fest, dass Fragen, die mir in den Kopf schießen, spätestens wenige Zeilen später beantwortet werden: Was mache ich, wenn ich nicht beide Brandteigböden gleichzeitig in den Ofen schieben kann? Kein Problem – Brandteig kann stehen. Und wenn die Windbeutel misslingen? Man kann den Teig beliebig oft neu aufspritzen.
Auch beim Teig für die Maritozzi geht es mir so: Es würde zeitlich besser passen, den Vorteig über Nacht in den Kühlschrank zu stellen – zwei Sätze weiter schlägt die Autorin genau das als Alternative vor. Und wie ist dann die Weiterverarbeitung? Hinweis: mehr Zeit und wärmere Teigzutaten einplanen, damit der Teig in Gang kommt.
Die Rezepte sind sehr kreativ. Geschmacklich haben mich die Schoko-Chip-Cookies mit Miso-Walnüssen sowie der Schokokuchen mit Ricotta, Haselnüssen und Orangenmarmelade begeistert. Auch die herzhafte Linzer-Tarte gelingt auf den Punkt: Für den Parmesan-Oliven-Teig pochiere ich Eigelbe, die Tomatenkonfitüre wird drei Stunden geköchelt, die fertige Tarte ist der Renner auf dem Buffet. Der Brandteig für die Karpatka gelingt dank der perfekten Anleitung (so lange abbrennen, bis der Teig 85 °C erreicht – warum, erklärt das Kapitel zur Stärkeverkleisterung).
Was mir außerdem sehr gut gefällt: Am Ende der Rezepte steht, wie lange sich das Gebäck hält und wie es am besten aufbewahrt wird.
Wer Nicola Lamb aus ihrem Newsletter „kitchen project“ kennt, wird vielleicht überrascht sein, dass das Buch anders aufgebaut ist. Dort variiert sie mit großem Eifer ein Rezept und zeigt, was passiert, wenn einzelne Zutaten ausgetauscht werden. Mich stört das nicht; der Mehrwert des Buches liegt für mich klar im Theorieteil und in den präzisen Rezepten – die Quintessenz des Newsletters.
Ein kleiner Wermutstropfen: Die Rezepte sind immer auf recht kleine Formen (z. B. 20 cm) ausgelegt; auch die Hähnchen-Gemüse-Pie ist nur für 2–3 Personen berechnet. Ich backe gerne in 24-cm-Formen und muss daher immer umrechnen – eine Tabelle habe ich nicht entdeckt.
Eventuell irritieren die vielen Dessertrezepte in einem Buch mit dem Titel „Die Chemie des Backens“; ich hätte mir das ein oder andere Brotrezept gewünscht. Crème double kommt häufig vor – ist aber in Deutschland nicht erhältlich. Dank des Hinweises auf den Fettgehalt lässt sie sich jedoch aus Sahne und Mascarpone mischen.
Der Autorin ist ein geniales Backbuch gelungen, das keine Frage offenlässt und auf jeder Seite Leidenschaft und Kreativität fürs Backen versprüht. Ich werde mich noch lange damit beschäftigen.
Die farblich markierten Seiten erleichtern die Orientierung, und dass die detailliert erklärten Grundtechniken im Rezeptteil jeweils mit Seitenverweis wieder aufgegriffen werden, ist schlicht großartig. Dieser lehrbuchartige Aufbau macht selbst trockene chemische Zusammen-hänge nachvollziehbar. Grafiken, Step-by-Step-Fotos und Lambs gewohnt greifbare Art – be-kannt aus ihrem Blog Kitchen Projects – schaffen schnelles Verständnis.
Optisch ansprechend, unterhaltsam geschrieben und mit fachlicher Tiefe bietet das Buch Ge-nuss auf mehreren Ebenen. Der Marmorkuchen etwa hat sich direkt auf die Geburtstagstafel meines Sohnes geschlichen – die saure Sahne im Teig und das raffinierte Schokotopping heben ihn auf ein neues Level. Und so geht es mir bei vielen ihrer Rezepte.
Die Zielgruppe ist erstaunlich breit: Anfänger*innen profitieren von präzisen Zeitangaben, Grammangaben, Umluft- und Ober-/Unterhitze-Temperaturen und kaum vorhandenen Leerstel-len, während Profis gleichzeitig zur eigenen Rezeptentwicklung angeregt werden. Zutaten sind meist gut erhältlich, einzig Heavy Cream bzw. Crème Double ist hierzulande schwieriger zu finden.
Besonders gelungen ist die Einteilung nach Zeitaufwand: So lässt sich gut planen, ob man sich für ein kurzes Feierabendprojekt oder ein aufwändigeres Backvorhaben entscheidet – und alle Ergebnisse überzeugen mit Qualität und Geschmack.
The Elements of Baking
Wie du jedes Rezept glutenfrei, ohne Milch, ohne Eier oder vegan zubereiten kannst
Autor/-in: Katarina CermeljVerlag: AT Verlag
Das Rezept für einen Schokoladenkuchen – fantastisch feucht und wunderbar dekadent. Ein Traum! Doch der erste Blick auf die Zutatenliste zeigt, dass Menschen mit Nahrungsmittelallergien oder -intoleranzen den Kuchen nicht essen können. Weil er Eier … [weiterlesen]
Preis: € 49,00
Begründung der Jury:
„X-frei“ – so nennt die Autorin ihre wahlweise gluten-, milch- oder eifreien bzw. veganen Rezepte. Sie bezieht sich dabei einerseits auf ihre Grundrezepte im Buch, die übersichtlich in Tabellenform präsentiert werden und in jeder beschriebenen Variante nachgebacken werden können, andererseits ist es ihr ein großes Anliegen, die Leser zu befähigen, eigene Rezepte – etwa Familienklassiker – in eine „x-freie“ Version zu überführen, „wissenschaftlich fundiert“ und anhand konkreter Regeln zu Austausch und Ergänzung von Zutaten.
Das Buch enthält 150 Rezepte; jedes davon kann mithilfe der Abwandlungsregeln in beliebiger x-freier Version gebacken werden.
Im Kapitel „Fallstudien“ dekliniert die Autorin 14 Basic-Rezepte und deren Abwandlungen durch. Mir gefallen die Fotos, die dokumentieren, wie sich unterschiedliche Varianten auf Krume, Kruste und Optik auswirken.
Nach den Fallstudien folgen Kapitel zu den jeweiligen „x-freien“ Varianten mit weiteren Informationen und Rezepten.
Immer wieder fällt die etwas eigentümliche Übersetzung auf: Begriffe wie „Zusammensetzungsformel“ oder „Durchfeuchtung“ wirken ungewohnt; hier spricht man eher von Teigausbeute (TA) oder Hydration. „Butterkuchen“ ist in Deutschland ein Hefekuchen vom Blech; „zottig“ ist nicht die naheliegendste Beschreibung für veganen Blätterteig. Auch (vegane) Crème double ist hier nicht erhältlich, kommt aber häufig vor – lässt sich mit etwas Recherche nachbauen.
Obwohl die Autorin sich um Komfort bemüht (Flussdiagramm – Regeln – Fallstudien), lohnt es sich, genau hinzusehen. Die Information zur fehlenden Maillard-Reaktion und dem Einsatz von braunem Zucker bei milchfreien Kuchen findet sich nur zufällig im Kapitel „Milchfrei“.
In den Fallstudien sind viele Hinweise enthalten, die auch für Leser ohne Interesse an Abwandlungen spannend sind, etwa neue Mischmethoden für Brownies oder Cupcakes oder der Effekt von flüssiger bzw. weicher Butter auf Cookies. Sehr hilfreich fand ich z. B. das Rezept für eifreien Mürbeteig.
Beim Rezept der veganen Blätterteig-Pastete fällt auf, dass nicht traditionell touriert wird – ein Blitzblätterteig mit zweimaligem Falten soll reichen. Mein Teig wird allerdings nicht besonders blättrig.
Weiter geht es mit milchfreien Cupcakes; dort fällt auf: Auf dem Foto werden zwei Ringe Frosting aufgespritzt, das Rezept sieht aber nur einen vor – dafür ist die Apfelmasse zu üppig bemessen.
Dann wage ich mich an das „Herzstück“ des Buches: Ich wandle den Nuss-Bananenkuchen meiner Kindheit in eine milch- und eifreie Variante um. Es werden keine Leinsameneier benutzt (die Autorin erklärt warum), ich entscheide mich für Öl und Pflanzendrink. Leider fehlt die Teiganleitung – man muss zur Fallstudie blättern. Der Teig ist dann aber blitzschnell zusammengerührt, der Kuchen gelingt hervorragend.
Der Autorin ist ein einzigartiges Backbuch gelungen, das nicht nur für Menschen mit Allergien wertvoll ist, sondern Wissen bietet, das alle Backinteressierten weiterbringt.
Inhaltlich richtet es sich klar an fortgeschrittene Bäcker*innen, die wissenschaftlich interessiert sind, und an alle, die Alternativen zur Verwendung von Ei, Mehl und Laktose suchen. Aus einer überschaubaren Basis an Rezepten entstehen durch zahlreiche Varianten beeindruckend viele Möglichkeiten. Die ausführlichen Erklärungen, präzisen Portions- und Zeitangaben sowie die praktischen Umrechnungsformen zeigen den Anspruch, ein echtes Grundlagenwerk für die eigene Rezeptentwicklung zu sein.
Viele Zutaten – etwa Xanthan, Sorghum-, Hirse- oder Tapiokamehl – sind im glutenfreien Backen wichtig, aber nicht immer leicht erhältlich. Trotz der Fülle an Wissen hat mich das Buch persönlich nicht riesig zum sofortigen Backen motiviert – als Nachschlagewerk ist es jedoch äußerst wertvoll.
Kleine Kuchen
50 süße Rezepte für kleine Formen. Köstliche Backrezepte für Mini-Kuchen, kleine Torten & mehr. Von Schoko-Torte bis Gugelhupf
Autor/-in: Bernadette WörndlVerlag: DK Verlag Dorling Kindersley
Kleiner Kuchen – ganz großer Genuss!• 50 Rezepte für Mini-Kuchen, kleine Torten & mehr• Backen für jeden Anlass: Köstliche Küchlein für Alltag, Feste oder Kaffeeklatsch• Aus Groß mach Klein: So wandelst du deine Lieblings-Rezepte mühelos … [weiterlesen]
Preis: € 19,95
Begründung der Jury:
Die Rezeptauswahl ist sehr kreativ: Es gibt viele saisonale Rezepte, Weihnachtliches, Torten, Obstkuchen, Tartelettes … Mir gefällt außerdem sehr gut, dass viele unterschiedliche Cremes (Mascarponecreme, Frischkäsecreme, Buttercreme, mehrere Schokocremes) und Teige vorkommen – mal nur mit Olivenöl, dann mit einer Kombination aus Butter und Öl oder auch mit Ricotta. Manche Rezepte sind vegan oder glutenfrei. Die Zutaten sind sehr hochwertig; Rohkakao oder Muscovadozucker kommen zum Einsatz und häufig der Abrieb von Zitrusfrüchten. Auf Hilfsmittel wie Puddingpulver, Sahnesteif, Gelatine oder Convenienceprodukte wird verzichtet. Außerdem hält die Autorin häufig einen kleinen Twist parat: Die vegane Schokocreme wird mit Orangenabrieb und Zimt aromatisiert, im weihnachtlichen Gewürzkuchen finden sich Rosmarinnadeln, und viele Kuchen bekommen durch Olivenöl eine leicht fruchtige Note und eine weiche, saftige Konsistenz. Auch die genaue Beschreibung der Rezepte sorgt für einen reibungslosen Ablauf beim Nachbacken.
Hinten im Buch findet sich eine Tabelle, die Vorschläge für Kombinationen der Kuchen mit den verschiedenen Cremes und Glasuren liefert. Außerdem gibt die Autorin wertvolle Tipps zum Gelingen der Cremes, zu Dekoideen und – was mir besonders gut gefällt – vier kurze Rezepte für ganz unterschiedliche Schokoladenglasuren. Hier wird wirklich an alles gedacht, damit selbst kreativ gebacken werden kann. Wichtige Tipps zur Lagerung der Kuchen (fast nie im Kühlschrank!) finden sich zu Beginn des Buches.
Handwerklich stehen die Kuchen ihren großen Geschwistern in puncto Aufwand jedoch in nichts nach: Kürbis und Süßkartoffel werden im Ofen gegart und zu Püree verarbeitet, für die Pastéis de Nata wird der traditionelle portugiesische Zuckersirup gekocht oder für Cupcakes eine Pistazien-Swiss-Meringue-Buttercreme hergestellt. Und auch die Backzeit ist ähnlich lang wie bei großen Kuchen; der Gewürzkuchen mit Baiserkrone bleibt sogar 90 Minuten im Ofen. Wie gut, dass die Autorin in der Einleitung Tipps zum Verdoppeln (oder kleiner Backen) gibt – so kann nach Belieben, auf Vorrat oder für Gäste gebacken werden. Auch ich habe das Rezept für die Pumpkin Pies erfolgreich verdoppelt und in einer 24-cm-Form nachgebacken.
Sehr kreative Ideen hat die Autorin außerdem für den Fall, dass keine passenden Backformen zur Hand sind: Metalldosen, kleine Holzkistchen, Milchkartons aus Pappe – solange kein Plastik verarbeitet ist, kann hier recycelt werden.
Nachdem mir der Süßkartoffel-Swirl-Cake leider misslungen ist, backe ich direkt den nächsten Kuchen. Diesmal möchte ich es wissen und suche mir ein veganes Rezept mit Vollkornmehl und Leinsamen-Ei-Ersatz aus. Ob das wohl funktioniert? Die Sorge ist unbegründet: Nach 60 Minuten ziehe ich einen perfekten Zucchinikuchen aus dem Ofen – wunderbar saftig, aber nicht klitschig; würzig durch Orangenabrieb und Zimt und oben sogar knusprig. Perfekt! Niemand schmeckt das Vollkornmehl oder dass das Rezept vegan ist. Das wird mein neuer Standard-Zucchinikuchen. Auch der Pumpkin Pie in doppelter Größe ist sensationell lecker, abgeschmeckt mit Orangenabrieb, Lebkuchengewürz und Pekannüssen. Dazu serviere ich die Mascarponecreme von der Heidelbeertorte.
Jetzt ist noch die Schokotorte mit Kirschen an der Reihe, bei der mich am meisten interessiert, ob sich so eine kleine Menge Schokocreme – wie im Rezept steht – überhaupt in der Küchenmaschine zubereiten lässt. Für die Creme wird erst Butter und Kakao cremig gerührt und dann schrittweise eine abgekühlte Schokoladenganache dazugegeben. Das dauert zwar, gelingt aber dank der Hinweise im Rezept zu Aussehen und Konsistenz der Creme einwandfrei. Die Creme ist nicht sehr süß, passt aber wunderbar zur Kombination aus Schokoboden und Kirschfüllung.
Auch der Melasse-Gugelhupf, für den viel frischer Ingwer mit Wasser püriert wird und der herrlich unkompliziert im Mixer zubereitet wird, gelingt würzig und lecker.
Ich probiere den Süßkartoffel-Swirl-Cake noch einmal aus, habe mir sogar extra die passende Gugelhupfform besorgt, aber wieder wird der Kuchen klitschig und sackt nach dem Backen zusammen. Im Rezept wären hier eventuell genaue Grammangaben hilfreich gewesen: Wie viel Milliliter Saft hat die Bio-Orange? Wie viele Gramm gebackene und pürierte Süßkartoffel kommen schlussendlich in den Teig?
Das sind jedoch meine einzigen Kritikpunkte. Bernadette Wörndl ist ein wundervolles Backbuch gelungen, das für jeden Anlass das passende Rezept liefert.
Die Fotos sind wunderschön und machen sofort Lust aufs Nachbacken. Besonders die Auswahl an kleinen Gebäcken wirkt frisch und unverbraucht – man hat nicht das Gefühl, die Rezepte schon hundertmal gesehen zu haben. Die internationalen Einflüsse bringen spannende Kombinationen, die dennoch zugänglich bleiben. Allerdings setzen manche Rezepte ein gewisses Grundverständnis fürs Backen voraus.
Die kurze Materialkunde zu Beginn ist hilfreich, könnte im Layout aber etwas übersichtlicher sein. Auch eine umfangreichere Umrechnungstabelle wäre sinnvoll gewesen – gerade weil das Buch das Thema „kleine Kuchen für kleine Runden“ so charmant aufgreift. Die vorhandenen Hinweise sind gut, hätten aber durchaus noch weiter ausgeführt werden dürfen. Die Verwendung von TL-Angaben ist nachvollziehbar, birgt aber ein gewisses Fehlerrisiko.
Positiv fällt auf, dass alle Zutaten gut erhältlich sind; alternative Mehle wie Buchweizen oder Reis sind mittlerweile ohnehin Standard im Reformhaus.
Weniger alltäglich sind dagegen manche Backformgrößen, vor allem bei Kastenformen – hier muss man gegebenenfalls nachrüsten. Sehr gelungen ist wiederum die Tabelle am Ende des Buchs, die verschiedene Cremes vorstellt und passende Kombinationen mit den Kuchen empfiehlt.
Backen macht Freude
Seit fast 100 Jahren die ultimative Backbibel fürs Leben. Mit ausführlichem Ratgeber und über 400 klassischen sowie modernen Rezepten.
Verlag: Dr. Oetker - ein Verlag der Edel Verlagsgruppe
Das Standardwerk für gutes BackenSeit 1930 und mit rund 30 Millionen verkauften Exemplaren ist „Backen macht Freude“ ein zuverlässiger Begleiter, wenn es um Kuchen, Torten & Co. geht. Regelmäßig komplett überarbeitet, liefert das Standardwerk … [weiterlesen]
Preis: € 29,90
Begründung der Jury:
Im ersten Kapitel „Basiswissen Backen“ geht es um einzelne Zutatengruppen und deren Verarbeitung, etwa übersichtliche Anleitungen zum Temperieren und Weiterverarbeiten von Kuvertüre. Auch die „Pannenhilfe“ bietet gute Erklärungen, sollte einmal etwas misslingen.
Die Rezepte enthalten hin und wieder typische Aromen aus kleinen Fläschchen oder Hilfsmittel wie Sahnesteif oder Tortencremepulver. Mich stört das nicht; es passt zum Buch, und es gibt genügend Rezepte ohne.
Am Anfang jedes Kapitels gibt es mehrere Grundrezepte mit Varianten, die häufig vegan oder glutenfrei sind. Mir gefällt das vegane Käsekuchenrezept – statt einfach vegane Ersatzprodukte für Quark und Sahne zu verwenden, wird eine Masse u. a. aus Cashewkernen und Seidentofu glatt gemixt; auch auf den Fettgehalt veganer Margarine wird hingewiesen.
Im Tortenkapitel gibt es verschiedene Biskuitgrundrezepte und Varianten für Sahne- und Buttercremetorten.
Leider gelingt mir der Schokobiskuit nicht so gut wie erhofft: Er wird mit vier Eiern auf 26 cm gebacken und wird nicht hoch genug, um ihn in drei Böden zu teilen. Auch ist er etwas trocken. Im Rezept wird der Kakao zusätzlich zum Mehl verwendet und nicht wie üblich ein Teil des Mehls durch Kakao ersetzt – vielleicht liegt es daran.
Dafür gelingt die Schokosahnecreme sehr gut, und dank der guten Anleitung und der Tipps steht am Ende eine hübsche Torte auf der Kaffeetafel.
Das Kapitel mit Weihnachtsgebäck enthält naturgemäß die meisten traditionellen Rezepte, aber auch Neues wie Lebkuchen-Macarons oder moderne weihnachtliche Torten. Es gibt viele herzhafte (Brot-)Rezepte; manche enthalten sehr viel Hefe (ein Würfel auf 400 g Mehl beim Laugengebäck), dafür darf der Pizzateig 24 h gehen.
Positiv ist die moderate Verwendung von Zucker: Viele Klassiker sind auch schon in der Ausgabe von 1960 enthalten, die ich ebenfalls besitze – die aktuellen Rezepte kommen jedoch mit deutlich weniger Zucker aus. Auf rohes Ei wird weitgehend verzichtet; die Käse-Sahne-Torte wird nicht klassisch mit Eigelb, sondern mit Gelatine gebunden, der Kalte Hund kommt ebenfalls ohne Eigelb aus.
Neben Klassikern sind Trendrezepte enthalten: eine Torte im Ombré-Look, ein Fault-Line-Cake, Poke-Cakes, Cupcakes, Pizza aus Blumenkohlboden.
Der Verlag verzichtet auf eine Einteilung nach Schwierigkeitsgrad; Zubereitungs- und Backzeit sind jedoch angegeben. Eine Übersicht zu Kerntemperaturen oder Informationen zum „All-in-Teig“ hätte ich hilfreich gefunden.
Das Buch enthält ein sehr breit gefächertes Rezeptrepertoire und schafft es dennoch, die wesentlichen Schritte und Hinweise zu benennen und auch Einsteigern gute Hilfestellung zu geben. Toll: Zu jedem Rezept gibt es ein Bild, dazu zahlreiche Zubereitungsschritte. Ein Standardwerk, das in jede Küche gehört!
Die Auswahl der Rezepte ist groß und breit gefächert: von traditionsreichen Kuchen bis hin zu zeitgemäßen Gebäcken. Während die nostalgischen Kapitel richtig Charme versprühen, geraten manche der modernen Kreationen etwas kitschig – hier verliert das Buch stellenweise die authentische Linie, die sich ansonsten so angenehm durchzieht.
Dass in vielen Rezepten typische Dr.-Oetker-Produkte wie Puddingpulver oder Mohnbackmasse verwendet werden, überrascht wenig und passt zum Charakter der Reihe: unkompliziert, schnell, zuverlässig. Wer handwerkliche Tiefe, Technik oder Materialkunde sucht, wird hier zwar nicht üppig fündig, doch das Buch richtet sich ohnehin eher an Hobbybäcker*innen, die ohne viel Aufwand schöne Ergebnisse erzielen wollen. Für Profis bleibt es trotzdem interessant – allein schon aufgrund seines nostalgischen Flairs.
Punkten kann die Neuauflage außerdem mit ihrer klaren Rezeptgestaltung, nummerierten Anleitungen und hilfreichen Varianten, die auch glutenfreie und vegane Optionen einschließen. Insgesamt ist „Backen macht Freude“ ein sehr zugänglicher, bodenständiger Backbegleiter, der Altbewährtes feiert und zugleich einen Hauch Gegenwart hineinbringt – auch wenn diese nicht immer ganz stilsicher ausfällt.
Einfach backen mit Wow-Effekt
Kleiner Aufwand, großer Genuss
Autor/-in: Jasmina KufferVerlag: ZS - ein Verlag der Edel Verlagsgruppe
Zuckersüß und genial dekoriertWas einst ganz traditionell in Omas Küche mit dem Backen von Weihnachtsplätzchen und Sonntagskuchen begann, ist für Jasmina Kuffer zum leidenschaftlichen Hobby geworden. Die kleine Naschkatze von damals hat mittlerweile … [weiterlesen]
Preis: € 25,00
Begründung der Jury:
Wo ich mir etwas mehr Abwechslung bei den Cremes, bei den Teigen und mehr Kreativität im Geschmack gewünscht hätte, setzt die Autorin auf den optischen Wow-Effekt – und der wird vielen Nachbäckern dank der guten Basic-Rezepte und des verlässlichen Geschmacksprofils sicher gelingen.
Die „Trendrezepte“ sind teilweise Klassiker, die optisch neu interpretiert werden (Mini-Eierlikörtörtchen, kleine Maulwurfkuchen, Donauwelle als Torte …). Geschmacklich bzw. bei den verwendeten Zutaten und Komponenten (häufig Buttercreme) bleibt die Autorin den traditionellen Rezepten treu – das liefert zuverlässig die bekannten, erhofften Ergebnisse und wird besonders Backneulinge begeistern, die mit wenig Abkürzungen tatsächlich Ergebnisse mit „Wow-Effekt“ erzielen. Dazu kommen weitere Trendgebäcke wie Cronuts, Cookie-Croissants und Ähnliches.
Ich hätte mir den „Wow-Effekt“ auch geschmacklich häufiger gewünscht – zum Beispiel mehr Raffinesse beim Abschmecken durch Gewürze, Zitrusschale oder geröstete Nüsse. „Zuckersüß“ ist zudem Programm: Die Rezepte enthalten reichlich Zucker. Besonders auffällig ist die Frankfurter-Kranz-Biskuitrolle, deren Buttercreme doppelt so viel Zucker enthält wie vergleichbare Rezepte. Auch die Schoko-Cookies mit gebräunter Butter sind sehr süß, aber auch wirklich lecker. Das Rezept funktioniert einwandfrei. Der Schokobiskuit gelingt sehr gut, wird schön hoch und saftig. Die Stracciatella-Himbeer-Schnitten werden begeistert verspeist und sind dank der guten Anleitung schnell und einfach zu backen.
Toll sind die doppelseitigen Einschübe mit Dekotipps für interessante Effekte (frittiertes Reispapier oder genaue Anleitungen für unterschiedliche Drips). Gefreut hätte ich mich noch über mehr als ein Rezept für die Buttercreme mit gezuckerter Kondensmilch, die als Basisrezept vorgestellt wird. Insgesamt finden vor allem Backeinsteiger sehr gutes Grundlagenwissen, moderne, zuverlässig funktionierende Rezepte und Klassiker in neuem Gewand.
Inhaltlich konzentriert sich vieles stark auf den optischen Effekt. Fertige Produkte wie Schaumküsse, Raffaello oder Snickers liefern zwar schnelle Ergebnisse, bieten aber gerade erfahrenen Bäckerinnen wenig Inspiration. Auch die selbstgefertigten Dekorationsideen wirken etwas verstreut im Buch verteilt; eine klare Struktur hätte hier gutgetan.
Unklar bleibt mir insgesamt, an wen sich das Buch richtet: Für Anfänger*innen fehlen essenzielle Grundlagen, während Fortgeschrittene wenig Neues entdecken – zumal manche Ergebnisse, wie der schliffig wirkende Zitronenkuchen oder sehr dick ausgerollter Mürbeteig für den Streuselkuchen, mich fachlich nicht ganz überzeugen.


