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Die besten Kochbücher für internationale Küche – 2021

202220212020
Der Duft von Zimt & Zedern
Der Deutsche Kochbuchpreis - GOLD

Ø 9.1

Der Duft von Zimt & Zedern

60 orientalische Rezepte aus der Levante-Küche Beiruts

Autor/-in: Verlag: Christian Verlag

Merijn Tol nimmt ihre Leser mit auf einen kulinarischen Rundgang durch Beirut, erklärt die Geschichte der Stadt und zeigt die besten Restaurants und Rezepte. Viertel für Viertel geht der Rundgang durch die Stadt, unterbrochen von mal authentischen, mal europäisierten Gerichten des Libanon. Einige Rezeptbeispiele sind Labneh mit Pinienkernen, gebackener roter Bete, Sumach und Pistazien; Knusprig gebackener Engelshaar-Teig mit Zitrus-Orangenblüten-Sirup; Fladenbrot mit mariniertem Lammfleisch und halbgetrockneten Tomaten; Kichererbsen-Salat mit Tahina-Creme; Hähnchenschenkel mit Sumach und Orangen.

Begründung der Jury:

Der Titel verspricht bereits, in eine schöne Welt der Gerüche, Gewürze und Farben abzutauchen. Beirut bekommt ein Gesicht mit diesem Buch, mit einem Stadtplan und Reportage-Bildern, Geschichten und gastfreundlichen Eindrücken. Die Autorin führt uns durch eine für die meisten sicher unbekannte Stadt und ihre Viertel, und die bunten Farben, alten Autos und zugänglichen Einblicke können nur Lust machen auf die Levante-Küche, die hier in appetitanregenden Food- und Reportagebildern festgehalten sind. Viel Warenkunde und Übersetzungen ergänzen das Eintauchen in diese spannende Stadt konsequent, genauso wie Tipps und Adressen. Wirklich ein schönes Buch zum Reisen und Träumen im Kopf und zum Nachkochen der köstlichen Rezepte von Fladenbroten über Hähnchen mit Mispeln bis Kurkuma-Kuchen.
„Der Duft von Zimt & Zedern" ist ein herausragendes, authentisches Buch, weil es so viel mehr ist als ein Kochbuch: Es nimmt eine*n mit auf die Reise nach Beirut, erklärt Hintergründe, Menschen und Kulinarik. Verschiedene Spaziergänge weisen auf die Geschichte und Reisetipps hin, lassen die Umwelt vergessen und von der nächsten Reise träumen. Die Rezepte sind gut erklärt, es gibt ein Glossar mit den wichtigsten Basics, das hilft, sich auch an unbekannte Gerichte zu trauen.
Dieses Buch handelt von Beirut, einer Stadt, die jeden Tag ums Überleben kämpft. Deren innere Widersprüche, Armut, Reichtum, Jung und Alt, Konfession und Glaube, sich vielleicht am Ende nur über eines versöhnen – der Lust am unglaublich guten Essen. Merijn Tol hat einen kulinarischen Stadtführer geschrieben, der uns durch die vielen unterschiedlichen Viertel Beiruts begleitet. Die Rezepte werden ausgesprochen nachvollziehbar erklärt. Dazu gibt es für jedes Viertel: Adressen ausgesuchter Bars und Restaurants, die es sich lohnt zu besuchen. Dazu noch ein kleines Vokabelheft zu kulinarischen Begriffen.Ein facettenreiches, vor allem sehr ehrliches Buch, ohne orientalischen Kitsch und ohne Klischee, das die manchmal schwierigen sozialen Umstände, in denen die Menschen leben, kochen, backen, essen und feiern in all seinen Schattierungen schildert. Oder wie Merijn sagt: „Essen ist Leben“.
Test Kitchen
Der Deutsche Kochbuchpreis - SILBER

Ø 8.4

Test Kitchen

Neue Rezepte aus der Speisekammer. Einfach kochen, Ottolenghi-Style

Autor/-in: Verlag: Dorling Kindersley Verlag

Das neue Kochbuch von Yotam Ottolenghi und seiner Küchen-Crew ist eine Folge der Corona-Pandemie. Denn der zeitweilige Ausnahmezustand brachte ihn und seine Freunde zu der Idee, mit dem zu kochen, was ohnehin gerade da ist und das Beste daraus zu machen. Die Rezepte sind im typischen Ottolenghi-Stil gehalten: europäische, mediterrane und orientalische Küche mischen sich und bekommen hier und da noch einen asiatischen Akzent. Beispiele sind der Feta in der Sesamkruste mit Honigsirup; Röstkartoffeln mit Aioli und Pinienkernbutter; gekräutertes Spitzkohl-Kartoffel-Gratin mit Gruyère und Ricotta; Erbsenmus mit Tahin und Za´atar; Karottenkuchen-Cookies mit Frischkäsefüllung und Zitronenpudding mit Zitronen-Ahornsirup-Butter.

Begründung der Jury:

Das Problem ist uralt. Aber ein Buch dazu – gab’s sowas schon? In Ottolenghis Shelf Love schreibt der Zufall die Rezepte. Was seit Wochen in der Ecke schlummert oder im Kühlschrank immer weiter nach hinten rückt – lässt sich daraus nicht was Wunderbares zaubern? Aus Käse, Hühnerbrühe, Milch? Pistazien, Cashew oder Sesam? Auberginen, Gurken, Senf? Kreatives, undogmatisches kochen. Ottolenghis Test Kitchen ermutigt zum Jonglieren und Experimentieren. Das Buch ist damit für unsichere Einsteiger genauso geeignet wie für entdeckungsfreudige Hobbyköche. Ganz bestimmt kein coffee table book, eher ein Erste-Hilfe-Koffer für die Küche.
Test Kitchen ist ein großartiges Buch, das zeitaktuell ist. Denn es nähert sich nicht nur dem Thema Food Waste, sondern räumt auch gleich noch den heimischen Vorratsschrank auf. Von Regal, über Gemüsekiste, bis zum Eisfach lädt Otto Lenghi ein, sämtliche Vorräte anzufassen und die Inhalte aufzubrauchen. Dabei ist das Buch noch sehr schön und modern gestaltet, sodass ich es mir als Kitchen Table Book gerne (nicht nur) in die Küche stelle. Wie immer: Otto Lenghi ist eine Inspiration.
Wer hier ein klassisches Ottolenghi-Kochbuch erwartet, wird wahrscheinlich enttäuscht. Die Rezepte, Erläuterungen und flexiblen Abwandlungen dazu sind wirklkich toll, aber auf den ersten Blick erschließen mag sich das Buch nicht. Auch täuscht der Untertitel „Shelf Love“ und die im Sinne des Vorratsschrankes erdachten Kapitel etwas: am Ende geht es hier nämlich garnicht so viel um das Verbrauchen von Vorräten, sondern eben auch vorallem um Rezepte, die in der Test Kitchen des Ottolenghi Teams entstehen. Wenn man wirklich Lust hat, sich zu beschäftigen und zu lernen, wie man mit verschiedenen Zutaten vielfältig umgehen kann, ist das Buch eine super Grundlage. Wer einfach „nur“ ein schönes Rezeptbuch sucht, ist wahrscheinlich anderweitig besser versorgt.
Die besten Fladenbrote der WeltBlick ins Buch
Der Deutsche Kochbuchpreis - BRONZE

Ø 8.0

Die besten Fladenbrote der Welt

Pizza, Flammkuchen, Focaccia, Pita, Naan, Tortilla und viele andere mehr

Autor/-in: Verlag: Becker Joest Volk Verlag

Lutz Geißler und Alexander Englert zeigen in ihrem Zwitter aus Koch- und backbuch Rezepte aus aller Welt für flache Brote. Von Pizza über Pita bis Burrito und Knäckebrot, Flammkuchen, indisches Naan, Tortillas und Südtiroler Paarlen. Beispiele sind die Pizza Margherita, Focaccia mit karamellisierten Zwiebeln, Ciabatta, klassischer Flammkuchen, Hähnchen-Pita-Döner, Chicken Curry mit Naan-Brot, Yufka-Kebab, Injeera mit Rindfleisch-Wot, Burritos und die Knäckebrot-Schnittchen mit Lachs und Frischkäse-Creme.

Begründung der Jury:

Was sich alles aus Mehl und Wasser machen lässt! Pizza, Flammkuchen, Naan Tortilla, Yufka – eine Reise um die Welt mit mehlverklebten Händen. Allein die thumbnail-artige Rezeptübersicht zu Beginn lässt den Mund schon wässrig werden. Die roten Tomaten strahlen von der Pizza, der Speck vom Flammkuchen, der grüne Spinat leuchtet vom Hackfleisch-Pide. Das sieht sehr gut aus. Ausführlich werden die verschiedenen Mehle und ihre Eigenschaften beschrieben. Wir lernen Sauerteig zu machen und richtig kneten. Sachkenntnis auf jeder Seite. Ein no-nonsense-Buch für Leute, die sich richtig reinknien wollen. Sehr gut.
Wo Lutz Geissler drauf steht, ist großes Expertenwissen zum Thema Brot und Teige drinnen – so auch hier. „Die besten Fladenbrote der Welt“ behandelt das Thema wirklich von Grund auf und im Detail. Von Pizza über Pita bis Naan kann man sich hier mit Zeitplänen und Uhrzeiten, Grammangaben und Tabellen ganz nah an die perfekten Teige und Zubereitungsweisen für die verschiedenen „Brote“ herantasten. Handgriffe sind Schritt für Schritt in Fotos festgehalten, dazu kommen Mehlkunde, ein Exkurs über Sauerteig und Zubehör. Insgesamt eher ein Anleitungsbuch und Nachschlagewerk, als ein schöner Bildband – die Rezeptfotos der eingestreuten Zubereitungsvarianten sind dann doch eher nüchtern. Trotzdem gut, dass gleich ein paar Inspirationen zum weiteren Verarbeiten oder Kombinieren der fertigen Teiglinge an die Hand gegeben werden.
Traditionelles Handwerk wird hier gut und häppchenweise vermittelt. Dazu werden die einzelnen Schritte fotografisch festgehalten und sind eine große Hilfe beim Nachbacken. Einen großen Teil des Buchs machen Pizza, Pinsa & Co aus. Bei den europäischen Gerichten punktet dieses Buch mit Wissen und Erfahrung. Bei den Gerichten aus aller Welt fehlt mir jedoch leider etwas die Authentizität in den Produkten und Herstellungsweisen. Dennoch ein gutes Buch für Anfänger.
Meine Weltreise in Rezepten

Ø 7.3

Meine Weltreise in Rezepten

Autor/-in: Verlag: GRÄFE UND UNZER Verlag

Als Julia Komp 2016 ihren ersten Michelin-Stern erhielt, war sie die jüngste Sterneköchin Deutschlands. Aber damit war sie noch lange nicht am Ziel. Ihr großer Wunsch: Um die Welt reisen, Rezepte und Aromen einsammeln und damit ihren eigenen Kochstil bereichern. Aus den Geschichten und Rezepten der 20 Länder ihrer Reise hat sie nun dieses Kochbuch geschrieben. Es ist eine Mischung aus Reiseberichten und kreativen, international inspirierten Gerichten. Mit dabei sind eine geschmorte Lammschulter mit Biryanireis, ein modernes „Börek“ in zwei Teilen mit geschmorten Rinderbäckchen; eine Somtam-Variation mit Kürbis-Pannacotta, Kürbissphäre, Thai-Basilikum-Creme und Erdnusscreme oder knuspriger Schweinebauch mit Teriyaki-Sauce, Soja und Kaiserschoten.

Begründung der Jury:

Abschied und Neubeginn, storytelling wie bei den alten Griechen. Das dramaturgische Konzept des Buches ist eingängig. Und es geht gut auf! Im Fokus der Reise: Nordafrika, der Orient, und vor allem Ost- und Südostasien, kulinarisch keine schlechte Wahl. Die Rezepte sind keineswegs simpel, aber überwiegend gut nachzukochen. Auffallend: Die Begleittexte sind anekdotenhaft und mit leichter Hand geschrieben. Auch gestalterisch gefällt das Buch. Die Schnappschüsse von unterwegs fallen zwar etwas ab, die Fotografien der Speisen aber sind von ausgesprochen hoher Qualität. Eine echte Freude.
Julia Komps Buch beginnt, wo sie auf Schloss Loersfeld aufgehört hat. Sie verließ das Restaurant, in dem sie 2016 „Deutschlands jüngste Sterneköchin“ wurde, um viel von der Welt zu sehen - und zu schmecken. Es ergibt sich hier eine ziemlich wilde Mischung von Orient über Asien bis Nordafrika, was ihre Reiseberichte und die dazugehörigen Rezepte angeht. Ich tue mich etwas schwer damit, die Linie zwischen den Rezepten zu finden. Denn sie sind teilweise simpel und authentisch, teilweise aber auch in sehr hohem Niveau angesiedelt. Insbesondere was Komponentenvielfalt, Zubereitung und Plating angeht. Auch die Foodfotografie folgt in Stil und Bildausschnitten nicht unbedingt einem einheitlichen Muster. Dennoch: interessante kulinarische Reiseeindrücke, die ein oder andere Hintergrundstory und leckere Rezeptideen.
Eine Sterneköchin geht auf Weltreise - in diesem Buch vereinen sich zwei sehr schöne Themen. Besonders einfach nachzukochen sind die Rezepte auf den ersten und auch den zweiten Blick allerdings nicht. Dafür finden sich in dem Buch wiederum spannende Gerichte für fortgeschrittene Hobby-Köche mit Profi-Ambitionen, bei denen Präzisionsarbeit gefragt ist.
Ibrik

Ø 6.7

Ibrik

Balkanküche von Bukarest bis Istanbul

Autor/-in: Verlag: Knesebeck

Dieses Kochbuch stellt Rezepte in den Mittelpunkt, die die kulinarische Identität der Balkan-Länder zeigen. Von Griechenland bis Ungarn, von der Türkei bis Moldawien und von Rumänien bis Griechenland. Die Rezepte vereinen in sich unterschiedliche Küchenstile, die mit ihren Gewürzen und Produkten immer wieder Anklänge aus der orientalischen, europäischen und mediterranen Küche zeigen. Beispiele sind Hackbällchen in Tomatensauce; Schawarma mit Lammschulter; gefüllte Paprikaschoten und Orientalisches Hack mit Kichererbsen-Hummus.

Begründung der Jury:

Der Balkan-Küche kommt viel zu wenig Beachtung zu – in Buchform, aber auch in Restaurants. Die Autorin nimmt einen mit in eine (kulinarische) Kultur, über Kroatien bis Bulgarien und Griechenland, über die die meisten wohl eher wenig wissen. Das wirkt appetitanregend, lecker und nahbar. Und wie ein Buch, das für Feste und Freunde gut zum Einsatz kommen kann. Neben den klassischen Mezze und „Familiengerichten“ finden hier auch Eingemachtes, Brot und Desserts viel Platz und bieten die ein oder andere Anregung, die Gerichte in die Küchenkultur daheim zu übernehmen.
Dieses Buch ist eine grobe Reise durch die Balkanstaaten, mit der uns die Autorin durch die verschiedenen Länder und ihre Gerichte führt. An manchen Stellen fehlt es mir an Tiefe und Storytelling trotz der einleitenden Worte am Anfang jedes Kapitels.
Das Buch beginnt mit einer kleinen Enttäuschung. Auf dem Einband: eine Karte vom Balkan. Nur von Bukarest und Istanbul – den Protagonisten des Untertitels –
keine Spur zu finden. Man hätte so gern gesehen, wo entlang die kulinarische Reise geht. Auch bei der Verortung der Speisen ist der Leser auf sich gestellt: marinierte Sardinen, fermentierte Gurken, gegrillte Schweinerippchen, gefüllter Tintenfisch – man hätte gern gewusst: türkisch, ungarisch, kroatisch oder rumänisch? Dabei wirkt die Rezeptauswahl für sich genommen ausgesprochen vielseitig und schmackhaft. Abstriche gibt’s allerdings für den frevelhaften Einsatz der Mikrowelle. Fragen werfen auch Sätze auf wie: „Rustikales Hirtengericht. Wir haben es verfeinert. Der Geschmack ist aber der gleiche.“ Warum verfeinern, wenn der Geschmack der gleiche bleibt? Die Visualisierung der Speisen ist gelungen. Alles in allem ein interessantes Balkan-Rezepte-Buch. Mehr Liebe zum Detail wäre jedoch wünschenswert.