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Die besten vegetarischen Kochbücher

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Krautkopf (Erweiterte Neuauflage)
Der Deutsche Kochbuchpreis - GOLD

Ø 9.1

Krautkopf (Erweiterte Neuauflage)

Vegetarisch kochen und genießen

Autor/-in: Verlag: Hölker Verlag

Genussvoll vegetarisch kochen
• Vielfältige vegetarische Rezepte mit saisonalen Zutaten• Erweiterte Neuauflage mit 25 neuen Gerichten• Hochwertige Gestaltung mit einzigartiger Food-Fotografie• Für Genießer, die natürliche und kreative Küche … [weiterlesen]

Begründung der Jury:

Wer auf Instagram unterwegs ist, kennt Susann & Yannic, die „Krautköpfe“, bereits. Früher in Berlin, heute auf dem Land an der Ostsee, zeigen sie eine weltoffene, saisonal gedachte vegetarische Küche – mal einfach, mal komplex, aber immer raffiniert.
Das Buch beginnt mit Frühlingsrezepten und führt dann durch die vier Jahreszeiten.
Eines der ersten Rezepte ist gleich ein Knaller: Sobanudeln mit gebratenem Tofu. Die Zutaten sind äußerst raffiniert zusammengestellt: Sojahaut, Tamari-Sauce und Gewürze wie Zimt, Kreuzkümmel, Koriander, Fenchel und Anis. Die Nudeln aus 100 % Buchweizen und Tofu in bester Bio-Qualität runden das Gericht ab.
Einige Zutaten gibt es nur in Großstädten – die Autoren empfehlen daher den Onlinekauf. Hat man alles in der Küche, ist das Rezept schnell gemacht und verdeutlicht bestens die Krautkopf-Philosophie.
Die ganzseitigen Fotos im Urban-Country-Stil, ergänzt durch Landschaftsbilder und Porträts der Autoren, sind sehr ansprechend.
Im Frühsommer-Rezept verbinden sich weißer Spargel, dicke Bohnen, getrocknete Tomaten und geräuchertes Paprikapulver zu einer Fusionküche der Extraklasse.
Eines der ungewöhnlichsten Burger-Rezepte ist der Teriyaki-Burger, dessen Brötchen in einem Bambuskörbchen gedämpft werden. Das Innenleben: Mairübchensalat, Chiliketchup, Teriyaki-Sauce, Erdnusssauce und ein Tofu-Patty.
Suppen wie die Thai-Kokossuppe begeistern ebenso wie die Desserts – authentisch, kreativ und außergewöhnlich, etwa die Dunkle-Beeren-Basilikum-Torte. Das Foto dazu könnte eingerahmt in einer Galerie hängen: Spitzenklasse!
Fazit: Ein großartiges Kochbuch mit Rezepten auf Spitzen-Niveau. Sehr empfehlenswert.
Hach, was für ein schönes Buch! Hochwertig verarbeitet, das Papier in einer angenehmen Stärke, edel und schlicht in der Aufmachung, die Rezeptfotos durchweg eine Augenweide, dazwischen stimmungsvolle Naturfotos in gedämpften Farben. Die Rezepte sind nach Jahreszeiten aufgeteilt, teilweise mit persönlichen Anekdoten versehen, klar strukturiert und durch die detaillierten Beschreibungen gut für alle machbar. Die fehlenden Zubereitungszeiten hätten das Ganze noch optimiert.
Symbole für vegan, laktosefrei und glutenfrei sowie das nach Zutaten sortierte alphabetische Register erleichtern die Rezeptsuche. Mir gefällt, dass komplett auf weißen Zucker verzichtet wird und ausschließlich frische Zutaten verwendet werden – das alles in großer Vielfalt und ohne dogmatisch rüberzukommen. Ein inspirierendes Buch, das Lust auf gesunde, alltagstaugliche, abwechslungsreiche vegetarische Küche macht und sicherlich auch Nichtvegetarier mit seiner Herangehensweise und Rezeptauswahl überzeugt.
Sie sind Blogger, lieben Essen und Fotografie – und das merkt man der erweiterten Neuausgabe ihres „Krautkopfs“ auch an. Susann Probst und Yannic Schon reisen geschmacklich und optisch durchs Jahr. Viele Gerichte haben einen asiatischen Einschlag, manche aber auch mediterrane Noten und Levante-Einflüsse – oder sind deutsche Klassiker.
Allen Rezepten gemein ist, dass sie gut strukturiert sind, keine Fragen offenlassen und viele Tipps enthalten – zum Beispiel das Verbrennen von Chilis für ein rauchiges Aroma. Die Bandbreite reicht vom Teriyaki-Burger über Mandelgnocchi alla Romana und klassisches Pilzragout mit Semmelknödeln bis zu Rote-Bete-Ravioli mit Orangen-Walnuss-Butter.
Die Autoren jonglieren dabei gekonnt mit Kräutern und Gewürzen – von Bärlauch bis Szechuanpfeffer. Und zum Dessert gibt es viele tolle Kuchen und Süßspeisen.
Vegetarische Küche next level! Die Ästhetik hat was von Coffee Table Book, allerdings wäre es vermessen, das Kochbuch zum Wohnaccessoire zu degradieren. Die Fotos sind wunderschön, teilweise fast schon ein wenig kitschig-nostalgisch, wenn Susann Probst und Yannic Schon mit Korb zum Pilze sammeln und Äpfel pflücken ausrücken oder mit Zimtkranz und Tee am Wasser sitzen. Im Mittelpunkt stehen aber trotzdem ganz klar die Rezepte, die allesamt nach nachkochen schreien. Vieles fällt für mich eher in die Kategorie Wochenendküche (nämlich dann, wenn Nudelteige selbst hergestellt oder von 200 g Rosenkohl jedes einzelne Blättchen abgelöst werden soll) und auch manche Zutaten sind nicht leicht zu bekommen (Stichwort Sojahaut, Wildspargel, Rosenkohlschossen und Urdbohnen). Alltägliche Gerichte waren bei diesem Buch aber auch nicht der Anspruch.
Manchmal ist es schön, wenn jemand mit der Tür ins Haus fällt – bzw. mit einer Wildkräuter-Polenta ins Kochbuch startet. Die beiden Autoren und Blogger haben jedenfalls ein Händchen dafür, ohne viel Tamtam in ihr jahreszeitlich orientiertes Kochbuch zu starten und mich mit ihren ästhetischen Food-Fotos und wunderschönen Moods sogar für den Herbst zu begeistern. Als erstes auserwählt und gebacken habe ich den Möhrenkuchen mit Cashewkern-Topping, der noch saftiger und aromatischer schmeckt, als er sich liest. Von mir aus kann jetzt auch der Winter kommen. Da warten schon der Regenbogensalat mit Orangen-Tahin-Dressing und zum Nachtisch die Birnen-Schoko-Tarte mit Karamell.
Leaf to Root – Express
Der Deutsche Kochbuchpreis - SILBER

Ø 8.8

Leaf to Root – Express

Von Blatt bis Wurzel. Einfache Rezepte für spezielle Gemüseteile

Autor/-in: Verlag: AT Verlag

»Leaf to Root« ist das »Nose to Tail« für Gemüse. Wie beim Fleisch, wo das Filet nicht zwingend das beste Stück ist, eröffnen sich auch beim Gemüse neue Dimensionen abseits der klassischen Teile. Esther Kern, Journalistin und Autorin, vermittelt … [weiterlesen]

Begründung der Jury:

Aus Esther Kerns Sicht sollte ein Kochbuch immer mehr als eine Rezeptsammlung sein. Das ist ihr mit dieser inspirierenden Lektüre auf jeden Fall gelungen. Fast 300 Seiten, in denen sich alles um das kulinarische Potenzial dreht, das in Blättern, Wurzeln, Schalen und Kernen von Obst und Gemüse schlummert.
Fenchelstängel-Chutney, Gurkenkern-Cremolata, Karottenkraut-Pesto (sehr lecker!) – man wird immer wieder überrascht, was alles möglich ist. Und das nicht nur mit Rezepten der Autorin, sondern auch mit Gastrezepten von Kochprofis und Gemüseexpert*innen.
Zu all den innovativen, ohne großen Aufwand umsetzbaren Rezepten erhält man außerdem ausführliche Infos zu Giftigkeit, Pestiziden, Gesundheit – und sogar den unreifen Früchten wird ein Kapitel gewidmet. Ich kam beim Lesen aus dem Staunen nicht mehr heraus.
Die Aufmachung ist unaufgeregt, klar strukturiert, nach Gemüse- und Obstsorten sortiert, mit wunderschönen schlichten Fotos, die dem Buch eine gewisse Leichtigkeit geben. Wie wohl der Bananenschalenkuchen schmeckt? Ich werde ihn testen. Die Neugier auf eine kulinarische Abenteuerreise ist geweckt.
Esther Kern treibt die Verarbeitung vermeintlicher Obst- und Gemüseabfälle – von ihr „Second Cuts“ genannt – in ihrem Zweitlingswerk „Leaf to Root Express“ auf die Spitze. Nämlich so weit, dass man sich spätestens ab dem vierten Kapitel (nach karamellisierten Apfelkernen, Bananenschalen-Kuchen, knusprigen Blumenkohl-Blattrippen und Erbsenschalen-Waffeln) fragt, was man eigentlich mit all dem übriggebliebenen Obst und Gemüse (also den eigentlichen und vermeintlichen „Filetstücken“) machen soll. Ein Kochbuch, das zum Reflektieren der eigenen Lebensmittelverwertung anregt und jede Biotonne überflüssig macht. Inspirierend (für Hobby- wie Profiköche), überraschend (Maisspindel-Gelee!), profund recherchiert (in über zehn Jahren „Leaf to Root“-Pionierarbeit) und – sofern man oft und viel Obst und Gemüse isst – absolut alltagstauglich.
Vor mehr als zehn Jahren setzte Esther Kern mit „Leaf to Root“ Maßstäbe und inspirierte Köche weltweit. Nun folgt die Express-Variante zu vermeintlichen Obst- und Gemüseabfällen für den Hausgebrauch. Die Gerichte und Getränke reichen vom einfachen Apfelschalen-Basilikum-Drink bis zum Randen- (Rote-Bete-)Blatt-Salat mit Blauschimmeleis. Viele der durchgängig gut strukturierten Rezepte wurden von Spitzenköchinnen und Spitzenköchen beigesteuert. Diese sind für die heimische Küche teils reduziert, was dem Genuss jedoch keinen Abbruch tut. Darüber hinaus lädt Kern mit einer Warenkunde zu den wichtigsten Obst- und Gemüsesorten vor allem zum Improvisieren und Experimentieren ein. Darauf einen Heidelbeer-Thymian-Spritz mit Verjus!
Von A wie Apfel über M wie Mais bis Z wie Zwiebel – Esther Kern verwendet in ihren Rezepten nur die Teile von Gemüse und Obst, die normalerweise im Fond oder auf dem Kompost landen. Es geht um less waste, aber ebenso um more pleasure.
Ihr erstes Buch zu diesem Thema erschien vor zehn Jahren und war damals ein Vorreiter der No-Waste-Bewegung. In dieser neuen Express-Ausgabe liegt der Fokus stärker auf kurzen, schnellen, einfachen Rezepten.
So wird aus Bananenschalen ein Kuchen, Blumenkohlrippen werden paniert und knusprig gebacken, und die Blätter des Blumenkohls werden zu einem Dip verarbeitet – eine großartige Idee des Zwei-Sterne-Kochs Paul Ivić, die bestimmt auch bei jüngerem Publikum gut ankommt.
Die Foodfotos sind schlicht und etwas eindimensional gehalten; manche Gerichte könnten appetitlicher in Szene gesetzt werden, etwa das Fenchelstängel-Chutney.
Warum hat unsere Gesellschaft verlernt, viele Gemüseteile zu essen? Kohlrabiblätter und -stängel lassen sich beispielsweise schnell zu Chips oder Kohlwickeln verarbeiten. Diese Form der Nachhaltigkeit ist zeitgemäß – und es ist großartig, dass Esther Kern immer wieder darauf hinweist.
Abschließend erklärt sie, welche Inhaltsstoffe giftig bzw. in hohen Mengen gesundheitsschädlich sind und wie viele Pestizide sich auf Blättern, Stielen und Schalen festsetzen können – ein wichtiger Diskurs für unsere Zeit.
Fazit: Ein Buch, das kreativ zeigt, was an Pflanzen und Obst alles essbar ist – ganz im Sinne von Nachhaltigkeit und Klimaschutz. Ein Buch zum Nachdenken über unseren Konsum.
Dass wir zu viel Essen wegwerfen, ist allgemein bekannt. Dass es dafür noch mehr leckere Lösungen gibt, haben wir der Schweizer „Gemüseaktivistin“ Esther Kern zu verdanken. In ihrem zweiten, wunderschön fotografierten Buch zum Thema „Von Blatt bis Wurzel“ legt sie uns ans Herz, den Apfel doch mit Haut und Haar zu verzehren – also zum Beispiel ein Getränk aus Apfelschalen zu fermentieren, einen Apérokuchen mit Kohlrabiblättern zu backen oder Zitronenzesten süßsauer einzumachen. Mir persönlich als Bio-Gemüsekisten-Abonnentin gefällt besonders, dass sie aus Kopfsalat Wickel und Öl macht. Frei nach ihrem Motto: nicht nur „less waste“, sondern vor allem „more pleasure“!
Grün. Warm. Gut.Blick ins Buch
Der Deutsche Kochbuchpreis - BRONZE

Ø 8.4

Grün. Warm. Gut.

Vegetarische Rezepte für die Seele

Autor/-in: Verlag: Callwey

Wärmend, sättigend und voller Geschmack – Grün. Warm. Gut. feiert die besten Wohlfühlgerichte der vegetarischen Küche. Ob cremige Suppen, herzhafte Eintöpfe oder neu interpretierte Klassiker wie Lasagne und Curry – dieses Buch beweist, dass … [weiterlesen]

Begründung der Jury:

Dieses Buch hat mich sofort abgeholt. Einfache, herzhafte, vegetarische Comfort-Food-Rezepte mit Zutaten, die überall erhältlich sind. Man findet sowohl Klassiker als auch Crossover-Gerichte – abwechslungsreich, raffiniert, aber durchaus gehaltvoll. Wer auf Kohlenhydrate und Fett verzichten möchte, wird hier eher nicht fündig. Das ist aber auch nicht der Anspruch dieses Buches.
Die Nahaufnahmen der Gerichte irritieren kurz, passen aber bei genauer Betrachtung perfekt zu dem quadratischen Buchformat und dem großen, gut lesbaren Schriftbild. Die Zubereitung ist klar strukturiert: kompakt auf einer Seite, sodass man sich ohne Umblättern zügig durch das Rezept arbeiten kann.
Das Austernpilz-Stroganoff war köstlich! Detaillierte Angaben zum Zeitaufwand (es werden sogar Ruhe- und Ziehzeiten angegeben) garantieren perfektes Timing. Und ein Lesebändchen ist zur Orientierung ebenfalls vorhanden. Für erfahrene Köche mag der sich über 20 Seiten erstreckende Theorieteil eher „hinten runterfallen“, für Kochneulinge jedoch bietet er wertvolle Tipps.
Alles in allem hält dieses Buch genau das, was es verspricht: unkomplizierte vegetarische Gerichte, die Körper und Seele wärmen.
Die Autorin verspricht „vegetarische Rezepte für die Seele“. Comfort Food oder Soulfood sind schließlich die kulinarischen Schlagwörter unserer Zeit.
Vor den Rezepten gibt es einige Grundlagenkapitel, etwa zur Aufbewahrung von Zutaten, zu den Jahreszeiten, zur Vorbereitung, zur Bedeutung von Käse oder zu Nährwerten – alles gut und übersichtlich erklärt.
Der Rezeptteil startet mit Dips, Pesto und Aufstrichen, also mit Gerichten, die sich gut vorbereiten lassen. Eine clevere Idee.
Im Kapitel Snacks & Fingerfood finden sich sehr raffinierte Rezepte wie die Brokkoli-Nuggets oder das käsige Pilz-Zupfbrot. Viele Rezepte sind ungewöhnlich – eine sehr abwechslungsreiche Sammlung.
Der Bohnensalat etwa wird mit Joghurt, Knoblauch, Gurke, Macadamianüssen und drei verschiedenen Kräutern angemacht: ein klares, leicht nachzumachendes Rezept mit guter Vielfalt.
Auch der gebratene Rosenkohl wird mit Miso, Sesam, Honig und Shoyu zur neuen Delikatesse. Ebenso kreativ ist das Rosenkohl-Curry mit Kichererbsen, Nüssen und Koriander.
Nach Pasta- und Kartoffelgerichten folgen im Kapitel Herzhaft gebacken noch einige gute Brotrezepte, etwa drei Focacce oder ein Jalapeño-Cheddar-Brot.
Alle Rezepte sind mit abwechslungsreich großen Foodfotos ergänzt – mal festlich, mal rustikal.
Fazit: Viele besondere Rezepte, ein toller Einstieg in die vegetarische Küche.
Ein Kochbuch wie eine warme Umarmung. Sandra Mühlberg schafft es, wie auch schon auf ihrem erfolgreichen Instagram Account, aus wenigen, aber genau den richtigen Zutaten glücklich machendes Comfortfood zuzubereiten. Vieles taugt – weil suppig, gratiniert, cremig gefüllt, mit herzhaft-sättigenden Komponenten – eher für die kalte Jahreszeit, als für die leichte Sommerküche, aber darum wohl auch der Titel. Das Cover hätte, passend zum Inhalt, durchaus ein speichelflussanregendes Foodporn-Foto vertragen, denn so könnt’s passieren, dass diejenigen, die Sandra Mühlberg nicht kennen, ein herrlich unkompliziertes Kochbuch verpassen, aus dem man augenblicklich jedes einzelne Rezept nachkochen möchte.
Willkommen im Comfort-Food-Himmel! Sandra Mühlberg, die mit ihren Rezepten normalerweise auf Instagram begeistert, verspricht jetzt auch mit ihrem ersten Kochbuch, Leib und Seele zu wärmen und Glücksgefühle zu erzeugen. Da ich mehr so der healthy Low-Carb-Typ bin, bleibe ich erstmal skeptisch. Aber nicht lange: Bei gebackenem Feta und Miso-Rosenkohl fange ich an, die ersten Post-its zu kleben, Ribollita und Austernpilz-Stroganoff sind die nächsten Kandidaten. Mit ihrem Makowiec, einem polnischen Mohnstrudel, hat sie mich endgültig in ihre Kuscheldecke gewickelt, denn den backt meine Mutter bis heute nach einem überlieferten Familienrezept. Und da stellt sich für mich kurz mal die Frage, ob es ein Zufall ist, dass ihre Oma – genau wie meine – Leokadia heißt.
Die Food-Influencerin Sandra Mühlberg will in ihrem ersten Buch für Comfort Food begeistern. Zu den Rezepten für die Seele gehören neben Fingerfood und schönen Toppings viele Klassiker, aber auch spannende Eigenkreationen wie Brokkoli-Pflaumen-Salat mit Mohndressing, Miso-Rosenkohl mit Orangen-Glaze oder Gochujang Mac’n’Cheese.
Gerade von Letzteren hätte man sich deutlich mehr gewünscht. Viele Gerichte sind aus meiner Sicht sehr konventionell, spielen kaum mit Garmethoden oder Gewürzen. Für Fertig-Gnocchi mit Champignon-Zwiebelsauce braucht kaum jemand ein Rezept, und für Hummus oder Focaccia gibt es deutlich bessere. Die gute Struktur und Optik reißen aber einiges raus. Ein schönes, solides Buch – vor allem für Anfängerinnen und Anfänger am Herd.
30 Pflanzen pro WocheBlick ins Buch

Ø 7.9

30 Pflanzen pro Woche

Das Kochbuch für ein langes gesundes Leben: Rezepte, die das Darm-Mikrobiom stärken

Autor/-in: Verlag: Brandstätter Verlag

Die Mikrobiomforschung zeigt: Es kommt darauf an, viele verschiedene Pflanzen zu essen.
Gemüse, Obst, Vollkorn, Hülsenfrüchte, Nüsse, Samen, Kräuter und Gewürze – essen wir eine möglichst große Vielfalt an Pflanzen pro Woche, tun wir unserem … [weiterlesen]

Begründung der Jury:

Wo Katharina Seiser draufsteht, muss man nicht lange überlegen, auch wenn der Titel im ersten Moment stutzig macht: Seiser als Gesundheitsapostel? Keineswegs. Denn wer die Journalistin und ihre Bücher kennt, weiß, dass Essen bei ihr mit einer unglaublichen Freude, Leichtigkeit und geschmacklichen Bandbreite einhergeht. Dass die Zutaten frisch und am besten Bio sein sollen, schwingt mit, aber nie mit erhobenem Zeigefinger. Der Theorieteil zu Beginn ist umfangreich und wichtig, um zu verstehen, wie das Konzept funktioniert und die nachfolgenden Rezepte zu lesen sind. Aber: Diese sind nicht neu. Eingeschworene Fans von Seiser und anderen namhaften Brandstätter-Autor:innen kennen sie bereits. Und: Rezepte mit zehn, 16 oder 22+ Pflanzen zeigen zwar eindrucksvoll, wie abwechslungsreich bereits ein einziges Gericht sein kann, haben aber auch eine entsprechend lange Zutatenliste und Zubereitungszeit.
Wie gut, dass der erste Eindruck oft täuscht. Auf der Suche nach einem Grünkohlrezept fand ich auf Seite 74 einen knusprigen Kohlsalat, der mir in der Subline aus dem Ofen versprochen wurde, tatsächlich aber im Topf frittiert wird. Nach kurzer Irritation und Orientierung gefällt mir der Ansatz von Autorin Katharina Seiser und ich lasse mich gern zu ihrem abwechslungsreichen Pflanzenprogramm anstiften. Die sachliche Einleitung ist informativ und kurzweilig zu lesen, der Wegweiser zur gesunden Ernährung überzeugend. Ihr Zwischenfazit „Es gibt viele Spielarten einer gesunden Ernährung, pflanzenbetont sind sie alle“ geht in die richtige Richtung – spielen klingt schließlich nach Spaß, und den spürt man beim Lesen. Genauso wie in der kunterbunten Rezeptmischung. Dass bei jedem Rezept die Zahl der Pflanzen angegeben wird, spornt zusätzlich an. Das letzte Wort: Der Grünkohlsalat war köstlich!
30 Pflanzen in der Woche auf den Speisezettel zu bekommen, um so das Darmmikrobiom zu stärken, ist mit den richtigen Rezepten kein Problem. Dieses Buch beweist es. Der Theorieteil mit Checklisten liest sich flüssig und ist verständlich erklärt, ohne dabei den Zeigefinger zu erheben. Der Rezeptteil hat mich jedoch nicht sehr überzeugt. Er enthält vieles, was man schon kennt: Rote-Linsen-Suppe, Borschtsch, Gazpacho, Bananenbrot, Möhrenkuchen – alles lecker, gesund und einfach zuzubereiten, keine Frage, aber eben auch nichts Neues. Das könnte daran liegen, dass die Rezepte nicht neu entwickelt wurden, sondern größtenteils aus bereits erschienenen Büchern bekannter Köch*innen stammen. Leider fehlen auch bei allen Rezepten die Zubereitungszeiten. Und dass im Theorieteil Wert auf Vollkorn gelegt wird, in den Rezepten aber Pitabrot und Baguette aus Weißmehl als Beilage aufgeführt werden, passt für mich nicht zusammen.
Mein Fazit: Lesenswert, wissenschaftlich fundiert, unaufgeregt und klar strukturiert. Die Rezepte hätte ich mir durchdachter, zeitgemäßer und mit mehr Raffinesse gewünscht – die Fotos übrigens auch. Für Kochanfänger sicherlich interessant, für ambitionierte Hobbyköche eher nicht so spannend.
„Essen soll nicht zum Problem werden, sondern Teil der Lösung.“ – dieser Grundgedanke zieht sich durch das Buch. Ziel ist es nicht, den Zeigefinger zu heben oder Verbote auszusprechen, sondern mit einer Mischung aus Fakten, Zahlen, Wissen und Rezepten bekannter Köchinnen zu vermitteln, dass gesunde Ernährung überwiegend pflanzenbasiert ist.
Entscheidend ist die Vielfalt unserer Nahrung. Daher wird in den Rezepten stets die Anzahl der verwendeten Pflanzen angegeben: Der indische Bauernsalat etwa enthält 13 Pflanzen, die marinierten Beten hingegen nur 6.
Die Kapitel sind unterteilt in kalt, warm und süß – gut gegliedert in Zutaten, Zubereitung und ganzseitiges Foodfoto.
Einige Fotos, wie etwa das des Kartoffel-Kibbeh, wirken spröde und „gesund“. Das Bild des Bulgurpilaws hingegen ist sehr appetitlich.
Das Buch enthält viel theoretisches Wissen, das gut und verständlich vermittelt wird. Die Ernährungstipps sind nachvollziehbar und motivieren dazu, das eigene Essverhalten zu überdenken oder anzupassen.
Dennoch lässt sich der Gesundheitsaspekt nicht völlig abstreifen; manche Rezepte und Foodfotos wirken etwas nüchtern und lassen Kreativität sowie „Süffigkeit“ vermissen.
Fazit: Ein sehr gut recherchiertes Buch über gesunde, vegetarische Ernährung mit vielen Fakten.
Katharina Seisers neuestes Werk ist aus früheren Büchern recycelt und basiert auf dem nach meinem Empfinden etwas missionarisch anmutenden Appell, möglichst viele Pflanzenarten zu essen. Auf 50 Seiten gibt es zunächst Begründungen dafür, praktische Tipps, um Partnerinnen oder Partner zu überzeugen, und eine Liste zum täglichen Abhaken. Einziger roter Faden der Rezepte ist in meiner Wahrnehmung, dass viele Pflanzensorten auftauchen. Dafür fehlt es oft an Zubereitungsmethoden, die den Geschmack intensivieren, oder an ausreichend Gewürzen. Am besten funktioniert das noch bei asiatisch oder arabisch inspirierten Gerichten wie Bulgur-Pilaw mit Maronen oder Papaya-Masala-Salat. Fragwürdig erscheint mir auch, dass zum Beispiel bei den Bratäpfeln schon ein Löffelchen Marmelade und etwas Zitronenabrieb als zwei Pflanzenarten gezählt werden.

Weitere Kochbücher zum Thema Vegetarisch aus den früheren Jahren:

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