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Die besten Kochbücher für deutsche Küche – 2021

präsentiert vonRegionalwert AG s
202220212020
Nanettes Kochbuch
Der Deutsche Kochbuchpreis - GOLD

Ø 7.8

Nanettes Kochbuch

Die gesammelten Rezepte einer Landbäuerin

Verlag: Ars Vivendi

Nanette Herz (*1927) war Ehrenkreisbäuerin des bayerischen Bauernverbandes, Hauswirtschafterin sowie Inhaberin und Köchin des Gasthauses Bauhof in Cadolzburg in Mittelfranken. Ihre Rezepte hinerließ sie in großen Kisten und Ordnern voller Rezepte. Aus diesem Schatz hat ihre Familie dieses Kochbuch entstehen lassen. Zu den 100 Rezepten traditioneller Hausmannskost gehören neben kalten Brotzeitplatten mit Obatzda und Presssack deftige Klassiker wie Schweinebraten und Kalbsschnitzel ebenso wie regionale Spezialitäten wie Bratwürste und Hochzeitssuppe.

Begründung der Jury:

Dieses Buch ist weit mehr als Nanettes Rezeptesammlung: Die außergewöhnliche Kombination von Erzählung und Rezeptesammlung lässt uns die Köchin Nanette auf ganz privater Ebene näher kennenlernen. Es fühlt sich an, als würde man ihr eigenes Rezeptebuch in der Hand halten: die handgeschriebenen Notizblätter und gepressten Blumen wirken, als müsste man aufpassen, dass sie beim Blättern nicht aus dem Buch fallen. Die Haptik des Buches unterstreicht dieses Gefühl. Die schlichten und atmosphärischen Bilder sind nicht etwa altmodisch, sondern so schön, dass man sie sich am liebsten an die Wand hängen mag. Sie erzählen die Geschichte von Nanettes Leben, das sich rund um Essen und den eigenen Gasthof drehte. Folglich beinhaltet das Buch traditionelle fränkische Wirtshausküche. Die Rezepte werden uns mit Hintergrundinformationen, fränkischem Dialekt und Erzählungen über Nanettes Leben nahegebracht. Ich lese das Buch wie einen Roman, der einem ein wohliges nostalgisches Gefühl beschert und nebenbei das perfekte Klößerezept beinhaltet. Ein Augen-, Gaumen- und Gefühlsschmaus!
„Nanettes Kochbuch“ ist richtig liebevoll gestaltet mit alten Fotos, historischen Erinnerungen wie Speisekarten und Einkaufszetteln oder gepressten Blumen, die einen in die Szenerie versetzen. Die Mischung aus der erzählten Geschichte über „Nanette“ und ihr Wirtshaus ist herzerwärmend zugänglich und auch die Food Fotografie (auch wenn lange nicht alle Rezepte bebildert sind) transportiert die schlichte, bäuerliche Perfektion der Rezepte. Man möchte gleich in der Peterlesuppe löffeln und den Teller Spargel mit Buttersauce auf der gelben Tischdecke zu sich beamen. Inhaltlich und ästhetisch sehr gelungen!
Eigentlich kann man gegen dieses Werk nichts sagen. Es ist ein richtig schön gestaltetes Buch und die Rezepte decken das ab, was man von einem Buch über klassische „Hausmannskost” erwartet. Was mich aber schon nach wenigen Zeilen stört, sind die Texte, die mir Nannette näherbringen sollten. Sie wirkten auf mich gestellt, sodass Nannette mir wie eine Kunstfigur erscheint. Eine Projektionsfläche für die Sehnsucht nach der „guten alten Zeit”. Das passt zur Rezeptauswahl, löst bei mir aber eine unterschwellige Ablehnung aus.
ARD Buffet - Regionale Genüsse
Der Deutsche Kochbuchpreis - SILBER

Ø 7.3

ARD Buffet - Regionale Genüsse

Präsentiert von Vincent Klink und Sybille Schönberger

Verlag: GRÄFE UND UNZER Verlag

Im ARD Buffet wird in verlässlicher Regelmäßigkeit die regionale deutsche Küche praktiziert. Dieses Kochbuch versammelt einige der besten Rezepte daraus. Sie sind mal streng regional, mal länderübergreifend, indem sie die Produkte mit internationalen Rezepturen kombinieren. Einige Beispiele sind die Linsen mit Spätzle und Würstchen; Gemüserösti mit Frühlingsquark; Tafelspitz mit Apfel-Meerrettich; Kalbsröllchen mit Parmesan-Spinat-Füllung; Schweinefilet mit Kräuterklösschen; Erdbeer-Vanille-Grütze; Käsekuchen-Tarte mit Himbeeren oder gestürzter Beeren-Vanille-Kuchen.

Begründung der Jury:

Das ARD Buffet Kochbuch ist für mich eine positive Überraschung! Es vereint zeitgemäße, saisonale Rezepte, Hintergrundwissen und ansprechendes Design. Das Buch hat das Potential ein langer Begleiter in der eigenen Küche zu sein. Denn die Rezepte sind alltagstaugliche „comfort food“ Gerichte, die trotzdem neue Ideen und Inspirationen beinhalten, aber nicht überfordern. Besonders positiv fällt auf, dass der gemüsefokussierten Küche viel Raum gegeben wird und auch auf Nachhaltigkeit und Regionalität geachtet wird. Besonders hilfreich sind die Einleitungsseiten zu den Kapiteln, die nach Produkten aufgeteilt sind. Dort werden von Sybille oder Vincent persönliche Tipps, Hintergrundinformationen und, vor allem bei den Fleisch- und Fischkapiteln, Hinweise zur Haltung und Tipps zum Einkauf gegeben. Dabei, wie auch bei der Kochshow, gibt es überall sympathische und persönliche Kommentare. Ein sehr erfrischendes und modernes Kochbuch für jeden Tag!
Wer Vincent Klink kennt oder sogar schon bei ihm gegessen hat, der versteht dieses Buch sofort: beste Zutaten klassisch, aber trotzdem raffiniert zubereitet – immer unaufgeregt und einfach gut. Das Buch bündelt immer mehrere Rezepte, die an einer kleinen Warenkunde von Wirsing bis Saibling und persönlichen kurzen Geschichten von Klink und Sybille Schönberger aufgehängt sind. Toll, dass hier auch wirklich viele vegetarische Rezepte untergekommen sind. Und trotzdem aber klar abgegrenzt auch Fleisch und Fisch ihre Bühne bekommen. Das Ganze noch ästhetisch fotografiert, und schon hat man ein Kochbuch, das seinen Platz in der Küche verdient, weil man wirklich viel nachkochen möchte.
Lineares Fernsehen gilt schon als „out“, wie ist es dann mit gedruckten Inhalten aus dem linearen Fernsehen? Aber für ein Buch, das im Grunde „nur“ die Rezepte einer Fernsehsendung abbildet, überraschen mich doch die Qualität der Fotos, die Vielfältigkeit der Rezepte sowie die verbrauchernahen Informationen. Aber für eine Auszeichnung müsste es nach meinem Geschmack doch etwas mehr als eine Rezeptsammlung sein.
Bayerische Küche vom Feinsten
Der Deutsche Kochbuchpreis - BRONZE

Ø 7.2

Bayerische Küche vom Feinsten

Tradition & Fine Dining

Autor/-in: Verlag: Matthaes

Alexander Huber kocht im traditionsreichen „Huberwirt“ im bayerischen Pleiskirchen. Seine Gerichte entstammen der bayerischen Küche und werden von ihm auf Sterneniveau gehoben. Diese moderne Wirtshausküche zeigt er in 60 Rezepten, die mal bodenständig und mal komplex sind. Beispiele sind die Kasnockerl vom Allgäuer Kas mit geschmolzenen und knusprigen Zwiebeln; Forelle blau mit saurem Essiggemüse, gebratenen Bamberer Hörnchen und brauner Butter; Entenbrust mit Dampfnudel, Haferwurzel und Salzzwetschge oder die Cremeschnitte „Schwarzwälder Kirsch“ mit Karamelleis.

Begründung der Jury:

Das Buch bringt die kulinarische Philosophie von Alexander Hubert in Texten, Rezepten und Bildern gut zur Geltung. Auch wenn einige Rezepte aus seiner Wirtshauskarte stammen, wirkt alles modern und zumindest in Teilen neu und individuell interpretiert. So lernt man mit dem Buch weniger die Küche Bayerns als die Küche Alexander Hubers kennen.
Wie viele andere Titel des Matthaes Verlag ist auch das Buch von Alexander Huber ein echtes Signature-Werk in dunkler, schlichter Optik, die Anspruch und Hochwertigkeit der Gerichte aufgreift. Die Rezepte sind in großen Teilen komplex, sowohl was die Zubereitung als auch was das Plating angeht. Eingestreut sind familiäre Eindrücke aus dem Huberwirt, der wirklich auf eine beeindruckende Familientradition und Geschichte zurückblicken kann. Schön, dass auch ein paar Wirtshausrezepte nicht fehlen durften. Die etwas artifizielle Fotografie mag sich für mich aber nicht recht mit dem Thema des Buches – und auch nicht der zugänglichen Herzlichkeit der Familie Huber – anfreunden.
Dieses Buch ist eine umfassende Auswahl Alexander Hubers eigener Bayerischer Küche aus seinem Restaurant Huberwirt. Inhaltlich geht dafür die Persönlichkeit von Alexander und seiner Küche etwas unter. Fließtexte und Hintergrundinformationen fühlen sich zu oft nach Pressetexten an. Die Nähe zu ihm, seiner Motivation und Leidenschaft für die Küche geht daher etwas verloren. Seine Gerichte aus der Spitzenküche sind für Kochlaien mit langen, kleinteiligen Zutatenlisten gegebenenfalls etwas einschüchternd. Dafür gibt es tolle, weitere Kapitel, in denen es niederschwellige aber gehobene Volksfest- und Wirtshausspezialitäten gibt. Außerdem eine Auswahl an Grundrezepten von der Ochsen- bis zur Vanillesauce, die man im Alltag nutzen kann. Insgesamt ein schönes großformatiges Werk zu einer erfrischenden, bayerischen Küche mit spannenden Komponenten wie der Ganztierverwertung und Fine Dining Techniken.
Das NEUE HAMBURG KOCHBUCH

Ø 7.0

Das NEUE HAMBURG KOCHBUCH

So kochte und kocht die Hansestadt

Autor/-in: Verlag: KJM Buchverlag

Was ist die ursprüngliche Hamburger Esskultur und wie sieht eine moderne Hamburger Küche aus, die ihre regionalen Wurzeln behält? Kulinarik-Journalist Jens Mecklenburg und Koch Thomas Sampl (Restaurant und Markthalle „Hobenköök“) haben sich zusammengetan, um diese Fragen zu beantworten. Das Ergebnis ist ein Kochbuch, in dem es fast 100 für Hamburg typische Gerichte in drei Varianten gibt: historisch, klassisch und modern. Dazu gehören zum Beispiel die klassische im Ofen gebratene Vierländer Ente und als moderne Variation daneben Enten-Tacos mit Äpfeln, Katenschinken, Rotkraut und Palmkohl.

Begründung der Jury:

Ich finde die Idee, alte und neue Rezepte gegenüberzustellen klasse. Auch haben die Texte Hand und Fuß. Es wäre wünschenswert, wenn bei mehr Kochbüchern Konzept, Form und inhaltliche Qualität so ineinandergreifen würden.
Das neue Hamburger Kochbuch ist eine umfassende Zusammenfassung der Hamburger Ess- und Trinkkultur. Die Gerichte, die oft um eine modernisierte Variante ergänzt werden, und ihre Produkte werden in einen historischen und kulturellen Kontext gesetzt. Dabei haben die Gerichte eine interessante Spanne von Hausmannskost bis hin zu überraschenden Rezepten, wie beispielsweise veganen Varianten der Klassiker. Ich hätte mir darüber hinaus aber eine noch stärkere Einordnung der historischen Rezepte in die heutige Zeit gewünscht. Besonders bei der produktbasierten Küche von Thomas Sampl. Warum sind in Hamburg frische Fischprodukte teilweise nicht mehr so einfach aufzufinden und welche Fischarten sollte man überhaupt noch essen? Toll ist dafür die Vorstellung von Hamburger Lebensmittelhersteller:innen, die natürlich zur Kultur dazugehören. Dieses Buch macht Spaß und neugierig auf mehr!
Die Optik des Buches irritiert leider insgesamt schon auf den ersten Blick. Teilweise schlecht ausgeleuchtete, unscharfe und verfärbte Rezept- und Reportage-Bilder nehmen den sicher leckeren Gerichten das „appetit-machende“ und auch das wenig kreative Layout oder die schwarz-weiß Illustrationen vermögen das nicht wett zu machen. Mit den fast 100 Rezepten (inkl. Getränke-Zubereitungen) erhält man allerdings doch eine ganz beträchtliche Menge Ideen von Aalsuppe über Finkenwerder Scholle bis Rote Grütze, die in Klassiker, Modernes und Historisches eingeteilt sind – teilweise auch in verschiedenen Abwandlungen (wie beim Labskaus). Für hartgesottene Hamburg-Fans sicher kein schlechtes Nachschlagewerk.
Heimatküche einfach anders!

Ø 7.0

Heimatküche einfach anders!

Autor/-in: Verlag: Edition Michael Fischer

Das erste Kochbuch von Fernseh- und Sternekoch Robin Pietsch ist eine Zusammenstellung seiner besten Gerichte, die die Küche seiner Heimat mal traditionell, mal modern auf den Teller bringen. Seine über 80 Rezepte variieren zwischen einfach und anspruchsvoll-modernisiert. Mit dabei sind auch Lieblingsrezepte aus Pietsch´ Kindheit, wie die typisch ostdeutschen Nudeln mit „Tomatensauce“, Jagdwurst und Ketchup. Außerdem noch Spinat-Quiche, Hähnchen-Nuggets und Kürbissuppe mit karamellisierten Kürbiskernen.

Begründung der Jury:

Das Buch von Robin Pietsch ist eine Art Grundlagenkochbuch kombiniert mit Einblicken in die Küche des Sternekochs. Das bedeutet, der Begriff „Heimat“ ist hier nicht geographisch gemeint, sondern es geht um Anregungen, eine eigene „zu Hause“-Küche zu entwickeln. Und das ist ziemlich gut gemacht. Die Gerichte sind gut fotografiert, die Rezepte vielfältig und die Grundlagen knapp, aber nachvollziehbar erklärt.
Robin Pietsch bringt in seinem Kochbuch Spitzenküche Kochanfängern nahe. Denn der Koch verleiht klassischen Gerichten seine Interpretation, die wir in verschiedenen Schwierigkeitsstufen nachkochen können. Obwohl Heimatküche saisonale Gerichte suggeriert, gibt es mir hier zu wenig Rezepte mit Informationen zu den Lebensmitteln und deren Verarbeitung. Dafür zeigt uns Robin Pietsch aber Techniken aus seiner professionellen Küche, wie z. B. die Herstellung eigener Kräuteröle. Die Übersichtlichkeit geht zwischen den Kapiteln mit kreativen Namen und den vielen Informationen etwas verloren. Was aber abenteuerlustige Köch:innen, die keine wilden Aromakombinationen suchen, sondern ihrem Rezept-Repertoire einen neuen Schliff verpassen wollen, nicht stören sollte!
Robin Pietsch steigt mit ein paar „Kochschul“-Seiten in sein Buch ein. Hier geht es um Fonds, Velouté und Demi Glace und auch bei der Art der Anrichtung der Gerichte auf den Bildern wird schnell klar: Anfänger können so eher nicht auf die Schnelle kochen und anrichten. Viele der modern aufbereiteten Interpretationen regionaler Küche sind wahrscheinlich also eher für den ambitionierten Hobbykoch gedacht (auch wenn das erste Kapitel „aller Anfang ist leicht“ heißt). Es sind aber auch einfachere Teller (und schön: Menü-Vorschläge) dabei. Insgesamt wirklich ein paar interessante Ideen im Sinne „Heimatküche mal anders.“ Die Fotografien wirken auf dem glänzenden Papier leider etwas grell und übersteuert.